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Nutzt Facebook Daten, die man dem Konzern gar nicht überlassen hat?

Kathrin Helmreich, 1. Oktober 2018
Nutzt Facebook Daten, die man dem Konzern gar nicht überlassen hat?
Nutzt Facebook Daten, die man dem Konzern gar nicht überlassen hat?

Immer wieder steht Facebook in der Kritik, mit den Daten seiner Nutzer zu leichtfertig umzugehen. Aber nutzt der Social Media Riese Daten, die ihm gar nicht überlassen wurden?

Wie meedia, Futurezone und W&V berichten, zeigen Untersuchungen, dass Facebook Daten nutzt, die man dem Konzern gar nicht übergeben hatte.

Das Online-Portal Gizmodo beruft sich auf eine Gruppe von Akademikern der Princeton University, die Facebooks Werbestrategien im Detail analysierte.

Gibt man zum Beispiel seine Telefonnummer im Rahmen einer Zwei-Faktor-Authentifizierung an, wird diese nicht nur für den Zweck der Sicherheit verwendet, sondern dient auch noch zum Abgleich für Werbezwecke.

Auch wenn die Nummer nicht in den „allgemeinen Kontodaten“ abgelegt wird, wird diese zum Abgleich genutzt. Dies sei aber laut Klaus Gorny, Facebook-Sprecher, weder eine Überraschung noch ein Geheimnis. Denn auch bei der Authentifizierung heiße es: “Füge eine Telefonnummer zu deinem Konto hinzu, um loszulegen”.

Dies führt zu einem weiteren Thema bzw. zu einer weiteren Methode, die Facebook aber seit Monaten dementiert: Schattenprofile.

Marvin Schade von meedia erklärt:

Facebook nutzt Handynummern und Mailadressen nicht, um Nutzer direkt mit Werbebotschaften zu versorgen, sondern zum Abgleich. Ein bekanntes Modell ist: Kunden, die bei Facebook Werbung schalten wollen, können die von ihnen selbst gesammelten Kontaktdaten ihrer Zielgruppe bei Facebook hochladen, um eine so genannte “custom audience” zu erstellen. Facebook gleicht die Daten mithilfe der Kontaktdaten mit den im sozialen Netzwerk vorhandenen ab. Stimmen Mail oder Nummer überein, ist der Nutzer werberelevante Zielgruppe. Dabei sei aber wichtig, dass eine Werbebotschaft nicht nur einen einzigen Nutzer erreichen könne. Es brauche “mindestens 100 Matches, ansonsten kann diese benutzerdefinierte Zielgruppe nicht genutzt werden”, erklärte ein Sprecher gegenüber Spiegel Online.

Forscher probierten etwas aus:

Sie erstellten mehrere Facebook-Konten und überprüften, ob Facebook zum Beispiel die Handynummer aus einer anderen Quelle zieht:

Der Verdacht: Facebook könnte beispielsweise Telefonnummern aus den von anderen Nutzern bereitgestellten Kontaktinformationen ziehen. Das wäre dann der Fall, wenn ein Nutzer sein Telefonbuch für Facebook freigibt. Damit würde Facebook an Nummern gelangen, ohne dass deren Inhaber etwas davon wissen.

So schreibt Kashmir Hill von Gizmodo:

I directed the ad to display to a Facebook account connected to the landline number for Alan Mislove’s office, a number Mislove has never provided to Facebook. He saw the ad within hours.

Ich habe die Anzeige auf ein Facebook-Konto geleitet, das mit der Festnetznummer für Alan Mislove’s Büro verbunden ist, eine Nummer, die Mislove noch nie für Facebook bereitgestellt hat. Er sah die Anzeige innerhalb weniger Stunden.
[* Übersetzung deepl.com]

Fazit:

Wie also lässt sich die Ausgangsfrage nun beantworten? Nutzt Facebook wirklich Daten, die man dem Unternehmen nicht überlassen hat?

Die Versuche der Forscher zeigen, dass Facebook zumindest die Telefonnummer aus anderen Quellen beziehen kann und sie durchaus für Werbezwecke nutzt. Im Gegenzug dementiert Facebook aber genau diese Methode.

Am Ende muss jeder Nutzer für sich selbst entscheiden, wie viel Risiko er eingehen möchte und ob die Plattform für ihn noch als vertrauenswürdig gilt oder nicht.


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