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Facebook-Moderator wirft Meta Menschenhandel vor

Es ist nicht der erste Fall, in dem ein ehemaliger Moderator von Meta / Facebook den Konzern klagt. Grund dafür seien miserable Arbeitsbedingungen und Menschenhandel.

Claudia Spiess, 11. Mai 2022

Daniel Motaung hat bis 2019 als Moderator für Meta bzw. Facebook gearbeitet. Die Anstellung erfolgte nicht direkt beim Konzern, sondern wie in den meisten Fällen bei einem Drittanbieter wie hier „Sama“ in Kenia. Nun hat Motaung Klage eingereicht.

Verfassungswidrige Arbeitsbedingungen

Die Klage, die sich gegen Meta und den Auftragnehmer Sama richtet, begründet Motaung mit seiner Ansicht nach verfassungswidrigen Arbeitsbedingungen.

Zu Beginn stand eine irreführende Stellenausschreibung, aus der nicht hervorging, dass man als Facebook-Moderator eingestellt würde. Auch wurde in dieser nicht erwähnt, dass der Job traumatisch sein könnte. Sama selbst bezeichnet sich als „ethisches KI-Unternehmen“.
Dass bei Motaung nun PTBS (posttraumatische Belastungsstörung) diagnostiziert wurde und er selbst sagt, „Ich lebe einen Horrorfilm“, resultiert aus zahlreichen verstörenden Inhalten, die er ansehen musste. Darunter Videos von Enthauptungen und sexuellem Missbrauch an Kindern, was er nun schwer bis gar nicht verarbeiten kann. Die psychologische Unterstützung, die man erhält, sei laut Motaung unangemessen. Nach wie vor hat er Alpträume und auch Angst in der Öffentlichkeit. Ein Zustand, der es ihm auch nicht ermöglicht, einen neuen Job anzunehmen.

Hinzu kamen unregelmäßige und ungerechte Bezahlung (rund 2,20 Dollar pro Stunde) sowie Verletzung von Privatsphäre. Sein Versuch, sich mit Kollegen gewerkschaftlich zu organisieren, wurde abgewürgt, da er kurz darauf gekündigt wurde. Als Begründung wurde Motaung vorgeworfen, er hätte Kollegen schikaniert und genötigt. Außerdem würde sein Handeln Samas Beziehung zu Facebook „einem großen Risiko aussetzen“.

Menschenhandel

Sama-Mitarbeiter seien mit irreführenden Stellenausschreibungen in anderen Ländern rekrutiert worden. In Dutzenden Fällen seien Mitarbeiter unter falschem Vorwand nach Kenia geflogen worden, weshalb Motaungs Anwälte Sama und Meta auch Menschenhandel vorwerfen.

„Diese irreführenden Anzeigen richteten sich absichtlich an Kenianer und Afrikaner aus benachteiligten Verhältnissen, die, nachdem sie in einen Job hineingetrickst worden waren, von dem sie nicht wussten, dass sie sich beworben hatten, in einem gefährlichen Job ohne Sicherheitsnetz gefangen waren.“

Motaungs Anwälte

„Es ist nicht in Ordnung, dass wir von großen Konzernen aus Profitgründen ausgebeutet werden. Sie kommen hierher und sagen, dass sie uns retten werden, nur um uns auszubeuten und wegzuwerfen. Dem möchte ich ein Ende setzen.“

Daniel Motaung in einem Telefoninterview

Die Klage

In einem Schreiben vom 21. April versuchte Meta, seinen Namen aus dem Fall entfernen zu lassen. Sie seien „für keine der Behauptungen, die Motaungs Anwälte in einem Schreiben vom März erhoben hatten, haftbar“. Schließlich war Motaung bei Sama und nicht direkt bei Meta angestellt, somit könnten „keine Klagen gegen Meta wegen irgendwelcher Rechte und/oder Pflichten erhoben werden, die angeblich dem Kläger in Bezug auf seine Anstellung bei Sama zustehen und ihm geschuldet sind, da Meta nicht sein Arbeitgeber war.“

Die Anwälte von Motaung reagieren darauf, dass Sama ein „Agent“ von Meta sei, MitarbeiterInnen nutzen Facebook-interne Systeme und halten einen von Meta festgelegten Arbeitsplan ein.

In der Klage werden von Meta und Sama eine nicht näher bezeichnete, vom Gericht festzusetzende Entschädigung für alle aktiven und ehemaligen Moderatoren, die bei Sama angestellt sind bzw. waren. Inhaltsmoderatoren, die bei Drittanbietern angestellt sind, sollen den gleichen psychologischen Schutz sowie die gleiche Betreuung wie Facebook-Mitarbeiter erhalten.
Auch fordern sie eine Sicherstellung der Möglichkeit von gewerkschaftlichen Organisationen sowie eine Gehaltsanpassung an die Gehälter der internen Inhaltsmoderatoren von Facebook.

Bereits 2018 gab es eine Klage gegen Facebook von Moderatoren, die an PTBS leiden. Hier wurden gesamt 52 Millionen Dollar an die Betroffenen ausbezahlt. Wir berichteten HIER.

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Quelle: Time, BasicThinking, Spiegel


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