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Facebook hat auch deutsche Nutzer abgehört

Tom Wannenmacher, 30. August 2019

Messenger hat mitgehört!

Nun rückt der Facebook-Dienst Messenger ins Fadenkreuz der Datenschützer. Amazon, Google, Apple und Microsoft gerieten damit in Kritik, dass sie Mitschnitte von Unterhaltungen mit ihren digitalen Assistenten zum Teil durch Menschen abtippen ließen – ohne dass es den Nutzern bewusst war. Diesen Nutzern war allerdings bewusst, dass sie mit einer Maschine sprachen.

Der Hamburger Landesdatenschutzbeauftragte Johannes Caspar teilte mit, dass Facebook in Europa die Sprachnachrichten von 48 Nutzern von Menschen hat mitschreiben lassen. Fünf davon aus Deutschland. Diese Zahlen hat Facebook der irischen Datenschutzbehörde genannt.

In Irland befindet sich die für Europa zuständige Facebook-Tochter.

Die automatische Transkriptionsfunktion des Messengers ist in Europa eigentlich nicht verfügbar, anders als im Facebook-Mutterland USA. Da diese Funktion für Europa aber nicht verfügbar ist, ist hier auch keine aktive Einwilligung oder Ablehnung durch den Anwender möglich.

Die menschliche Transkription der europäischen Nutzer könnte zustande gekommen sein, als man mit einem Facebook-Anwender kommuniziert hat, der ein US-Konto nutzt.

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Wie Datenschützer Caspar mitteilte, seien Stichproben von Aufzeichnungen der Messenger-Sprachnachrichten nur einige Tage zwischen Ende Juli und Anfang August direkt in den USA von Menschen ausgewertet worden. Somit muss die nationale Datenschutzbehörde den Fall betrachten – und nicht die irische Behörde, die für die europäische Facebook-Tochter zuständig ist.

Insgesamt seien 14 betroffene Aufsichtsbehörden durch die irischen Datenschützer informiert worden.

Wofür benötigt man die automatische Transkriptionsfunktion überhaupt?

Siri, Alexa und Co. müssen ständig weiterentwickelt werden, um auf die Wünsche ihrer Kunden besser reagieren zu können. So werden Sprachnachrichten aufgezeichnet und ausgewertet. Diese Transkriptionen werden dann von Menschen kontrolliert und gegebenenfalls verbessert.

Johann Caspar will den Fall bei Facebook weiter aufklären. Die jüngste Diskussion um Sprachassistenzsysteme wird dazu führen, dass die Auswertung der Mensch-zu-Mensch-Kommunikation bei Facebook gestoppt wurde.

„Gleichwohl markiert der Vorgang einen äußerst beunruhigenden Trend zur menschlichen Überwachung von Individualkommunikation durch Diensteanbieter, der höchstpersönliche Bereiche betrifft und massiv in Rechte und Freiheiten der Betroffenen eingreift“, sagte Caspar.

Die Verschwörungstheorie

Verschwörungstheoretiker haben schon länger den Verdacht, dass u.a. Facebook auch private Gespräche mithört, um Werbung zu personalisieren.

Hat man sich gerade noch mit der Freundin über ein bestimmtes Produkt unterhalten, wird genau dieses beim nächsten Facebook-Besuch mit einer Anzeige beworben. Facebook-Chef Mark Zuckerberg weist diese Vermutungen kategorisch zurück. Er erklärt diese „Auffälligkeiten“ mit entsprechenden Algorithmen.

Fakt ist, das Unternehmen hat die Möglichkeit genutzt und die Sprachnachrichten seiner User ohne entsprechende Einwilligung abgehört und mitschreiben lassen.

Quelle: Golem
Autorin: Ingrid Brockhaus

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