Das passiert, wenn man Opfer eines Fake-Gewinnspieles auf Facebook wird.

Tom Wannenmacher, 13. August 2018
Bei unseriösen Facebook-Gewinnspielen geht es um Likes sowie um NUTZERDATEN, die am Ende gewinnbringend verkauft werden. 
Bei unseriösen Facebook-Gewinnspielen geht es um Likes sowie um NUTZERDATEN, die am Ende gewinnbringend verkauft werden. 

Laufend berichten wir über gefälschte Gewinnspiele auf Facebook, doch was steckt dahinter und welches Ziel verfolgen hier die Betreiber solcher Seiten?

Im Prinzip geht es um Likes, Likes, Likes sowie um NUTZERDATEN, die am Ende gewinnbringend verkauft werden.  Am Ende landen diese Daten in einer Datenbank, welche dann Jahre im Netz herumhängt. Der Nutzer kommt aus diesem Kreislauf nicht mehr heraus .

Was bedeutet das?

Die Daten der Gewinnspielteilnehmer werden am Ende in eine Datenbank gespeist und der jeweilige Teilnehmer darf sich in Folge auf etliche Werbemails, Werbeanrufe udgl. “freuen”. Aber nicht nur das, denn in den meisten Fällen werden solche Nutzerdaten auch weiter verkauft. So ein Datensatz kann dann dem Verkäufer schon ein paar Euro einbringen.

Der Faktencheck

Als Beispiel dient diese gefälschte Seite mit Fake-Gewinnspiel: Audi RS7

Nimmt man nun an einem Gewinnspiel teil, erhält man folgende Antwort via private Nachricht:

Screenshot by mimikama.at

Warum? Weil der Link zur externen Webseite, bei der man seine Daten hinterlassen soll, im Statusbeitrag schnell von Facebook gefiltert werden kann und die gefälschte Seite so ratzfatz dicht gemacht wird.

Um die Lebensdauer dieser Fake-Seiten zu erhalten, wird einfach mit privater Nachricht gearbeitet.

Einige Zeit später erhält man nun diese Nachricht:

Screenshot by mimikama.atAb jetzt geht das Gespamme so richtig los. Immer wieder stehen wir als Verlierer da, der Gewinn wird nicht abgeholt, aber es gäbe nun die 3-fache Gewinnchance – um den Nutzer einfach bei der Stange zu halten. Denn die Hoffnung stirbt bekanntermaßen ja zuletzt und man möchte, dass das Fake-Gewinnspiel so oft wie möglich geteilt wird.

Screenshot by mimikama.atDies zieht sich über Wochen hin – kein Gewinn, keine Gewinner, dafür ständig neue Fake-Gewinnspiele.

Screenshot by mimikama.atNach einiger Zeit bemerken wir, dass es die Seite aktuell nicht mehr gibt. Sie ist nun im Chat als “Facebook-Nutzer” gelistet. Sie wird jedoch immer wieder mal aktiv. So lassen sie die Seite wieder neu aufleben und nenn sich anders. Z.B.: Mercedes Benz E oder Audi RS7 …

Screenshot by mimikama.at

Warum all die Mühe?

Die Betrüger haben es vor allem auf persönliche Daten abgesehen bzw. wollen sie den Nutzer zu einem Affiliate-Programm locken.

Möglichkeit “Seitenverkauf”

Dem Seitenbetreiber liegt es daran, möglichst viele “Gefällt mir”-Angaben zu bekommen. Er arbeitet also gezielt daran, die Fanzahlen in die Höhe zu treiben. Ab einem bestimmten Punkt findet sich diese Seite dann zum Verkauf.  Die Fans wundern sich lediglich irgendwann, welche Inhalte sie nach dem Verkauf zu Gesicht bekommen und warum sie diese Seite geliked haben. Relativ harmlos also, ungemütlich wird es, wenn die Seite ab einer bestimmten Fananzahl auf so genanntes “Affiliate” abzielt.

Möglichkeit “Affiliate”

Hier wird ab einem bestimmten Zeitpunkt die Beschreibung des Gewinnspiels verändert.

Die Teilnahmebedingungen bekommen einen Zusatz, meist wird ein Link eingefügt, den man besuchen soll. Dort warten dann irgendwelche Partnerprogramme, über welche der “Veranstalter” Provisionen einsackt. Im harmlosesten Fall sind es Partnerprogramme, die dem Teilnehmer einen Haufen Werbung bescheren, im extremen Fall verbirgt sich für die Besucher via Smartphone eine WAP-Billing-Abofalle hinter dem Link (bei welcher der Veranstalter natürlich ebenso Provisionen kassiert). Hin und wieder findet man diese hochgezüchteten Facebook-Seiten dann auch bei eBay zum Verkauf angeboten.

Egal, was da noch passiert: Den angepriesenen Gewinn gibt es nicht!

Augen auf, wenn es darum geht, seine persönlichen Daten ins Internet zu stellen. Lasst Euch nicht veräppeln! Zuerst denken – dann klicken!

Die berühmten 3 Schritte

Solche Gewinnspiele laufen auf drei Ebenen ab. Siehe auch das Fake-Gewinnspiel zum Phantasia Land. Denn bei Fake-Gewinnspielen, die eine starke Viralität haben, handelt es sich um ein Geschäftsmodell. Im Gegensatz zu echten Gewinnspielen, die von Firmen zu Werbezwecken veranstaltet werden, nutzen Fake-Gewinnspielveranstalter das Produkt als Lockvogel.

Den ersten Schritt stellt der Köder dar.

Dieser Köder taucht zumeist in Form einer Statusmeldung auf Facebook, einer WhatsApp Nachricht oder in seltenen Fällen auch als Instagram-Meldung auf. Diese Köder sind in ihrer Art alle identisch: Sie vermitteln einen Gewinn, den man im Grunde schon bereits in der Tasche hat. Sie vermitteln die Leichtigkeit der Teilnahme und locken auf eine Webseite. Es handelt sich hierbei um den Köder. Der Köder ist der virale Einstieg in den Gewinnspielablauf.

Schritt zwei stellt meist eine Webseite dar,

…die sich als ein vermeintliches Gewinnspiel mit einer Fragerunde ausgibt. Diese Fragerunde ist nicht zwingend immer vorzufinden, da sie zum einen irrelevant ist und auch nur den Charakter eines Gewinnspiels vortäuschen soll. Wir nennen diesen Schritt zwei auch die Brücke. Die Brücke zeigt sich in Form eines Fake- Gewinnspiels, in dieser Brücke wird einem zumeist der Gewinn direkt versprochen, es wird getäuscht und mit gefälschten Elementen gearbeitet. Diese Brücke ist letztendlich auch eine illegale Komponente, da die gegebenen Versprechen nicht eingehalten werden und sich der Aufbau sowie die Darstellung geschützter grafischer Elemente bedient. Das Corporate Design bestehender Firmen und deren Produkte werden gnadenlos ausgenutzt, auf der Brücke gibt man sich auch gerne als die dargestellte Firma aus. Ziel der Brücke:

a) Viralität erzeugen (Beispiel: leite dieses Gewinnspiel an 20 Kontakte weiter)
b) ein Link wird eingebaut, der zu dem vermeintlichen Gewinn führen soll

Den dritten und abschließenden Schritt

…stellt ein sogenanntes Affiliate Programm dar. Man verlässt die Brücke über einen Link, der einen Partnercode beinhaltet, welcher zu einem Provisionsprogramm gehört. Es handelt sich hierbei um ein Affiliate, welches nach Möglichkeit inhaltlich mit dem in der Brücke verlaufenen Fake-Gewinnspiel korreliert. Wir nennen diese abschließende Verlinkung den Ausgang. Merke: Der Ausgang selbst, also die Affiliates, auf die verlinkt wird, ist nicht illegal! Es handelt sich dabei um Geschäftsmodelle, bei denen der jeweilige Anbieter solcher Programme seine Vertriebspartner durch Provisionen vergütet. Diese Vertriebspartner werden vom Anbieter durch einen Identifikationscode erkannt, so dass jeder neu registrierte Teilnehmer an dem Affiliate Gewinnspiel auch dem Vertriebspartner zugeordnet werden kann. Derjenige, der die Brücke gestaltet, entscheidet übrigens beliebig, welches Partnerprogramm er als Ausgang benutzt. Häufig finden wir auch Systeme vor, welche die Herkunft und die Geräteangaben des Teilnehmers auslesen und somit spezifisch auf unterschiedliche Provisionsprogramme leiten. Daher kann man nie eindeutig sagen, welches Provisionsprogramm am Ende aufgerufen wird, im schlimmsten Fall landet man auf dubiosen WAP-Billing Geschichten oder undurchsichtigen Abo-Serviceleistungen.

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Der Fake zählt!

Daher hat der Verfasser von Köder und Brücke, der durchaus auch der jeweilige Vertriebspartner des Affiliate-Anbieters sein dürfte, ein großes Interesse daran, dass seine Fake-Geschichte im Vorfeld so glaubwürdig wie möglich klingt, gleichzeitig aber auch ein hohes Viralitätspotential besitzt.

Gut gelogen ist daher im Falle von Fake-News, sowie auch Fake-Gewinnspielen, bereits halb gewonnen.

Beide bedienen sich der selben Elemente und sind daher durchaus als artverwandt zu sehen. Fake-Gewinnspiele sind zumeist jedoch etwas rudimentärer gestaltet und auch einfacher in ihrer Darstellung, da der pseudoredaktionelle Part ungleich kleiner ausfällt. Dies dürfte auch der Grund sein, warum Fake-Gewinnspiele wesentlich stärker verbreitet sind als kommerzielle Fake-News.

Du hast ein verdächtiges Gewinnspiel auf Facebook gefunden? Leite uns dieses bitte zur Prüfung weiter.


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