Eva Herman hat nicht in der Tagesschau über Schweinegrippe berichtet

Annika Hommer, 15. Februar 2022

Die ehemalige Tagesschau-Sprecherin Eva Herman hat bereits am 28.8.2006 das NDR-Studio der Tagesschau zum letzten Mal nach einer Sendung verlassen. Alle Nachrichten-Formate, die nach diesem Zeitpunkt entstanden sind und dem Set der Tagesschau verblüffend ähneln, sind demnach keine Formate der seriösen Tagesschau. Und entsprechen demnach auch inhaltlich regelmäßig nicht deren qualitativem Anspruch.

In den sozialen Netzwerken tauchen immer wieder Videos auf, die die ehemalige Sprecherin der ARD-Tagesschau, Eva Herman, hinter einem die ganze Bildbreite durchmessenden Holztisch zeigen. Der Hintergrund ist im typischen Tagesschau-Blau gehalten, auf dem Tisch liegen einige Unterlagen, die Sprecherin sitzt rechts, links werden Videos oder Bilder eingeblendet. Alles, wie man es zu kennen glaubt. Von der Mutter aller deutschen Nachrichtensendungen, der ARD Tagesschau. Mit nur einem Schönheitsfehler. Eva Herman ist dort bereits seit 2006 außer Dienst und seitdem in immer verschwurbelterer Mission unterwegs. Zunächst auf eigenen Wunsch beurlaubt, nach der Veröffentlichung ihres ersten Buches vom NDR endgültig kaltgestellt.
Die Schweinegrippe  grassierte erstmals um 2009. Drei Jahre nach Hermans Aus bei den Öffentlich-Rechtlichen.

Eva Herman sprach Nachrichten des KOPP Verlags

Der Branchendienst Kress Verlag meldete im Juni 2010, dass Hermans neuer Dienstherr der KOPP Verlag sei, für den sie ein tägliches, 5-minütiges Nachrichtenformat einspreche, die KOPP Nachrichten (HIER). Selbstbeschreibung: „Nachrichten, die Ihnen die Augen öffnen“. Damit ist eigentlich alles gesagt. Das „Wacht auf“-Mantra der Verschwörungserzähler schwingt hier laut mit. Der Kopp-Verlag ist das Sammelbecken für allerlei Rechts-, Schwurbel- und Fake-News-Literatur (HIER). Auf Wikipedia wird der Verlagszweck so beschrieben: „Er führt u. a. rechtsesoterische, grenz- und pseudowissenschaftliche, verschwörungstheoretische sowie rechtspopulistische und rechtsextreme Titel.“ (HIER). Bekannt ist auch, dass freundliche Beziehungen zu russischen Netzwerken bestehen. Der KOPP Verlag hat eine Präsenz beim russischen Facebook VK.com. Zielgruppe der dortigen Beiträge? Rechte Gruppierungen (HIER). Das Intermezzo von KOPP Online war ein kurzes. 2011 wurde das Format bereits wieder eingestellt (HIER). Eva Herman jedoch hat weiter gerade aufgrund ihres hohen Bekanntheitsgrades als ehemalige Tagesschau-Sprecherin hochumstrittene Bücher bei KOPP veröffentlicht.

Bearbeitete Videos imitieren die Tagesschau

Die Orginal-Videos des KOPP-Verlages sind mit einem roten Balken und dem Schriftzug „KOPP Nachrichten“ gekennzeichnet. Was letztlich nicht viel an der irreführenden Gestaltung des Studios ändert, aber vermutlich Kennzeichnungspflichten Genüge tut. Gefährlich aber wird es, wenn diese „Nachrichten“-Videos bearbeitet werden und der rote KOPP-Balken und das Datum entfernt werden. Dann nämlich hat der unerfahrene Zuschauer kaum noch einen Anlass zu glauben, dass es sich eben nicht um ein Video der Tagesschau handelt und nimmt die Inhalte für bare, seriöse Münze. Ohne möglicherweise das gefährliche Framing oder die Fake News zu erkennen, die die meisten KOPP Inhalte kennzeichnen.

Irreführung am Beispiel Schweinegrippe

Nicht mehr ganz so aktuelles Beispiel, dass aber gerade eine ganz neue Aktualität erfährt, ist ein alter Beitrag vom 14.10.2010 zu den Folgen des Schweinegrippen-Impfstoffs Pandemrix, der Berichten zufolge als Impffolge vermehrt Narkolepsie ausgelöst hat. Das Phänomen ist mittlerweile besser erforscht Der Bayrische Rundfunk hat das Thema sehr gut zusammengefasst (HIER). Auch wir haben vor einigen Tagen zum Thema Impfstoff-Wirkverstärker recherchiert, der kritische Punkt bei Panremix war der Wirkverstärker Squalen, der seitdem nicht mehr in Deutschland in Impfstoffen verwendet wird.
Hier geht zum Original-Beitrag der KOPP Nachrichten. Mit dem roten Balken vorm, äh von KOPP. Und auch dem Datum der Sendung, den 14. Oktober 2010. Angesichts der aktuellen Pandemiesituation und Diskussion über Impfstoffe wahrhaftig keine irrelevante Information. Ohne dieses Datum könnte dies als aktueller Beitrag missverstanden werden, der eine aktuell anstehende Impfentscheidung beeinflussen kann.

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Diesem Beitrag hier ist inhaltlich weniger vorzuhalten, dass die Information an sich nicht stimmt, dass die Schweinegrippen-Impfung zu Folgeschäden führen kann (dazu unten mehr). Vielmehr wird hier kein klarer Kontext berichtet, keine Zahlen und Fakten genannt, die zu einer Einordnung geeignet sind. Im Gegenteil, es werden Tatsachen behauptet, die zwingend einer Einordnung bedürfen, es wird eine sensationsheischende Sprache verwendet, verbunden mit einem verbalen Rundumschlag gegen die Impfstoffhersteller aus dem Munde des heute als Verschwörungserzählers bekannten Mediziners Dr. Wolfgang Wodarg. Spätestens an diesem Punkt sollten alle Alarmglocken läuten.
Und wenn man  folgendem Link folgt, dann findet man keinerlei Hinweis mehr auf KOPP (HIER). Es ist das gleiche Video wie oben, aber hier wurde das Video eindeutig bearbeitet. Kein roter Balken, kein Datum, aber es bleibt eine Moderatorin, die nach wie vor noch mit der alten Dame TAGESSCHAU verbunden wird und deren Sprech-Habitus ihre Ausbildung dort widerspiegelt und ein Studio, das in seiner Anmutung dem der Tagesschau sehr ähnelt.
Der eingebettete Beitrag ist übrigens wohl vor ca. einem Jahr auf dem betreffenden Youtube-Profil veröffentlicht worden. Zumindest starten zu diesem Zeitpunkt die Kommentare. Der lediglich verlinkte, bearbeitete Clip offenbar erst vor einem Monat.  Ein Schelm, der hier den Versuch vermutet, einen Zusammenhang zur Coronaschutzimpfung herzustellen.

Narkolepsie und Schweinegrippe

Ein paar Fakten zum gesamten Kontext der Schweinegrippen-Diskussion: Im Nachgang der Schweinegrippe-Pandemie sind verstärkt Fälle von Narkolepsie („Schlafkrankheit“) aufgefallen. Betroffen waren auch Jugendliche.
Das Paul-Ehrlich-Institut hat sich 2016 explizit dazu geäußert (HIER). Danach gibt es erste Hinweise auf einen signifikanten Zusammenhang. In Europa wurden ca. 30 Mio. Menschen mit Pandemrix geimpft. 1.300 Narkolepsie-Fälle wurden berichtet. In Schweden wurden Betroffene bereits entschädigt. Gerichtlich ist das alles noch lange nicht aufgearbeitet. (Hier). In Deutschland wurden 86 Verdachtsfälle festgestellt, davon 37 Kinder und Jugendliche.

Finnland und die Schweinegrippe

Es stimmt, dass es in Finnland 79 Fälle von Narkolepsie nach der H1N1-Schweinegrppe-Impfung bei Kinder und Jugendlichen gegeben hat. In einem so geringen Maße, dass diese Impffolge erst durch eine Impfung in großer Zahl erkennbar werden konnte. Dabei musste zur Impfung auch eine genetische Prädisposition kommen plus vermutlich einem dritten, bislang unbekannten Faktor (HIER).
Die finnische Gesundheitsexpertin und Ärztin Hannah Nohynek, die bei der finnischen Gesundheitsbehörde arbeitet und sich intensiv mit dem Thema beschäftigt hat, sagt dazu: „„Keine Frage: Es ist schlimm, dass die Kinder an Narkolepsie erkrankt sind. Trotzdem: sechs Fälle pro 100.000, das ist immer noch sehr wenig. Auf der anderen Seite stehen die positiven Effekte der Impfung. Wir haben verhindern können, dass Hunderte Menschen an der Schweinegrippe sterben, oder zu Tausenden auf der Intensivstation landen.“ (HIER).

Zusammenhang der Impffolge nach wie vor ungeklärt

Nach wie vor ungeklärt ist, wie genau die Impfung mit Pandemrix zu Narkolepsie führen konnte. Zwar stand lange der Wirkverstärker Squalen im Verdacht, der ohnehin wegen seiner Gewinnung aus Haien stark umstritten ist, aber merkwürdigerweise führten die Impfungen in Europa zu signifikant mehr Narkolepsiefällen als in Kanada. Recherchen haben Produktionsprobleme des Herstellers in Verdacht (Hier).
Es gibt aber auch Hinweise, dass die Erkrankung an H1N1, der Schweinegrippe, selbst zu einer Narkolepsie als Folgeerscheinung führen kann. Dies wurde in China und Taiwan bei Kindern beobachtet, die gar nicht gegen Schweinegrippe geimpft wurden (HIER). Hier konnte ein saisonaler Zusammenhang beobachtet werden.

Impfstoff-Wirkverstärker in aktuellen Corona-Impfstoffen

Die bislang nicht abschließend aufgearbeitete Schweinegrippe-Erfahrung mag Vorbehalte gegen enthaltene Wirkverstärker ausgelöst haben. Hier bleibt festzustellen, dass diese in der aktuellen Diskussion um Corona-Impfstoffe offenbar keine Rolle spielen. In den mRNA-Impfstoffen werden keine Wirkverstärker eingesetzt, so meldet Biontech (HIER). Und der in dem neuen Proteinimpfstoff Novavax enthaltene Wirkverstärker Saponin ist seit über 40 Jahren wohl erforscht und bestens dokumentiert. Unseren Artikel dazu findet Ihr hier (HIER).


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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