Versuchte Erpressung über Facebook: Geld gegen Sex-Bilder

Kathrin Helmreich, 9. Juli 2018
Versuchte Erpressung über Facebook: Geld gegen Sex-Bilder
Versuchte Erpressung über Facebook: Geld gegen Sex-Bilder

Die Polizei Niederbayern warnt aus gegebenem Anlass vor Betrugsversuchen in Form von Erpressungen mit angeblich pikantem Fotomaterial.

Am Samstag, 07.07.2018, hatte ein junger Mann aus dem Landkreis Landshut von einem Unbekannten verschiedene Nachrichten mit erpresserischem Inhalt auf seinem Facebook-Account erhalten und deshalb bei der Polizeiinspektion Rottenburg Anzeige erstattet.

Der Täter forderte mehrere tausend Euro, da er ansonsten Bildmaterial veröffentlichen würde, welches er angeblich besitzen würde und welches den Anzeigenerstatter bei sexuellen Handlungen zeigen würde. Zum Nachdruck seiner Forderung postete der Unbekannte ein unverfängliches Foto vom Geschädigten, sowie mehrere dubiose Bilder, die nichts mit dem Anzeigenerstatter zu tun hatten.

Zum Glück fiel der junge Mann nicht auf den Trick herein und blockierte nach der Anzeigenaufnahme der Erhalt weiterer Nachrichten von dem Unbekannten. Da derartige bzw. ähnliche Erpressungsversuche immer häufiger werden, wird eindringlich darauf hingewiesen, keinesfalls auf irgendwelche Forderungen einzugehen und stattdessen Anzeige zu erstatten.

Sexting

Was ursprünglich als Austausch erotischer Textnachrichten begann, entwickelte sich, nicht zuletzt durch die einfache Handhabung, hin zu einem Versand eigener erotischer oder aufreizender Fotos oder Videos per Smartphone. Meist geschieht dies zunächst einvernehmlich und vertraulich im Rahmen einer Beziehung.

Allerdings besteht auch hier die Gefahr, dass dieses Bild- und Filmmaterial an andere Personen weitergegeben wird und die Kontrolle darüber verloren geht. Bei intimen Bildern kann ein solcher Vertrauensmissbrauch eine starke persönliche Beeinträchtigung bedeuten. Bereits jeder vierte Jugendliche hat Kenntnis vom Versand solcher Bilder im Freundes- und Bekanntenkreis.

Und vielen ist dabei nicht bewusst, dass dadurch Straftatbestände der Verbreitung, dem Erwerb und Besitz kinder- und jugendpornographischer Schriften erfüllt sein können.

Tipps für Jugendliche

  • Vertrauen ist das A und O
    Frage dich vor dem Versand, ob du dem Empfänger vertrauen kannst. Was passiert nach einem Streit mit deinem Bild?
  • „Sexy or Slutty?“
    Der Grat zwischen „sexy” und „billig” ist schmal. Überleg dir deshalb, wie dein Bild beim Betrachter ankommt.
  • Zum Bauchgefühl stehen
    „Wenn du mich liebst, dann machst du das für mich!“ Lass dich von deinem Partner oder deiner Partnerin nicht drängen. Wenn das der Fall ist, solltest du auf keinen Fall nachgeben, denn das ist Nötigung und strafbar. Steh zu deinem Bauchgefühl und sag „nein!“.
  • Sextings nicht weiterleiten
    Wenn du selbst erotische Fotos/Videos zugeschickt bekommst, dann sende sie auf keinen Fall weiter und lösche sie von deinem Smartphone. Du machst dich sonst strafbar, weil du das Recht am eigenen Bild der abgebildeten Person verletzt.
  • Es ist bereits schiefgegangen?
    Bilder, die nur für dich und deinen Schatz bestimmt waren, sind in falsche Hände gelangt? Du fühlst dich bloßgestellt und weißt nicht, was du tun sollst? Grundsätzlich solltest du sofort mit einer Vetrauensperson darüber reden. Deine Eltern helfen dir weiter, aber es gibt auch die Nummer gegen Kummer.

Tipps für Eltern

  • Medienbilder reflektieren
    Reden Sie mit Ihrem Kind über die derzeit vorherrschenden Medienbilder. Regen Sie Ihr Kind an, diese zu hinterfragen und darüber nachzudenken, was die Bilder transportieren.
  • Den Adressaten im Blick haben
    Reden Sie mit Ihrem Kind darüber, wie ihre Fotos/Videos, Textbeiträge etc. auf andere Nutzer wirken könnten.
  • Zum Bauchgefühl stehen
    Machen Sie Ihrem Kind klar, dass es niemals Fotos/Videos von sich machen soll, wenn es sich dabei unwohl fühlt. Nein zu sagen ist dann das einzig Richtige.
  • Sextings nicht weiterleiten
    Machen Sie Ihrem Kind deutlich, dass es freizügige Fotos anderer nicht weiterleiten soll. Das ist unfair und strafbar.
  • Die Scham überwinden
    Wenn entsprechendes Material in die falschen Hände geraten ist, dann machen Sie Ihrem Kind auf keinen Fall Vorwürfe! Es fühlt sich verraten, dem Spott anderer ausgeliefert und verletzt. Wichtig ist es, dass Sie Ihrem Kind das Gefühl vermitteln, dass es sich bei Ihnen sicher und verstanden fühlen kann.
  • Rechtliche Schritte
    Wenn Sexting-Fotos/-Videos Ihres Kindes in falsche Hände geraten sind und missbräuchlich verwendet werden, erstatten Sie Anzeige. Bedenken Sie jedoch, dass es sehr schwierig ist die unkontrollierte Verbreitung des Bildes zu stoppen.
    Weiterführende Tipps und Informationen gibt es bei klicksafe.


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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