Erpresser versenden E-Mail: „Ich habe viele Informationen über Sie“

Kathrin Helmreich, 31. Januar 2020
Erpresser E-Mail: "Ich habe viele Informationen über Sie"
Erpresser E-Mail: "Ich habe viele Informationen über Sie"

Immer wieder landen Erpressungsversuche im E-Mail-Postfach von Nutzern. Angeblich seien die Erpresser im Besitz pikanten Videomaterials.

Erpresser E-Mail – Das Wichtigste zu Beginn:

  1. Nutzer erhalten via E-Mail einen Erpressungsversuch.
  2. Der Erpresser gibt vor, den Computer des Opfers mit einem Trojaner-Virus infiziert zu haben und im Besitz pikanten Videomaterials zu sein.
  3. In den meisten Fällen handelt es sich um einen Betrugsversuch.

Die E-Mail lautet wie folgt:

Screenshot by mimikama.at
Screenshot by mimikama.at

Guten Tag!

Wir denken nicht, dass es schlimm ist, zu genieBen, sich bisweilen zu streicheln. Aber es ist besser, einige Dinge geheim zu halten. Wenn Ihre Verwandten und Freunde sie beachten, wird es das sein, woruber Sie sich beunruhigen werden.
Es gibt etwas, das jeden in Verlegenheit bringen wurde. Und das wird gravierende Folgen fur Ihr personliches Leben und Ihr Wohlbefinden haben.
Seit einiger Zeit uberwachen wir Ihren Computer mit einem Trojaner, der per se installiert wurde und Ihr Notebook infiziert hat.
Sie haben einen Virus aufgenommen, indem Sie auf der pornografishen Webseite infiziert von uns auf die Ankundigung klickten.
Dank dem Trojaner-Virus haben wir den Zugang zu Ihrem Computer und allen Geraten die mit dem uber Wi-Fi oder Bluetooth verbunden sind.
Wir haben Ihren Bildschirm und alles, was Sie gemacht haben, durch den Live-Kanal durchgesehen.
Wir kontrollieren auch Ihre Kamera und Ihr Mikrofon und konnen sie allerzeit aktivieren oder deaktivieren.
Alle Daten, an denen wir interessiert sind, wurden zuverlassig gespeichert.
Beispielsweise: Kontaktdaten, soziale Netzwerke, E-Mails, etc.
Wir haben ein Video aufgenommen, wo Sie onanieren, und wir haben ein Video hinzugefugt, das Sie gesehen haben, als Bildfelder mit einem geteilten Bildschirm.
Auf Knopfdruck konnen wir dieses Video an alle Ihre Kontakte, sozialen Netzwerke usw. weiterleiten.
Im Falle dass Sie diese Situation verhindern wollen, uberweisen Sie einen Betrag von 850 EURO an die nachste Bitcoin-Adresse.

Bitcoin-Adresse: 1AzLyoNiDQdvcopuEQWEgkhQJyy1EoVLKU

Bei der Brieftaschenadresse muss die GroB- und Kleinschreibung beachtet werden !

Es ist sehr einfach und schlichtweg, Bitcoin zu kaufen. Suche in Google – Bitcoin kaufen, Bitcoin tauschen.

Sofern Ihre Zahlung gesendet ist, werden Ihre Daten und Videos geloscht.
Sie haben genau 5 Tage als die Zahlungsfrist.
Ist dies nicht erfullt, werden Sie auf alle Konsequenzen stoBen, vor denen Sie gewarnt wurden.
Wir irren uns nicht.
Jemanden daruber zu benachrichtigen ist nutzlos. Es gibt keine Moglichkeiten, diese E-Mail-Adresse zu verfolgen, diese E-Mails wurden uber einen externen Server im Ausland gesendet.
Alle Ihre Konten wurden gehackt.
Wenn Sie eine strohdumme Wahl treffen, sich mit jemandem ins Vernehmen setzen oder etwas uber diese Benachrichtung mitteilen, werden wir diese Materialien sowie alle anderen Daten, die wir haben, mit einem Male veroffentlichen, die Sie verletzen konnen und gegen Sie verwendet werden konnen.
Sobald dieser Brief geoffnet wird, erhalten wir eine Benachrichtigung, und ab sofort beginnt der Zeitzahler zu arbeiten.
Sie haben nur funf Tage fur Zahlung, keine Minute mehr.
Mit freundlichen GruBen!

Der Faktencheck

Diese E-Mails kursieren bereits seit Jahren (wir berichteten). Es ist davon abzuraten, den Erpresser sofort zu bezahlen!

Meist werden die E-Mails wahllos an verschiedene Personen verschickt – sei es mit persönlicher Anrede, oder auch ohne. Oft wird ein Beweis für die Existenz des angeblichen Filmmaterials nicht geliefert. So kann auch nicht eindeutig bewiesen werden, ob die Erpresser wirklich im Besitz von Daten und Videomaterial der Opfer sind.

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Die Fälle einer tatsächlichen Erpressung sind selten und laufen meist anders ab. Eine Infektion mit Schadsoftware kann allerdings nie ausgeschlossen werden, denn es kann immer passieren, sich Malware und andere Schadsoftware beim Besuch von unseriösen Seiten einzufangen.

Sollte ich den Erpresser bezahlen?

Es ist davon abzuraten, den Erpresser sofort zu bezahlen. Abgesehen davon, dass man sich auf das Wort eines Kriminellen nicht verlassen kann, qualifiziert sich jeder Nutzer, der einer solchen Forderung nachgibt, als potentielles “Daueropfer”. Sinnvoller ist es, derartige E-Mails und andere Erpressungsversuche umgehend bei der nächsten Polizeidienststelle oder online zu melden.

Das LKA Niedersachen hat auch einige Links veröffentlicht, unter denen man selbst checken kann, ob die eigene Mailadresse in geleakten Datenbanken auftaucht:

Doch Vorsicht: Die Seiten erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Auch werden geleakte Datenbanken oftmals erst Monate oder sogar Jahre später bekannt. Man kann sich daher leider nicht komplett in Sicherheit wiegen, wenn die eigene Mailadresse nicht in den Datenbanken auftaucht.

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Fazit

In den meisten Fällen handelt es sich um reine Betrugsversuche, und der Erpresser befindet sich nicht im Besitz pikanten Videomaterials seines Opfers. Leider kann man diese Möglichkeit aber nie komplett ausschließen. Darum ist es sinnvoll, die Erpressung auf jeden Fall der Polizei zu melden!

Tipp: Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann die Kamera seines Geräts mit einem kleinen Sticker abkleben und ihn bei Bedarf entfernen. Ein guter Virenschutz sollte trotzdem immer eine hohe Priorität haben.

Artikelbild: Shutterstock / Von GNT STUDIO


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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