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Das Merkblatt „Erkennen von Homosexuellen“

Ralf Nowotny, 18. August 2018

Das „Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl“ (BFA) hat angeblich ein internes Merkblatt zur Erkennung von Homosexuellen an seine Mitarbeiter verteilt. Wirklich?

Jenes Bild mit dem Titel „Erkennen von Homosexuellen – Handreichung für ReferentInnen“ wird derzeit kräftig geteilt:

Screenshot Facebook
Screenshot Facebook

Die Beschreibung des Bildes, welches verschiedene Gesten zeigt:

„Diese Handreichung hilft Ihnen, Menschen, die sich im Interview als homosexuell ausgeben, zuverlässig zu entlarven. Achten Sie auf die unten dargestellten für Homosexuelle typischen Gesten!
Zeigt ein Asylbewerber im Interview weniger als drei dieser Gesten, können Sie mit Sicherheit ausschließen, dass es sich um einen Homosexuellen handelt.“

Für die Eiligen:

Nein, das Merkblatt ist nicht echt.

Warum sollte das BFA so ein Merkblatt herausgeben?

Vor wenigen Tagen ist das Asylgesuch eines jungen Afghanen in Österreich abgelehnt worden. Als Fluchtgrund gab der Mann seine Homosexualität an, welche in Afghanistan illegal ist, ein Beamter der Regionalstelle Wiener Neustadt schrieb jedoch in dem negativen Bescheid:

„Weder Ihr Gang, Ihr Gehabe oder Ihre Bekleidung haben auch nur annähernd darauf hingedeutet, dass Sie homosexuell sein könnten.“

Zudem kam er 2016 als unbegleiteter Jungendlicher nach Österreich und wurde im SOS-Kinderdorf in Streitigkeiten verwickelt. So führte der Beamte aus: „Ein Aggressionspotenzial ist bei Ihnen also vorhanden, das bei einem Homosexuellen nicht zu erwarten wäre.

Schwule sehen alle aus wie auf dem CSD. Oder?

Wenn man nur die Teilnehmer vom Christopher Street Day sieht oder sich sein Wissen über Homosexuelle und deren Verhalten aus Filmen wie „Ein Käfig voller Narren“ und „The Birdcage“ sowie aus Serien wie „Will & Grace“ bezieht, dann Ja: Alle Homosexuellen benehmen sich so. Ausnahmslos. Sie führen gezwungenermaßen diese Gesten aus und streiten sich nie wirklich, sondern zicken sich höchstens mal an. Das ist nicht etwa eine überspitzte Hollywood-Darstellung, sondern die sind wirklich so. Oder??

Überraschung: Nein.

Hätte der durchschnittliche TV-Zuschauer gedacht, dass der heterosexuellste „Barney Stinson“ in der Serie „How I met your Mother“ von einem homosexuellen Schauspieler, nämlich Neil Patrick Harris gespielt werden könnte? Oder „Sheldon Cooper“ aus „Big Bang Theory“ vom homosexuellen Jim Parsons? Beides übrigens Männer, die auch im Privatleben kein bißchen „tuntig“ wirken, wie es die oben genannten Klischees vermuten lassen.
Und das sind jetzt mal nur zwei prominente Beispiele, zahllosen anderen Homosexuellen sieht man es, Überraschung, kein bißchen an!

Das Klischee wird satirisch überspitzt!

Da das Urteilsvermögen jenes Beamten nun soviel Kopfschütteln erzeugte, dachte sich Christoph Kaindel, der wahre Ersteller des Merkblattes, dass der arme Beamte vielleicht gar nicht daran schuld sei. Vielleicht gibt es ja so ein Klischee-Merkblatt für die dortigen Beamten. So sagte er uns:

Ich habe nur versucht, aufgrund der Medienberichte auf die Denkweise im BFA zu schließen und das zu einem satirischen Bild zu verdichten. Dass es so viele für echt halten, ehrt und erschreckt mich gleichermaßen.“

Fazit

Nein, dieses Merkblatt ist nicht echt. Der Ersteller wollte damit versuchen, die Denkweise des BFA in ein satirisches Bild zu fassen. Er hat auch uns gegenüber erwähnt, dass er extra nicht das echte Logo des BFA verwendet hat, um nicht in Schwierigkeiten zu kommen.


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