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Auf Erbschaft-Scam fällt doch keiner mehr rein? Doch!

Ralf Nowotny, 8. Februar 2021
Auf Erbschaft-Scam fällt doch keiner mehr rein? Doch!
Artikelbild: golubovystock / Shutterstock

Wir kennen die süffisanten Kommentare unter Artikeln über Erbschaft-Scam nur zu gut. Die Realität ist aber leider, dass die Betrugsmasche erfolgreich ist!

Warum berichtet ihr darüber? Darauf fällt doch keiner mehr rein!“ – So und ähnlich lauten die Kommentare immer wieder, wenn wir über sogenannten Erbschaft-Scam berichten. Es wird so manchen Nutzer überraschen: Gerade ältere Mitbürger sind nicht ständig im Internet und lassen sich dadurch leichter durch solche Betrugsmaschen beeinflussen.

Die kranke Frau in Frankreich

Die Profile auf Facebook sind zumeist sehr neu und wollen den Anschein erwecken, sie hätten irgendeine Form von Krebs und bräuchten einen Erben. So schildern sie im Facebook-Messenger ihre vermeintliche Situation, man müsse sie dann nur per WhatsApp oder Mail kontaktieren.

Eines der typischen Texte im Facebook-Messenger
Eines der typischen Texte im Facebook-Messenger und in Kommentaren

Grundsätzlich leiden diese Personen immer an einer Form von Krebs (in diesen Fällen Hirn und Hals), haben nur noch wenige Tage zu leben und suchen einen Erben für ihr Vermögen.

Wir können ohne schlechtes Gewissen davon ausgehen, dass es sich nicht etwa um zwei verschiedene Personen handelt, die zufälligerweise beide dem Tode geweiht sind und ein Vermögen zu verschenken haben.

Ein aktueller Fall

Wie die Stadt Steyr berichtet (siehe HIER), reagierte ein 66-Jähriger Mann auf eine ähnliche Nachricht wie die Obige, die er per E-Mail bekam.

Eine vermögende Frau in Frankreich wolle ihr Vermögen an ihren auserwählten Erben vermachen. Obwohl der 66-Jährige in Frankreich keinerlei Kontakte oder Bekannte hatte, willigte der Mann ein, die Erbschaft antreten zu wollen.

Der Steyrer wurde im Zeitraum von Mai 2019 bis Februar 2021 dazu verleitet, bei insgesamt 41 Transaktionen angebliche Gerichts-, Notariats- sowie Anwaltsgebühren auf sechs verschiedene Konten in Europa zu überweisen. Ihm entstand dabei ein Schaden im fünfstelligen Euro-Bereich.

Insgesamt erhielt das Opfer im Tatzeitraum etwa 4000 E-Mail-Nachrichten. Zur Glaubhaftmachung der Erbschaft wurde dem 66-Jährigen eine afrikanische Kreditkarte für eine Geldbehebung übermittelt, wobei er mit dieser einmalig einen Betrag in Höhe von 100 Euro beheben konnte. Zur Bezahlung der Gebühren hatte sich das Opfer sogar Gelder geliehen bzw. Bankkredite aufgenommen.

Stichwort Vorschussbetrug beim Erbschaft-Scam

Diesen kennen wir bereits von diversen dubiosen Kreditangeboten auf Facebook. Wir haben u.a. hier darüber berichtet.

Solche Angebote wurden in der Vergangenheit zuhauf verschickt. Sei es per E-Mail oder über soziale Netzwerke… am Ende wollen diese Betrüger an euer Geld!

Verschickt werden solche Betrugsversuche unter anderem von der so genannten „Nigeria Connection“, die ihre Opfer um den Finger zu wickeln versucht, um dann dank der entstandenen emotionalen Nähe um einen finanziellen Vorschuss bitten zu können.

Meldet man sich also auf das oben genannte Angebot, in diesem Falle per E-Mail, kann man sich zu fast 100% sicher sein, dass man erst mal Transaktionsgebühren von mehreren Hundert bis Tausend Euro zu berappen hat, ehe man in den Genuss des genannten Vermögens kommt – oder auch nicht, denn es wird höchstwahrscheinlich kein Vermögen geben.

Die „Nigeria Connection“ ist aber keine strukturierte Organisation, sondern es handelt sich hierbei um verschiedene Gruppen von afrikanischen Betrügern. Diese Betrüger leben zum Teil in Europa, zum anderen Teil in Nigeria, daher der Name.

Diese Internetbetrüger haben sich auf Kreditkartenbetrug, Dokumentenfälschung, Vorschussbetrug uvm. spezialisiert und sind seit geraumer Zeit auch mit vielen Fake-Profilen auf Facebook unterwegs.

Sie kontaktieren ahnungslose Facebook-Nutzerinnen, gewinnen ihr Vertrauen und geben nach einiger Zeit vor, sich in einer finanziellen Notlage zu befinden.

Fazit

Es bringt leider nichts, solche Betrügereien lächelnd abzuwinken á la „Da fällt doch eh keiner darauf rein“. Doch. Und dies immer wieder, wir wir beobachten können.

Deswegen seid ihr im gewissen Sinne auch in der Pflicht, liebe Leserinnen und Leser:
Klärt Eltern, Großeltern und ältere Mitbürger, die nicht so häufig wie ihr im Internet seid, über solche Betrugsmaschen auf.

Damit den Betrügern so langsam aber sicher die „Kundschaft“ ausbleibt.

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