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Blackout-Challenge: Eltern verklagen TikTok nach Tod ihrer Töchter

US-Eltern verklagen TikTok nach Tod ihrer Töchter

Tom Wannenmacher, 8. Juli 2022

Nach dem Tod von zwei Kindern bei der sogenannten „Blackout Challenge“ haben ihre Eltern TikTok in den USA verklagt. „TikTok muss für die Verbreitung tödlicher Inhalte an die beiden Mädchen zur Rechenschaft gezogen werden“, so Anwalt Matthew Bergman. Bei der „Blackout Challenge“ geht es darum, sich bis zur Ohnmacht zu würgen.

Bei den beiden Kindern handelt es sich um die 8-jährigen Lalani Erika Walton aus Temple (Texas) und der 9-jährigen Arriani Jaileen Arroyo aus Milwaukee (Wisconsin).

In der Klage mit dem Aktenzeichen: 22STCV21355, die in der vergangenen Woche bei einem Gericht in Los Angeles eingereicht wurde, wird TikTok beschuldigt, die fahrlässige Challenge „absichtlich und wiederholt“ verbreitet zu haben.

Der Algorithmus von TikTok habe den Mädchen die Challenge vorgeschlagen, woraufhin diese sich zu Tode stranguliert hätten, eine mit einem Seil, die andere mit einer Hundeleine. Laut der Klage wurden auch Todesfälle bei Kindern in Italien, Australien und anderen Ländern mit dem Erstickungsspiel in Verbindung gebracht.

Tiktok reagierte zunächst nicht auf eine Bitte um Stellungnahme. Die Plattform blockiert mittlerweile Suchanfragen nach der Blackout- oder der Skull-Breaker-Challenge. Stattdessen wird eine Warnung eingeblendet und darum gebeten, gefährliche Challenges zu melden

Quelle: Social Media Victims Law Center files wrongful death lawsuits against TikTok for two children’s deaths resulting from its “Blackout Challenge”

TikTok: Fake-Videos, gefährliche Challenges und Suchtpotenzial beunruhigen Eltern

TikTok hat weltweit etwa eine Milliarde User. Nach Firmenangaben nutzen rund 11 Millionen die Plattform in Deutschland. Nahezu jeder achte, insbesondere junge Menschen, sind Fake-Videos, Falschnachrichten und fragwürdigen politischen Inhalten teilweise schutzlos ausgeliefert. „Das Problem ist, dass Informationen Kids und Jugendliche nicht nur von uns Erwachsenen beziehen, sondern auch über solche sozialen Netzwerke wie TikTok. Eltern verlieren schnell den Überblick, welche Videos ihre Schützlinge konsumieren“, sagt Ildikó Bruhns, Projektleiterin und Sicherheitsexpertin von Safer Kids Online.

„Vor allem die Mutproben sind nicht immer nur harmlos oder witzig. Wenn Kids und Teenager plötzlich auf die Idee kommen, Waschpulver-Pods zu essen – wie bei der „Pod Challenge“ oder Kühe zu erschrecken, kann aus dem Spiel schnell bitterer Ernst werden. Genauso wenig ist das Suchtpotenzial der Kurzvideo-App zu unterschätzen“, fügt die Sicherheitsexpertin hinzu. Vor allem junge Menschen lieben diese Form des Zeitvertreibs. Ein Datenleak bei TikTok zeigte, dass zwei Drittel der NutzerInnen jünger als 25 Jahre sind. Und sind sie erstmal auf den Geschmack gekommen, ist eine Stunde schnell vorbei. Viele nutzen TikTok nicht selten mehrere Stunden pro Tag.

Tipps für ein risikoarmes Videovergnügen

  1. Die gute Nachricht ist: TikTok liefert zu diesen Problemen gleich selbst ein paar nützliche Lösungen. In den Einstellungen finden Eltern einige Funktionen, um nicht altersgerechten und unangemessenen Content in den Griff zu bekommen. Doch darüber hinaus gibt es noch weitere Möglichkeiten, TikTok geregelt zu bekommen:
  2. Machen Sie sich selbst mit der App vertraut: Eltern sollten wissen, wovon sie reden, wenn sie mit ihren Kindern Regeln vereinbaren wollen. Am besten gemeinsam die TikTok-Welt entdecken.
  3. Verbieten bringt nichts:  Eltern tun gut daran, mit ihrem Kind darüber zu reden, warum es die App unbedingt verwenden möchte. So können auch mögliche Risiken gemeinsam besprochen werden.
  4. Konto auf privat stellen: So können nur noch vom Kind zugelassene TikTok-Nutzer dessen Videos sehen. Die entsprechende Einstellung verbirgt sich hinter „Profilbild/Hamburger-Menü/Datenschutz“.
  5. Kinder sollten datengeizig sein: Das Profilbild des Kindes sollte nicht erkennbar sein. Adresse, Telefonnummer und der richtige Name haben auf TikTok nichts verloren. So wenig persönliches von sich zu verraten, gilt im Übrigen für alle Sozialen Netzwerke und das gesamte Internet.
  6. Nur mit echten Freunden vernetzen: So schaffen die Kids weniger „Angriffsfläche“ von außen und schützen sich mehr vor Mobbing, Hassreden und sexuellen Annäherungsversuchen.
  7. TikTok-Newsroom im Auge behalten: Hier erfahren Eltern das Neueste rund um die derzeit angesagtesten Trends inklusive Challenges.
  8. Angemessen reagieren: Sind Kinder an einer gefährlichen Mutprobe interessiert, sollten Eltern ruhig und rational bleiben, um keinen „Jetzt-erst-Recht-Effekt“ zu provozieren.
  9. Gefährliche Inhalte nicht kommentieren oder weiterleiten: Das führt nur zu gesteigerter Aufmerksamkeit und verhindert, dass diese Dinge im Sand verlaufen.
  10. Datenschutz und Privatsphäre verbessern: Unter dem Reiter „Datenschutz“ (Profil/ Einstellungen/Datenschutz) gibt es weitere Möglichkeiten, beispielsweise Funktionen komplett zu deaktivieren oder Kommentarfilter einzuschalten, um mit Schlüsselwörtern Content von vorneherein auszusieben.
  11. Der „begleitete Modus“: Eines der wichtigsten Tools für einen sicheren Umgang mit TikTok. Dafür muss die App auf dem Smartphone der Eltern und Kids installiert sein. Die Funktion findet sich bei den „Digital Wellbeing”- Einstellungen unter „Privatsphäre und Einstellungen”. Der Modus muss zuerst am Smartphone der Erwachsenen eingeschaltet werden, danach führt man dieselben Schritte am Handy des Kindes durch. Dann nur noch kurz die beiden Konten via QR Code verbinden. Eltern können dann gemeinsam mit den Kindern Nutzungszeiten und Kontaktmöglichkeiten festlegen und Inhalte altersgerecht filtern.
  12. Über TikTok sprechen: Vor allem in Zeiten des Ukrainekriegs ist es wichtig, regelmäßig mit dem Kind das Gespräch zu suchen, was es über den Tag (nicht nur auf TikTok) gesehen hat. Eltern sollten auf Warnzeichen achten, wenn sich das Verhalten des Schützlings ändert. Fakten-Checker wie mimikama.at oder  correctiv.org/faktencheck helfen dabei, Fake News von echten Meldungen zu unterscheiden.
  13. TikToks Sicherheitszentrum verfolgen: Dort finden Jugendliche und Eltern gleichermaßen Informationen zu Risiken und Gefahren.

Weitere wichtige Tipps zu TikTok und  für einen sicheren  Umgang mit Internet, Smartphone & Social  Media gibt’s auf  der Plattform www.saferkidsonline.de.

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