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Ein Sack voll Gift für die Zahnpasta? (Faktencheck)

Ralf Nowotny, 16. Januar 2020
Ein Sack voll Gift für die Zahnpasta?
Artikelbild: Shutterstock / Maxx-Studio / Idea.s

In den meisten Zahnpasten ist Fluorid enthalten. An dieser Stelle endet schon das Wissen von manchen Leuten.

Und wenn irgendetwas „Fluor“ im Namen hat, muss es auch das gleiche Zeug sein, was in Zahnpasta ist. Logisch, oder? Weil Chemie sowieso etwas ist, das keiner so richtig verstehen will. *Augenzwinker*

So ergeht es wohl auch jenem Herrn, der sein nicht-vorhandenes Wissen eindrucksvoll zur Schau stellt:

https://www.facebook.com/photo.php?fbid=2602571559779415&set=a.279952078708053&type=3&theater

Auf dem Bild ist ein Sack mit der Aufschrift „Sodium Fluorosilicate“ zu sehen, dazu ein Warnhinweis mit Totenkopf und der Beschriftung „Toxic 6“.
Der Herr schreibt dazu:

„Das ist das Zeug was in deiner Zahnpasta ist, und was Zahnärzte ihren Kunden auch gerne mal auf die Zähne Pinseln.
Rattengift besteht übrigens zu 95% daraus.
Das ist bestimmt gesund und auch gut für die Zähne!“

Unter dem Text ist auch ein rechtlicher Hinweis auf den Urheber des Textes. Da dieser sich aber auf die Rechte vom „Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin“ bezieht (welches seit 1918 nicht mehr existiert), beachten wir das mal nicht weiter.

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Was ist Sodium Fluorosilicate?

Die deutsche Bezeichnung dafür lautet Natriumhexafluorosilicat, auch Natriumfluorosilicat, früher Natriumsilicofluorid genannt.
Die chemische Formel lautet Na2SiF6 .
Verwendung findet es als Trübungsmittel in der Glas- und Emaillefabrikation sowie als Schädlingsbekämpfungsmittel, in den USA zur Fluoridierung von Trinkwasser. In größeren Mengen ist es schädlich, daher auch der Warnhinweis.

Was ist in Zahnpasta?

Bei dem Fluorid in der Zahnpasta handelt es sich um Natriumfluorid.
Die chemische Formel lautet NaF.
Verwendung findet es in pharmazeutischen Produkten zur Vorbeugung und Behandlung von Knochenschwund (Osteoporose) und in Zahnpasta, um den Zahnschmelz vor Karies zu schützen und die Zahnentwicklung von Kindern zu fördern.

Giftig ist dieses Fluorid ab einer Menge von durchschnittlich 52 Milligramm pro Kilogramm bei Erwachsenen, bei Kindern liegt die toxische Dosis bei etwa 5 Milligramm pro Kilogramm.

Vergleichen wir noch mal!

Natriumhexafluorosilicat besteht aus 2 Natrium, 1 Silicium, 6 Fluor.
Natriumfluorid besteht aus 1 Natrium, 1 Fluor.

Außer dass in beiden Stoffen sowohl Natrium als auch Fluor vorkommt, gibt es keine Gemeinsamkeiten, sie haben chemisch vollkommen unterschiedliche Wirkungen.

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Fazit

Der Herr hat „Fluor“ in dem Namen gelesen und glaubt sofort, dass der Stoff im Sack und der Stoff in der Zahnpasta dasselbe sind.

Mit der gleichen Logik kann man übrigens auch Dihydrogenmonoxid verteufeln, ein Stoff, der unter anderem zur Herstellung von Bomben verwendet wird und sich in 100% aller Impfungen findet. 😉

Artikelbild: Shutterstock / Maxx-Studio / Idea.s

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