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Der Eichenprozessionsspinner: Diese Raupe sollte man besser nicht anfassen!

Kathrin Helmreich, 5. Juni 2018

In vielen Teilen Deutschlands und Österreichs wird momentan vor dem Eichenprozessionsspinner gewarnt – wie gefährlich ist er wirklich?

Jedes Jahr finden aufs neue Horrorbeiträge von verätzten bzw. durchlöcherten Hundezungen ihren Weg in die Newsstreams auf Facebook, wo sie dann in guter Absicht weitergereicht werden. In der überwiegenden Zahl der Fälle steht ein fachlich unkorrekter Text darunter, der häufig noch nicht einmal die richtige Raupenart nennt, geschweige denn inhaltlich korrekte Angaben zum Sachverhalt aufweist.

Nun ist sogar der Park in Schönbrunn betroffen, viele Parks sind in Österreich und Deutschland wegen des Eichenprozessionsspinners gesperrt (Von Niedersachsen bis Wien), ist es also doch alles so furchtbar schrecklich?

Nein, die Fakten dazu haben sich nicht geändert.

Tatsächlich sind es meist Tierarztseiten, die solche Bilder zeigen, der Leser vertraut häufig auf deren Know-How und die Allgemeingültigkeit der gezeigten Bilder. Und nun gebe ich als Autorin zu, dass auch ich dazu gehört habe, als Tierärztin, aber man lernt ja nie aus.

Um welches Tier geht es?

Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionata) ist ein Schmetterling, der zu den Nachtfaltern gehört.

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Die Tiere gibt es im gesamten Bundesgebiet, meist mehr im Süden, jedoch durch den Klimawandel bedingt auch in den nördlichen Landesteilen. In den letzten Jahren gab es einige Massenvermehrungen, besonders in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.

In Österreich kommt er überall dort vor, wo es Eichen gibt. Die Entwicklung des Falters erfolgt in den folgenden Stadien:

Das Ei –> die Larve –> die Puppe –> der Schmetterling

Der Falter ist 25 bis 32 mm groß und weist eine eher unscheinbare braune Farbe auf. Nach der Verpaarung legen die Weibchen ihre Eier (bis 300 Stück) in den Eichen ab, wo sie sich im Herbst zu kleinen Eiräupchen entwickeln, jedoch im Ei überwintern.

Mit Eintreffen des Frühlings, erwachen die Eiräupchen und beginnen zu schlüpfen. Ihre weitere Entwicklung gliedert sich in sechs Stadien.

Die jungen Raupen fressen zunächst die austreibenden Knospen und sobald sich die Blätter entfalten, beginnt der Lochfraß und die Prozession der vorwiegend nachtaktiven Raupen.

In dieser Phase ist die Raupe auch um den Baum herum anzutreffen und kommt mit fortschreitendem Wachstum in das kritische L3-Stadium. Die Raupen haben dann eine dunkle, breite Rückenlinie mit samtartig behaarten Feldern und rotbraunen, langbehaarten Warzen. Sie leben gesellig und gehen in Gruppen von 20 bis 30 Individuen im „Gänsemarsch“ auf Nahrungssuche, daher auch ihr Name: Prozessionsspinner.

Gesundheitsgefahren

Mögliche Auswirkungen auf die Gesundheit hat das Insekt ab dem 3. Larvenstadium.

Ab hier enthalten die Brennhaare auf dem Rücken des Eichenprozessionsspinners das allergieauslösende Gift (Thaumetopoein).

Durch die Berührung mit Blättern oder durch Windbewegungen können die Haare abbrechen und auf den Boden fallen. Mit dem Wind können dann kurze oder weite Strecken (mehrere 100 m) zurückgelegt werden, ehe die Haare auf den Boden treffen oder anderweitig aufgenommen werden können.

Ab hier KANN es potentiell „gefährlich“ werden. Sowohl für den Menschen, als auch für den Hund.

Wann und wo ist der Eichenprozessionsspinner anzutreffen?

Je nach Witterung (es sollte längere Zeit trocken und warm gewesen sein) ist die Zeit für das kritische 3. Larvenstadium jedes Jahr unterschiedlich zu datieren und noch speziell nach den Regionen in Deutschland und Österreich zu unterscheiden. Meist ist der beginnende Sommer (Anfang Mai) ein ungefährer Wert, der sich jedoch im Zuge des Klimawandels immer mehr verschiebt.

Die Verpuppung erfolgt dann schließlich im Laufe des Juni in Nestern am Baum.

Die Raupe ist ein sogenannter Gesundheits- bzw. Hygieneschädling und ist an allen Eichenarten (Stieleiche, Traubeneiche und Roteiche) in Deutschland zu finden. Im Süden und der Mitte Deutschlands ist sie häufiger vertreten als im Norden. Im Zuge der Klimaerwärmung zeigt das Monitoring jedoch auch eine deutliche Zunahme im Norden Deutschlands.

Überall wo Eichen stehen, ist eine Besiedlung mit dem Eichenprozessionsspinner möglich.
  • Waldränder
  • Sportplatz
  • Schwimmbad
  • Kinderspielplatz
  • Campinganlagen
  • Parkplätze
  • Grünstreifen/Parkanlagen
  • usw.

Im Stadtgebiet ebenso wie auf dem Land oder im Wald.

Die Nester, in denen sich die Raupen zur Verpuppung zurückziehen, befinden sich am Stamm und an den oberen Astgabelungen. Diese Nester bleiben nach dem „Auszug“ der Falter bestehen und können auch Jahre nach der Besiedlung noch aktive Brennhaare enthalten, das Problem besteht also eigentlich ganzjährig, wenn die Nester bodennah sind.

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Ist der Eichenprozessionsspinner gefährlich für Hund und Mensch?

Die allergische Reaktion des Immunsystems kann individuell sehr unterschiedlich ausfallen. Der Eichenprozessionsspinner kann die Gesundheit des Hundes bzw. des Menschen gering beeinflussen oder aber auch (massiv) bedrohen. Das Gefährdungsspektrum ist durch die  individuelle Wirkungsweise im Körper unterschiedlich.

Zu den Symptomen gehören:

  • lokale Hautausschläge (Raupendermatitis), die sich in punktuellen Hautrötungen, leichten Schwellungen, starkem Juckreiz und Brennen äußern. Oft bilden sich auch Bläschen an den betroffenen Stellen.
  • Reizungen an Mund und Nasenschleimhaut durch Einatmen der Haare, was zu Husten und Asthma führen kann.
  • Begleitend können anderweitige Symptome wie Schwindel, Fieber, Müdigkeit und Bindehautentzündung durch Reizung der Augen auftreten.
  • In seltenen Fällen treten auch allergische Schocks auf.

Die Brennhaare der Raupen enthalten das Eiweiß Thaumetopoein. Die Haare dringen mechanisch in die Haut ein (ähnlich wie bei der Brennessel) und verbreiten so die Substanz auf biochemischem Weg im Körper.

Besonders betroffen sind Hautpartien an der Schnauze oder im Mund. Die Augen oder die Pfoten und Hände (besonders bei Kindern) stellen aber ebenso eine potentielle Kontaktstelle dar.

Falls die Haare mit der Nahrung in den Körper gelangen, sind Reizungen/Schwellungen der Zunge und der Speiseröhre möglich.

Was machen, wenn man mit den Raupen oder einem Nest in Kontakt gekommen ist?

Natürlich sollte umgehend ein Arzt oder Tierarzt aufgesucht werden, um den möglichen Verdacht oder den Vorfall zu schildern. Alles weitere kann nur die individuelle Reaktion des Menschen, des Hundes, der Katze oder auch des Pferdes vorgeben.

Die schweren Fälle bei Menschen, die mir bekannt sind, oder bei denen ich zugegen war, stellten die Ärzte vor eine große Herausforderung, da die individuelle Reaktion eine ebenso individuelle Behandlungsweise erforderte und die fehlenden Erfahrungen mit dem Schädling eine gezielte Therapie erschwerten. Cortison war häufig das Mittel der Wahl.

Ergebnis:

Da mit den potentiellen Gefahren leicht Panik erzeugt werden kann, ist eine sachliche Auseinandersetzung mit der Bevölkerung oftmals schwierig in der Umsetzung. Auch existieren meines Wissens nach keine wissenschaftlichen Nachweise von den Gefährdungsspektren und den Auswirkungen beim Hund, da die Symptome oftmals mit anderen Allergien in Verbindung gebracht werden.

Die Schadwirkung des Eichenprozessionsspinners ist sehr individuell und bei einem potentiellen Kontakt ist der Gang zum Arzt oder Tierarzt erforderlich.

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Dennoch ist ein Wissen um die möglichen Gefahren sinnvoll, um einer übertriebenen Panik vorzubeugen und um den Kontakt durch eine breite Informationsbasis zu vermeiden.

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit Daniela Antoni und dem Hundebloghaus entstanden.

Vielen Dank dafür!

Autorin: Anke M. – mimikama.at


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