Es ist an der Zeit, ein paar Dinge zu klären!

Andre Wolf, 9. Dezember 2021
Radikalisierung: Es ist an der Zeit, ein paar Dinge zu klären!
Radikalisierung: Es ist an der Zeit, ein paar Dinge zu klären!

Es ist an der Zeit, ein paar Dinge zu klären, bevor die Missverständnisse obsiegen. Denn Social Media ist ein Ort voller Missverständnisse. Und voller Radikalisierung.

Teilweise ungewollt und dem Willen der Social Media Doktrin unterworfen. Stellenweise aber auch gewollt, denn Desinformation kann ein Ziel der Kommunikation sein. Und Radikalisierung ein Mittel, um Menschen an die eigene Plattform zu binden. Ein Ziel mit destruktivem Ende, das auch intime Freundschaften entzweit.
Doch wollen wir das? Ist es unser Ziel, unsere Schwestern und Brüder zu Feinden zu erklären? Meines ist es nicht. Im Gegenteil, ich will dieser Strömung entgegenwirken. Doch dazu bedarf es ein paar Statements.

Nein, es bedarf keiner Statements zur weiteren Förderung einer Radikalität. Es bedarf einiger Statements zur klaren Positionierung GEGEN einer jeden Radikalität. Denn ich bin stark davon überzeugt, dass die meisten von uns weit weniger (politisch) radikal sind, als die Darstellung unserer digitalen Ichs vermuten lässt.

Denn Social Media WILL Radikalisierung. Social Media WILL Trigger (kein Scheiß). Social Media will, dass Reaktionen hervorgerufen werden. Und das sollte jede und jeder von uns verstehen. Und um das zu erreichen, radikalisiert Social Media.

Social Media lässt keine moderaten Positionen zu. Falsch …. Social Media lässt natürlich moderate Positionen zu, verleiht ihnen jedoch weder Reichweite und somit kein Gehör. Radikale Positionen sind jedoch geil. Geiler Scheiß. Grenzüberschreitungen, Polarisierungen. Trigger. All das WILL Social Media. Sogar bei Mimikama haben wir in Beratungsrunden empfohlen bekommen, doch mehr mit unseren Inhalten zu triggern. Wie ich das finde? Natürlich absolut widerwärtig.

Denn ich habe kein Interesse an weiteren Polarisierungen. Ich habe ernsthaft keine Lust an diesem bewusst provozierten wirtschaftlich geförderten Zoff. Ich habe überhaupt kein Interesse daran, ein Teil dieses Spiels zu sein.

Deswegen positioniere ich mich. Nein, nicht radikal. Denn ich bin kein Radikaler. Ich bin weit weg davon entfernt. Ich war sogar niemals politisch. Und das ist das Spannende, denn Social Media und die Reaktionen dort haben mich als politisch definiert.
Wer bin ich, was bin ich. Ich bin auf jeden Fall nicht das, was mich Social Media nach außen dastehen lässt. Zumindest nicht politisch. Mit einem gewissen Amüsement, aber auch gleichzeitigem Erschrecken nehme ich seit Jahren wahr, dass ich als „linksgrünversiffter regimetreuer Bezahlschreibling“ beschrieben werde. In Deutschland wird behauptet, ich schreibe für Merkel (in Zukunft wohl dann für Scholz), in Österreich wird mir nachgesagt, ich schreibe für die ÖVP.

Ernsthaft, liebe Freunde. Wenn diese genannten Stellen mich finanzieren würden, hätte ich im Innenhof unseres Hauses nicht unseren verbeulten Skoda Roomster geparkt. Und ich würde nicht in einer schlichten 75qm Wohnung wohnen. Leute, eure Fantasie weicht von der gelebten Realität ab.

Ergo: Mit der Bezahlung hapert es. Abgesehen davon, finde ich es immer wieder spannend, wie aufgrund eines Fakten(!)-Checks eine politische Meinung interpretiert wird. Wie bitte soll das funktionieren?

Um es mal bis auf ein Maximum klar zu sagen: Anhand meiner Publikationen wird niemand wissen, wo das Kreuz auf meinem letzten Wahlzettel gelandet ist. Und das ist auch gut so! Denn ein Faktencheck darf und soll NIEMALS meine politische Meinung widerspiegeln.

Abgesehen davon wird auch jeder meiner Faktenchecks niemals zwingend meine persönliche Meinung widerspiegeln. Im Gegenteil, diese Inhalte sollen und dürfen meiner persönlichen Überzeugung widersprechen. Denn darum geht es Ende. Es geht um Selbstreflexion, um Argumente und um Fakten. Meinungen interessieren mich da einen Sche***endreck. Mich interessiert bei vielen Dingen nicht, was ich denke. Mich interessiert nicht, was andere denken, wenn sie fachfremd sind und nur ihre Meinung auf Social Media posten. Mich interessiert, was funktioniert.

Beispiel Masken. Ich bin ein enormer Maskenhasser. Verdammt, ich hasse die Dinger und setze sie in den Momenten direkt ab, in denen ich sie nicht tragen muss. Doch demonstriere ich deswegen gegen Masken? Suche ich nach meinem persönlichen Confirmation Bias, nur um eine Maskenpflicht an bestimmten Orten zu umgehen?

Nein. Das tue ich nicht. Denn die Faktenlage widerlegt meine persönlichen Befindlichkeiten. Sicher, ich bin einer freier Mensch in einem (noch?) freien Land. Niemand hindert mich, das Gegenteil zu behaupten. Niemand hindert mich, dass ich mich einer gegenteiligen Meinung (!) anschließe und diese propagiere. Besonders spannend: Selbst, wenn ich das tu, wird mir jederzeit das Recht gewährleistet, diesen Weg zu gehen. Soviel zum Thema „Diktatur“, in der ich direkt für meinen gegenteiligen Weg eingesperrt werden würde. Insofern muss ich ganz deutlich sagen, dass die Argumente mit dem rhetorischen Kniff einer (Impf-)Diktatur einen sehr infantilen oder gar politisch ungebildeten Beiklang haben. Aber das ist am Ende auch nur meine Meinung, von der ich jedoch fordere, dass sie gleichstark gelten gelassen wird.

Und nun stehen wir bei der Meinung. Und stehen zugleich bei dem Problem, wie stark auf Social Media Meinungen polarisiert werden. Wir alle haben natürlich eine Meinung. Das ist nicht nur wichtig, sondern es ist auch wunderbar, dass wir von staatlicher Seite aus gewährleistet bekommen, ungestraft eine Meinung haben zu dürfen. Das ist die Meinungsfreiheit.

Ich finde es immer wieder verwunderlich, dass eine Meinungsfreiheit häufig mit Widerspruchslosigkeit verwechselt wird. Lieber Freund, wenn ich deine Meinung für „einen Scheiß“ halte, habe ich jederzeit das ebenso gleichwertige Recht, dieser Meinung zu widersprechen. Auch das ist Meinungsfreiheit. Was du forderst, bekommst du. Doch es gilt für alle. Das ist ziemlich einfach zu verstehen. Und vor allem: Genau für diesen Mechanismus setze ich mich ein.

Der Radikalisierung entgegensteuern!

Und damit komme ich zu einem wichtigen Punkt. Social Media radikalisiert diese konträren Darstellungen von Meinungen. Ich habe das bereits vor mehreren Jahren erlebt und bemerkt. Es war 2015/16, als ich mich für Menschlichkeit beim Thema Flüchtende eingesetzt habe. Menschlichkeit. Etwas, das mir als Christ und ehemaliger Theologiestudent das wohl wichtigste Ziel schien. Diese Form der Menschlichkeit wurde auf Social Media radikalisiert und auf einmal war ich ein „Linker“. Sogar ein „linksgrüner“.
Linksgrün. Das bedeutet, diese Bezeichnung beschriebt, dass ich primär Grüne, wenn nicht dann Linke wähle. Wie kommt wer auf diese Idee, dass von mir zu sagen? Nur, weil ich eine pro-Mensch Lebensweise anstrebe? Für mich sehr irritierend.
Aber dieser Weg fing damals erst an. Er begann mir der Radikalisierung und der daraus resultierenden Werteverschiebung auf Social Media. Auf der einen Seite wurde die Position der pro-Mensch Fraktion in das Linke Lager verschoben, auf der anderen Seite beispielsweise der Begriff der Bürgerlichen deutlich in ein rechtes Lager verschoben. Ohne, dass die Menschen dahinter sich in erster Linie verändert haben.

Doch will ich diese Radikalisierung? Nein! Denn sie beschreibt mich und meine private politische Überzeugung falsch. Doch Social Media liebt diese Polarisierungen. Und ich will mich dagegen wehren.

Nein. Ich bin kein regierungskonformer Gutmensch, der wahlweise von CDU, SPD oder ÖVP, Grüne bezahlt wird. Diese Vorwürfe sind nicht nur absurd, sondern auch logisch falsch. Nein, ich bin kein Verfechter des Lockdowns. Im Gegenteil, ich wäre froh, wenn wir den Scheiß nicht brauchen würden. Nein, ich bin kein Freund einer Impfpflicht. Ich selbst habe mich impfen lassen (3-Stich), weil es einfach einen deutlichen wissenschaftlichen Konsens und klare Fakten für die Wirkung einer Impfung im gesamten Maßnahmenpaket gibt. Und ich höre da nicht auf Einzelmeinungen, die gezielt gesucht und überproportional häufig publiziert werden.
Wissenschaft ist keine Meinung. Tendenziöse Darstellungen, meinungslastige Inhalte und Einzelmeinungen sind keine validen Standpunkte, sondern die ziemlich eindeutige zur Schaustellung des Bestätigungsfehlers. Leider. Es ist ein alltäglicher Test. Was erwarte ich, was erfüllt meine Erwartungen, was erfüllt meine Erwartungen, stimmt jedoch nicht und ist manipulativ. Und das radikalisiert uns.

Es liegt an uns, einfach mal STOPP zu sagen. Denn wir alle, auch ich, sind bei weitem nicht so radikal, wie es auf Social Media scheint. Im Gegenteil.

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