Der Murmeltiertag und die ollen Westfalen

Andre Wolf, 3. Februar 2021
Artikelbild Murmeltiertag von Marek Rybar / Shutterstock.com
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Der Murmeltiertag: Eigentlich ein Dachs aus Westfalen. Hättest du es gewusst?

Gestern habe ich nach langer Zeit mal wieder mit meinem Bruder ein Videotelefonat geführt. Und weil dieses Telefonat am 2. Februar stattfand, kamen wir natürlich auch auf den Murmeltiertag zu sprechen.

Mein Bruder erzählte mir eine Geschichte, die ich natürlich direkt heute prüfen musste. Er meinte, der Murmeltiertag wäre eigentlich eine „Erfindung“ von uns Westfalen. Und ursprünglich sei es auch kein Murmeltier gewesen, das die Westfalen beobachtet haben, sondern ein Dachs.

Ich musste ein wenig grinsen, als ich das gehört habe. Als gebürtiger Westfale, der in Wien lebt, habe ich natürlich immer eine humorvolle Beziehung zu den Skurrilitäten meines „Stammes“. Zugegebener Weise habe ich meinem Bruder im ersten Moment auch nicht ganz glauben wollen.

Das dürfte daran gelegen haben, dass er bei dem Telefonat mit einem BVB-Trikot und einer BVB-Schlappmütze auf dem Sofa saß. Vor sich ein Bier auf dem Tisch, im TV das DFB-Pokalspiel zwischen Dortmund und Paderborn. Dennoch hat mich seine spannende Darstellung nicht kaltgelassen.

Ich möchte an dieser Stelle auch die moderne Fassung der Murmeltiertag-Geschichte nicht wiederholen, wer sie wissen möchte, kann sich ja das folgende Video anschauen:

Ich fand es eben ein wenig lustig, was und wie mir mein Bruder die Geschichte von der westfälischen Herkunft des Murmeltiertages beschrieben hat. Sofort ging mir ein Bild durch den Kopf. Manfred und Dietmar aus Lippe, wie sie frisch Achtzehnhundertschlagmichtot in Pennsylvania angekommen sind, stapfen am 2. Februar durch den verschneiten Wald. Ihr Ziel: Sie suchen einen Dachs.

Das kennen Manfred und Dietmar nämlich von zuhause. Denn „wenn der Dachs zu Maria Lichtmeßen, mittags zwischen 11 und 12 Uhr seinen Schatten sieht, so muß er noch vier Wochen in seinem Baue bleiben“(vergleiche). Das wissen Manfred und Dietmar. Das Gespräch könnte dann so verlaufen sein:

„Hömma, Manfred, ich seh hier kein‘ Dachs.“
„Jau, Dietma, ich au nich.“
„Was machma denn nu, Manfred?“
„Keine Ahnung. Aber, guckma da, da is ja ein Murmeltier!“

Dieses Gespräch hat es zwar nie gegeben, aber mich amüsiert ein wenig der Gedanke der beiden westfälischen Übersiedler, die aus Ermangelung an Dachsen einfach mal ein Murmeltier genommen haben. Es ist auch nicht anzunehmen, dass die fiktiven Manfred und Dietmar aus Ostwestfalen stammen. Denn die sogenannten Pennsylvaniadeutschen, die sich seit dem 17. Jahrhundert in Pennsylvania angesiedelt haben, stammten zumeist eher aus rheinischen Regionen.

Dennoch wurde die Tradition augenscheinlich von deutschen Einwanderern übernommen, so berichtet es ein Tagebucheintrag aus dem Jahre 1841. In dem Tagebucheintrag des Ladenbesitzers James Morris, datiert auf den 4. Februar 1841, steht Folgendes:

“Last Tuesday, the 2nd, was Candlemas day, the day on which, according to the Germans, the groundhog peeps out of his winter quarters and if he sees his shadow he pops back for another six weeks nap, but if the day be cloudy he remains out, as the weather is to be moderate.”

Ok. Und damit schließt sich eben nun der Kreis. Der Murmeltiertag hat also seine Wurzeln in Deutschland liegen. Und da wiederum ist der Dachs das Tier der Wetterprophezeiung. Und mal schauen, was mein Bruder mir beim nächsten Videotelefonat zu erzählen hat.

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Quellen:

Artikelbild Murmeltiertag von Marek Rybar / Shutterstock.com


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