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Der Anime „Akira“ sagte nicht den neuen Coronavirus voraus!

Ralf Nowotny, 3. März 2020
Der Anime "Akira" sagte nicht den neuen Coronavirus voraus!
Der Anime "Akira" sagte nicht den neuen Coronavirus voraus!

Ein Anime (japanischer Zeichentrickfilm) soll schon vor Jahrzehnten den neuen Coronavirus SARS-CoV-2 vorhergesagt haben.

So soll der Anime „Akira“ aus dem Jahr 1988 präzise die jetzigen Ereignisse rund um den neuen Coronavirus prophezeien:

Das Meme über "Akira" und den neuen Coronavirus
Das Meme über „Akira“ und den neuen Coronavirus

Auf dem Meme steht auf Deutsch übersetzt:

„Akira“ ist ein Film von 1988 über ein apokalyptisches Ereignis, das Monate vor den Olympischen Spielen 2020 in Tokio stattfand. Er zeigt die WHO, die Japan rät, die Olympischen Spiele wegen des Pandemierisikos zu verschieben.

Die Erkenntnis, dass Tokio der Gastgeber der Olympischen Spiele im Jahr 2020 ist.

Monate vor Beginn der Olympischen Spiele taucht das Coronavirus auf.

Die WHO rät Japan, die Olympischen Spiele wegen des Pandemierisikos zu verschieben.

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Die Bilder

Jene stehen in keinem Zusammenhang zu „Akira“, sondern zeigen den Charakter Chika Fujiwara aus dem Anime „Kaguya-sama – Love is War“.
Dies sei jedoch nur ergänzend erwähnt; die Bilder werden für zahlreiche Memes verwendet, wichtiger sind die Aussagen auf dem Meme.

Der Anime

Der Anime beruht auf den gleichnamigen Manga, der von 1982 bis 1990 veröffentlicht wurde. Der Film erschien 1988.

Die Handlung:
Am 16. Juli 1988 wird Tokyo von einer heftigen Explosion erschüttert, die die Stadt praktisch auslöscht und den dritten Weltkrieg auslöst. 31 Jahre später, im Jahr 2019 wurde die Stadt als Neo-Tokyo wieder aufgebaut. In der futuristischen Stadt bekämpfen sich rivalisierende Banden, darunter auch die übersinnlich begabten Protagonisten Tetsuo und der namensgebende Akira, der 1988 durch seine Kräfte die Explosion verursachte.

Hier ein deutscher Trailer des Anime:

Die Behauptungen

Das apokalyptische Ereignis

Es handelte es sich um eine durch übersinnliche Kräfte ausgelöste Explosion im Jahr 1988 (im Manga 1982), nicht 2019 oder 2020.

Die Olympischen Spiele

Tatsächlich finden die Olympischen Spiele auch im Anime im Jahr 2020 in Tokyo statt, die Handlung spielt mehrere Monate vor den Spielen.
Zumindest dies ist eine glückliche „Vorhersage“, die rechnerisch aber auch aufgeht: Die Spiele finden alle vier Jahre statt, die Handlung spielt 2019, die nächsten Spiele somit 2020, und diese finden natürlich im neu aufgebauten Tokyo statt, um dies zu zelebrieren.

Die WHO

Im Manga (nicht im Anime) gibt es ein Panel, in dem von von der WHO die Rede ist:

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Dort findet sich das Wort 伝染病 (ausgesprochen: densenbyou), was „epidemisch“ bedeutet, was SARS-CoV-2 glücklicherweise zum jetzigen Zeitpunkt nicht ist. Im Gesamten lautet der Satz im Manga „Die WHO kritisiert die epidemischen Gegenmaßnahmen [von Neo-Tokio]“.

Tatsächlich berät die WHO zwar Tokyo in Hinsicht auf die kommenden Olympischen Spiele, jedoch ist keinerlei Rede davon, diese zu verschieben oder gar abzusagen. Die WHO hat darauf auch keinen Einfluss, sondern kann nur beratend tätig sein.

Der Manga nutzte dabei die allgemeine Angst vor Epidemien in den 1980ern und 1990ern, um eine dystopische Welt darzustellen, in der sich Krankheiten sehr schnell ausbreiten können, jedoch wurde nicht vor einer bestimmten Krankheit gewarnt.

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Zusammenfassung

  • Das Meme ist eine Mischung aus Falschinformationen und Wahrheit.
  • Das apokalyptische Event fand im Anime bereits 1988 statt, nicht 2019 oder 2020.
  • Tokyo bewarb sich wiederholt für die Olympischen Spiele. Dass sie nun tatsächlich wie im Anime 2020 dort stattfinden, ist ein glücklicher Zufallstreffer.
  • Die WHO berät zwar das Olympische Komitee, riet aber nicht zu einer Verschiebung oder Absage (darauf haben sie auch gar keinen Einfluss)
  • Die WHO warnt auch nicht vor einer speziellen Epidemie im Manga (nicht dem Anime), sondern vor der allgemeinen Gefahr von Krankheitsausbrüchen im dystopischen Neo-Tokyo

Im Endeffekt enthält das Meme also ein Körnchen Wahrheit mit einer Menge Übertreibung und Falschinterpretation.

Zum Thema:


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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