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Software bringt mit Deepfakes Verstorbene zum Lächeln

Claudia Spiess, 1. März 2021
Software bringt mit Deepfakes Verstorbene zum Lächeln
Artikelbild: Heritage / Shutterstock / Von Kittyfly

Stammbaum war gestern, jetzt lassen wir unsere Ahnen von ihren Fotos lächeln und blinzeln. Die Deepfake-Technologie macht´s möglich.

In den letzten Jahren erhielt ich immer wieder „Status-Updates“ von meinem besten Freund, der über die Seite „MyHeritage“ seinen Familien-Stammbaum erstellt.
Dazu trägt er die Namen und Daten seiner Verwandten ein und kann auch Fotos hochladen. Gibt es eine Übereinstimmung mit einem Eintrag anderer „Familienforscher“, kann diese in den eigenen Stammbaum übernommen werden. Somit kommt es oftmals zu neuen Einträgen und einem weiteren Familienzweig, den man sonst nicht so leicht gefunden hätte.

Mittlerweile umfasst der Stammbaum meines besten Freundes rund 7.500 Personen, die Verwandtschaft reicht bis über den großen Ozean.

„Deep Nostalgia“ – Wenn die Urahnen plötzlich von Fotos lächeln

Jetzt gibt es allerdings etwas Neues. Um dem Stammbaum Leben einzuhauchen, kann man nun die hochgeladenen Fotos seiner verstorbenen Ahnen animieren. Das Ergebnis ist ein kurzes Video, in dem die Verwandten vom Foto lächeln, ein wenig umherschauen, blinzeln und den Kopf bewegen.

„Spannend“, meinen die einen. „Gruselig“, die anderen. Den Seitenbetreibern ist dies bewusst. So rufen sie dazu auf, die Funktion zu nutzen, Videos zu erstellen und diese seinen Freunden und seiner Familie zu zeigen, um zu erfahren, wie diese darauf reagieren oder darüber denken.

Interessant ist sicherlich auch, ob die Bewegungen, das Lächeln, der Blick wirklich dem der Person zu deren Lebzeiten entspricht. Dazu ist es allerdings nötig, dass es sich nicht um die Ur-Ur-Ur-Oma handelt, die man leider nicht mehr kennenlernen konnte.

Erstaunliche Deepfake Ergebnisse

Um Gesichter in den Fotos zu animieren, sind hochauflösende Bilder nötig. Bei alten Fotos unserer Verwandten trifft dies nur in den seltensten Fällen zu. Oftmals sind es kleine unscharfe Bilder, die Risse und Kratzer aufweisen.

Hierfür bietet „MyHeritage“ eine Fotoverbesserung an. Die Auflösung der Bilder wird erhöht, die Gesichter geschärft. Sogar nachkoloriert können diese werden. Und dann wird ihnen Leben eingehaucht: Deepfake für den Privatgebrauch.

Der Autor Ferris Jabr, der unter anderem für das New York Times Magazine und Scientific American geschrieben hat, teilte auf Twitter einige Ergebnisse:

Spooky? Ja. Schon irgendwie. Aber auch faszinierend.
Sogar Abe Lincoln zeigt sich begeistert.

In diesem Deepfake-Video wurde dem 16. Präsident der USA sogar eine Stimme verliehen, was bei den Videos, die man selbst erstellen kann, nicht möglich ist. Dies hat den Grund, Missbrauch zu vermeiden.

Auch ist in den fertigen Videos immer ein Bearbeitungs-Symbol eingeblendet, somit erkennt man auf den ersten Blick, dass das Video via „MyHeritage Deep Nostalgia“ erstellt wurde.

„MyHeritage“ weist außerdem darauf hin, dass nur die eigenen historischen Fotos verwendet werden sollen und keine Fotos mit lebenden Personen, vor allem nicht ohne deren Wissen oder Zustimmung.

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Quelle: MyHeritage


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
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