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DDR Reloaded – Die Schreiben der „Zentralbank Deutsche Demokratische Republik“

Ralf Nowotny, 22. Januar 2019
Artikelbild: Shutterstock / Von aldorado und Axel Bueckert
Artikelbild: Shutterstock / Von aldorado und Axel Bueckert

„Reichsbürger“ kennt man ja mittlerweile. Aber seit geraumer Zeit gibt es noch eine Gruppierung: die „DDR-Bürger“.

So ist das Credo der Reichsbürger mittlerweile allgemein bekannt: Die Bundesrepublik existiert als Solches gar nicht, Deutschland existiert noch in den alten Grenzen und sei ein besetztes Land, die Bundesrepublik sei in Wirklichkeit eine Firma, die sogenannte „BRD GmbH“.
Als ob die Forderungen und Behauptungen dieser Gruppierungen, welche sich untereinander selbst nicht einig sind, wer denn nun der „König von Deutschland“ ist (Tipp: es ist und bleibt Rio Reiser), gesellt sich seit einiger Zeit eine weitere Instanz hinzu, die mit ihren verworrenen Schreiben und Behauptungen Verwirrung stiften: „DDR-Bürger“.

Ein aktuelles Beispiel sehen wir hier:

Screenshot: mimikama.at
Screenshot: mimikama.at

Als Briefkopf dieser Schreiben wird immer das Staatswappen der ehemaligen DDR mit Hammer und Zirkel verwendet, dazu die Bezeichnung „Zentralbank Deutsche Demokratische Republik DDM System“.
In der Öffentlichkeit ist jene „neue Form“ der Reichsbürger bisher nicht sonderlich auffällig geworden, einzig durch ihre kruden Schreiben mit exorbitanten Forderungen an die „BRD GmbH“, ihre Institutionen und an Angestellte, die sich im Internet als Scan oder abofotografiert verbreiten, finden sie ein wenig Aufmerksamkeit.

Der Beginn der neuen DDR

Erst 2017 formierte sich diese neue Bewegung. Bereits in den Monaten zuvor gab es einige Verlautbarungen und Ankündigungen, bis dann im Dezember deren erstes Gesetzblatt erschien:

Screenshot: mimikama.at
Screenshot: mimikama.at

Wie man dort liest, wird nicht lange gefackelt:
Die Bundesrepublik wird verkauft, alle Banken und Einrichtungen sind unwirksam, alle Kredite werden gelöscht. Zudem exisitieren auch keine Finanzämter und Gerichte mehr, Steuern müssen auch keine mehr gezahlt werden (gezahlte Steuern können aber auch nicht zurückerstattet werden, schade).

Screenshot: mimikama.at
Screenshot: mimikama.at

Wo hat denn die neue DDR ihren Sitz?

Ein Blick auf die obigen Schreiben zeigt schon einmal, dass es schwer wird, die DDR telefonisch zu erreichen: Auf den Schreiben findet sich nur eine Platzhalter-Nummer „030-123456“. Vielleicht sind die Telefonanschlüsse noch nicht gelegt, aber das kennt man ja noch aus der alten DDR.

Immerhin finden wir aber dort auch eine Adresse: „Französische Straße 35, 1020 Berlin“.
Augenscheinlich wurden also auch wieder alte Postleitzahlen eingeführt.
Die Adresse existiert auch, es handelt sich nämlich um die Adresse des ehemaligen Sitzes der Staatsbank der DDR. Sehr fraglich, ob dort auch die Versender der Schreiben sitzen.

Von Berlin nach Manao

Die Schreiben zeigen uns am Fußende, dass sie nicht etwa direkt aus Berlin kommen, sondern von der „Aussenstelle Manao“ sind.

Screenshot: mimikama.at
Screenshot: mimikama.at

Leider gibt es keine weiterführenden Angaben, wo genau denn nun diese Aussenstelle zu finden ist, weswegen man raten kann:
Handelt es sich um Manao in der japanischen Präfektur Yamaguchiken? Oder um Ao Manao, einem malerischen Strand in Thailand? Vielleich auch um Manaus, dessen Name eine Abwandlung des Manao-Stammes ist, in Brasilien?
Der Sitz der Aussenstelle ist also noch rätselhaft, aber es gibt ja noch andere Hinweise, die uns zu den Urhebern der Schreiben führen.

Auf der Suche nach F. Matschke

Jener Name taucht immer wieder auf den Dokumenten jener „Volkskammer Deutschland“, wie sie auf den Stempeln der Dokumente bezeichnet wird, auf.

Screenshot: mimikama.at
Screenshot: mimikama.at

Die Suche nach Frank Matschke erweist sich als mühsam, zumindest kann man aber sehen, dass viele der alten Dokumente des Fantasiestaates (als Solches muss man ihn einfach bezeichnen) auf der mittlerweile gelöschten Seite eines Elektronikunternehmens lagen:

Screenshot: mimikama.at
Screenshot: mimikama.at

Zusammenfassung der unseriösen Punkte

So einige Merkmale weisen darauf hin, dass diese Schreiben einfach nicht ernst zu nehmen sind.

  • Die Aussenstelle liegt ohne weitere Beschreibung irgendwo im Ausland
  • Die Dokumente sind sich uneinig bezüglich der Datumsschreibweise (mal mit der Zehner-Null, mal ohne)
  • Telefonnummern sind nur Platzhalter
  • Inlandsadresse ist die ehemalige Staatsbank der DDR
  • Die Email-Adressen haben keinen einheitlichen Provider oder eine eigene Domain
Quelle: Sonnenstaatland
Quelle: Sonnenstaatland

AOL, Gmail und Yahoo sind als Mailprovider bekannt und können von Jedem anonym genutzt werden. Protonmail, welches als Provider für die Beantragung eines Ausweises genutzt wird, bietet zudem noch spezielle Verschlüsselung der Emails an.

Zusammenfassung der Anschauung

Die „Volkskammer Deutschland“ ist der Ansicht, dass nicht etwa die DDR der BRD im Jahre 1990 beigetreten ist, sondern es sich umgekehrt verhält: Die BRD trat der DDR bei.
Deswegen gilt auch weiterhin die aktive Volksverfassung der DDR von 1968, man sei kein EU-Mitglied (da als EU-Mitglied ja die Bundesrepublik aufgezählt ist, welche ja gar nicht existent sei), alle Banken und Finanzämter seien nicht legitim.

Quelle: Sonnenstaatland
Quelle: Sonnenstaatland

Fazit

Im Endeffekt haben wir es hier mit einem Derivat der „Reichsbürger“ zu tun, mit dem Unterschied, dass die „Volkskammer Deutschland“ nicht beim Kaiserreich ansetzt, sondern erst bei der Wiedervereinigung, welche ihrer Ansicht nach umgekehrt verlief.
Auffällig werden sie derzeit nur mit maßlos überhöhten Geldforderungen an die Bundesregierung und verschiedene Institute. Ob diese Forderungen auch durchgesetzt werden, wie es beispielsweise einige Reichsbüger mit der „Malta-Masche“ versuchen, ist noch abzuwarten, erfolgversprechend ist diese jedoch nicht.

So reiht sich die „Volkskammer Deutschland“ eigentlich nur in die über 40 Fantasiestaaten ein, die alle behaupten, die rechtmässigen Herrscher Deutschlands zu sein.

Dabei gibt es doch wirklich nur den Einen.


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