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Das passiert, wenn man auf Facebook bei einem Auto-Gewinnspiel teilnimmt

Kathrin Helmreich, 31. Juli 2018
Das passiert, wenn man auf Facebook bei einem Auto-Gewinnspiel teilnimmt
Das passiert, wenn man auf Facebook bei einem Auto-Gewinnspiel teilnimmt

Ein Urgestein des Internet-Betrugs stellen die so genannten Fake-Gewinnspiele dar. Was passiert, wenn man an einem solchen teilnimmt?

Sei es das falsch verpackte iPhone, ein Spielturm für Kinder, der Traumurlaub oder ein Mercedes bzw. Audi … wenn man auf Facebook über Gewinnspiele stolpert, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen Fake.

Warum wir das so genau wissen? Zum einen können wir auf eine langen Erfahrungsschatz in Sachen Fake-Gewinnspiele zurückblicken und zum anderen denken nicht alle Gewinnspiel-Anbieter so weit, dass manche Nutzer evt. nicht unbedingt nur mit “Teilnahme” kommentieren.

So erhielten wir mit einem leichten Schmunzeln auf den Lippen, folgende Mitteilung:

Hallo Mimikama!
Ich habe letzte Woche bei einem dieser tollen auto gewinnspielen mal euren artikel in die kommentare gestellt. Das bekam ich gestern als antwort:

Liebe/r … …
Leider hast du nicht bei unserem Gewinnspiel den Mercedes-Benz GLE Coupe gewonnen.
Jedoch gehörst du zu der engeren Auswahl weshalb wir dich heute über den zweiten Platz Informieren möchten.
Sicher dir die Möglichkeit und erhalte den Zweiten Platz: Eine Mercedes-Benz A-Klasse!
Hier Teilnehmen! -> http://bit.ly/a-klasse-zweiterplatz
Schreibe uns nachdem du Teilgenommen hast, „Fertig“ damit wir deine Teilnahme berücksichtigen können.
Vergiss nicht deine E-Mail zu bestätigen damit deine Teilnahme gültig ist.
Beste Grüße,
Dein Mercedes-Benz Socialteam

Bei solch einer aus dem Zusammenhang gerissenen Antwort kommen so einige ins Grübeln. Was also bezwecken die Ersteller mit solchen Gewinnspielen eigentlich wirklich?

Der Faktencheck

Als Beispiel dient diese gefälschte Seite mit Fake-Gewinnspiel: Audi RS7

Nimmt man nun an einem Gewinnspiel teil, erhält man folgende Antwort via private Nachricht:

Screenshot by mimikama.at
Screenshot by mimikama.at

Warum? Weil der Link zur externen Webseite, bei der man seine Daten hinterlassen soll, im Statusbeitrag schnell von Facebook gefiltert werden kann und die gefälschte Seite so ratzfatz dicht gemacht wird.

Um die Lebensdauer dieser Fake-Seiten zu erhalten, wird einfach mit privater Nachricht gearbeitet.

Einige Zeit später erhält man nun diese Nachricht:

Screenshot by mimikama.at
Screenshot by mimikama.at

Ab jetzt geht das Gespamme so richtig los. Immer wieder stehen wir als Verlierer da, der Gewinn wird nicht abgeholt, aber es gäbe nun die 3-fache Gewinnchance – um den Nutzer einfach bei der Stange zu halten. Denn die Hoffnung stirbt bekanntermaßen ja zuletzt und man möchte, dass das Fake-Gewinnspiel so oft wie möglich geteilt wird.

Screenshot by mimikama.at
Screenshot by mimikama.at

Dies zieht sich über Wochen hin – kein Gewinn, keine Gewinner, dafür ständig neue Fake-Gewinnspiele.

Screenshot by mimikama.at
Screenshot by mimikama.at

Nach einiger Zeit bemerken wir, dass es die Seite aktuell nicht mehr gibt. Sie ist nun im Chat als “Facebook-Nutzer” gelistet. Sie wird jedoch immer wieder mal aktiv. So lassen sie die Seite wieder neu aufleben und nenn sich anders. Z.B.: Mercedes Benz E oder Audi RS7 …

Screenshot by mimikama.at
Screenshot by mimikama.at

Warum all die Mühe?

Die Betrüger haben es vor allem auf persönliche Daten abgesehen bzw. wollen sie den Nutzer zu einem Affiliate-Programm locken.

Möglichkeit “Seitenverkauf”

Dem Seitenbetreiber liegt es daran, möglichst viele “Gefällt mir”-Angaben zu bekommen. Er arbeitet also gezielt daran, die Fanzahlen in die Höhe zu treiben.

Ab einem bestimmten Punkt findet sich diese Seite dann zum Verkauf.

Die Fans wundern sich lediglich irgendwann, welche Inhalte sie nach dem Verkauf zu Gesicht bekommen und warum sie diese Seite geliked haben.

Relativ harmlos also, ungemütlich wird es, wenn die Seite ab einer bestimmten Fananzahl auf so genanntes “Affiliate” abzielt.

Möglichkeit “Affiliate”

Hier wird ab einem bestimmten Zeitpunkt die Beschreibung des Gewinnspiels verändert.

Die Teilnahmebedingungen bekommen einen Zusatz, meist wird ein Link eingefügt, den man besuchen soll. Dort warten dann irgendwelche Partnerprogramme, über welche der “Veranstalter” Provisionen einsackt. Im harmlosesten Fall sind es Partnerprogramme, die dem Teilnehmer einen Haufen Werbung bescheren, im extremen Fall verbirgt sich für die Besucher via Smartphone eine WAP-Billing-Abofalle hinter dem Link (bei welcher der Veranstalter natürlich ebenso Provisionen kassiert). Hin und wieder findet man diese hochgezüchteten Facebook-Seiten dann auch bei eBay zum Verkauf angeboten.

Egal, was da noch passiert: Den angepriesenen Gewinn gibt es nicht!

Augen auf, wenn es darum geht, seine persönlichen Daten ins Internet zu stellen. Lasst Euch nicht veräppeln! Zuerst denken – dann klicken!

3 Schritte

Solche Gewinnspiele laufen auf drei Ebenen ab. Siehe auch das Fake-Gewinnspiel zum Phantasia Land. Denn bei Fake-Gewinnspielen, die eine starke Viralität haben, handelt es sich um ein Geschäftsmodell. Im Gegensatz zu echten Gewinnspielen, die von Firmen zu Werbezwecken veranstaltet werden, nutzen Fake-Gewinnspielveranstalter das Produkt als Lockvogel.

imageDen ersten Schritt stellt der Köder dar. Dieser Köder taucht zumeist in Form einer Statusmeldung auf Facebook, einer WhatsApp Nachricht oder in seltenen Fällen auch als Instagram-Meldung auf. Diese Köder sind in ihrer Art alle identisch: Sie vermitteln einen Gewinn, den man im Grunde schon bereits in der Tasche hat. Sie vermitteln die Leichtigkeit der Teilnahme und locken auf eine Webseite. Es handelt sich hierbei um den Köder. Der Köder ist der virale Einstieg in den Gewinnspielablauf.

imageSchritt zwei stellt meist eine Webseite dar, die sich als ein vermeintliches Gewinnspiel mit einer Fragerunde ausgibt. Diese Fragerunde ist nicht zwingend immer vorzufinden, da sie zum einen irrelevant ist und auch nur den Charakter eines Gewinnspiels vortäuschen soll. Wir nennen diesen Schritt zwei auch die Brücke. Die Brücke zeigt sich in Form eines Fake- Gewinnspiels, in dieser Brücke wird einem zumeist der Gewinn direkt versprochen, es wird getäuscht und mit gefälschten Elementen gearbeitet. Diese Brücke ist letztendlich auch eine illegale Komponente, da die gegebenen Versprechen nicht eingehalten werden und sich der Aufbau sowie die Darstellung geschützter grafischer Elemente bedient. Das Corporate Design bestehender Firmen und deren Produkte werden gnadenlos ausgenutzt, auf der Brücke gibt man sich auch gerne als die dargestellte Firma aus. Ziel der Brücke:

a) Viralität erzeugen (Beispiel: leite dieses Gewinnspiel an 20 Kontakte weiter)
b) ein Link wird eingebaut, der zu dem vermeintlichen Gewinn führen soll

imageDen dritten und abschließenden Schritt stellt ein sogenanntes Affiliate Programm dar. Man verlässt die Brücke über einen Link, der einen Partnercode beinhaltet, welcher zu einem Provisionsprogramm gehört. Es handelt sich hierbei um ein Affiliate, welches nach Möglichkeit inhaltlich mit dem in der Brücke verlaufenen Fake-Gewinnspiel korreliert. Wir nennen diese abschließende Verlinkung den Ausgang. Merke: Der Ausgang selbst, also die Affiliates, auf die verlinkt wird, ist nicht illegal! Es handelt sich dabei um Geschäftsmodelle, bei denen der jeweilige Anbieter solcher Programme seine Vertriebspartner durch Provisionen vergütet. Diese Vertriebspartner werden vom Anbieter durch einen Identifikationscode erkannt, so dass jeder neu registrierte Teilnehmer an dem Affiliate Gewinnspiel auch dem Vertriebspartner zugeordnet werden kann. Derjenige, der die Brücke gestaltet, entscheidet übrigens beliebig, welches Partnerprogramm er als Ausgang benutzt. Häufig finden wir auch Systeme vor, welche die Herkunft und die Geräteangaben des Teilnehmers auslesen und somit spezifisch auf unterschiedliche Provisionsprogramme leiten. Daher kann man nie eindeutig sagen, welches Provisionsprogramm am Ende aufgerufen wird, im schlimmsten Fall landet man auf dubiosen WAP-Billing Geschichten oder undurchsichtigen Abo-Serviceleistungen.

image

Der Fake zählt!

Daher hat der Verfasser von Köder und Brücke, der durchaus auch der jeweilige Vertriebspartner des Affiliate-Anbieters sein dürfte, ein großes Interesse daran, dass seine Fake-Geschichte im Vorfeld so glaubwürdig wie möglich klingt, gleichzeitig aber auch ein hohes Viralitätspotential besitzt.

Gut gelogen ist daher im Falle von Fake-News, sowie auch Fake-Gewinnspielen, bereits halb gewonnen.

Beide bedienen sich der selben Elemente und sind daher durchaus als artverwandt zu sehen. Fake-Gewinnspiele sind zumeist jedoch etwas rudimentärer gestaltet und auch einfacher in ihrer Darstellung, da der pseudoredaktionelle Part ungleich kleiner ausfällt. Dies dürfte auch der Grund sein, warum Fake-Gewinnspiele wesentlich stärker verbreitet sind als kommerzielle Fake-News.


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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