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Daran könnt ihr Fakeshops erkennen

Ralf Nowotny, 31. Januar 2019
Lasst euch niemals von allzu günstigen Preisen blenden!
Lasst euch niemals von allzu günstigen Preisen blenden!

„Günstig einkaufen? Schau doch im Internet!“ – Guter Ratschlag, doch viele Nutzer geraten dann auf dubiose Webshops, die auf Nutzerdaten aus sind, aber nichts liefern.

Diese Shops sehen optisch auf den ersten Blick seriös aus, auf den Startseiten werden gleich Produkte mit attraktiven Rabatten angezeigt.

Hier beispielsweise die Artikel einer Seite, die scheinbar Dr. Martens-Schuhe sehr günstig anbietet:

Screenshot: mimikama.at
Screenshot: mimikama.at

Um noch mehr Nutzer auf Fake-Shops zu locken, kursieren auch Bilder mit den Adressen der Shops auf Facebook (wir empfehlen natürlich, nicht auf diesen Seiten zu kaufen!), ein solches Bild könnt ihr beispielsweise oben in unserem Titelbild sehen.

Wir bekamen einen Erfahrunsbericht zugesandt, der gut zeigt, was passiert, wenn man bei einem solchen Shop bestellt:

Ich bin auf den Dr. Martens Shop reingefallen: Wirbt mit Fotos, Texten und Logo der echten Seite. Schuhe für 33,- Euro, Bestellungen aber max. 160,- Euro gesamt. Nach einer Anmeldung wird die Kreditkarte abgefragt. In meinem Fall war ein Bezahlen dann nicht möglich. Kundenkonto wird erstellt, kann aber nicht gelöscht werden. Nach einem PC Neustart wollte ich mich erneut einloggen, aber mein Accout scheint gar nicht zu existieren… Ich habe sicherheitshalber meine Karten sperren lassen und nachgefragt ob bisher bereits etwas abgebucht wurde, das war aber nicht der Fall. Auf Anfragen via Kontaktformular kam keine Reaktion und keine automatische Bestätigungsmail.

Die Shops auf dem kursierten Bild gleichen sich optisch sehr, nur die Produkte unterschieden sich.

Erkennungsmerkmal 1: Keine Kontaktadresse

Bevor man sich durch günstige Preise blenden lässt, sollte man bei solchen Shops nach einem Impressum oder einer Kontaktseite schauen.

Screenshot: mimikama.at
Screenshot: mimikama.at

Am Beispiel der gefälschten Dr. Martens-Seite sieht man hier, dass es nur ein Kontaktformular gibt, aber sich an keiner Stelle ein Impressum mit Kontaktdaten findet.

Erkennungsmerkmal 2: Die Whois-Abfrage

Mit einer „Whois“-Abfrage (auf Deutsch: „Wer ist“) kann man erkennen, wer eine Seite erstellt hat und seit wann sie existiert. Normalerweise zumindest, denn Ersteller solcher Fake-Shops halten ihre Identität gerne geheim und nutzen dafür Anonymisierungsdienste.

Als Beispiel schauen wir mal nach der URL eines Fakeshops, der Schuhe von Timerland anbietet. Dazu gehen wir auf http://whois.domaintools.com und geben dort die URL des Shops ein:

Screenshot: mimikama.at
Screenshot: mimikama.at

Nach einer Sicherheitsabfrage, ob wir auch kein Roboter sind, sehen wir die Ergebnisse der Abfrage:

Screenshot: mimikama.at
Screenshot: mimikama.at

Als „Registrar“ sehen wir „35 Technology“, ein chinesisches Unternehmen. Oftmals findet man dort auch gar keinen Namen, stattdessen einen Eintrag wie „Whois Privacy“, was bedeutet, dass der Ersteller der Seite anonym bleiben möchte.
Noch wichtiger ist das Erstellungsdatum der Seite, die wir im Screenshot rot umrahmt haben: 29.12.2018.

Ist ein Shop erst wenige Tage oder Wochen alt, ist dies ein deutlicher Hinweis. Insbesondere, wenn der Ersteller der Seite im entfernten Ausland sitzt oder sich gar anonymisieren lässt!

Erkennungsmerkmal 3: Die Online-Auftritte

Seriöse Shops haben mehrere soziale Kanäle, um ihre Produkte möglichst weitgestreut anbieten zu können. Die Fakeshops wollen diesen Anschein auch erwecken, weswegen man häufig Buttons zu Facebook, Twitter, Instagram und anderen Seiten findet.

Versucht man jedoch, diese Buttons anzuklicken, merkt man, dass es sich entweder einfach nur um Bilder, keine Links, handelt oder die Links einfach nur auf die Hauptseite der jeweiligen Social Channels führen, wir beispielsweise hier ersichtlich:

Screenshot: mimikama.at
Screenshot: mimikama.at

Erkennungsmerkmal 4: Die Zahlmethoden

Seriöse Online-Shops bieten neben Bankabbuchung und Kreditkartenzahlung auch PayPal an.
Es gibt auch viele Fake-Shops, die zumindest auf der Hauptseite diese Zahlungsmethoden anbieten.
Kommt man allerdings zum Bestellvorgang, kann man nur noch per Kreditkarte bezahlen:

Screenshot: mimikama.at
Screenshot: mimikama.at

Der Sinn dahinter liegt auf der Hand:
Einzüge per Bank und PayPal kann man zurückziehen, bei Kreditkarten ist das schwieriger. Zudem sind Kreditkartendaten für Betrüger äusserst wertvoll. Sie können genutzt werden, um auf Kosten des Nutzers einzukaufen oder die Daten werden im Darknet weiterverkauft.

Hat man seine Daten auf einer solchen Seite eingegeben, sollte man schleunigst das Kreditinstitut kontaktieren und die Karte sperren lassen!

Fazit

Es gibt sicherlich viele günstige Angebote. Jedoch sollte man nicht wahllos im Internet nach Online-Shops schauen und dort dann, ohne weitere Überprüfung, sorglos mit Kreditkarte bezahlen.

Wir raten deshalb dazu, gerade bei Shops mit vermeintlich sehr günstigen Angeboten bei fast jedem Produkt genau hinzuschauen! Wenn Zweifel bestehen, sollte man lieber die Finger davon lassen und nach vertrauenswürdigen Plattformen Ausschau halten, wo das Produkt zwar vielleicht teurer ist, aber dafür auch wenigstens garantiert ankommt.


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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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