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Coronavirus: Warum schnelles Handeln nun wichtig ist

Ralf Nowotny, 12. März 2020
Coronavirus: Warum schnelles Handeln nun wichtig ist
Coronavirus: Warum schnelles Handeln nun wichtig ist

Mit täglich neuen Meldungen über den neuen Coronavirus SARS-CoV-2 steigt auch die Verunsicherung, was nun am Besten zu tun sei.

Da stellen sich nun jedem Einzelnen viele Fragen: Wieviele Infizierungen mit dem neuen Coronavirus wird es bei mir geben? Was wird dann geschehen? Wann wird es soweit sein? Was kann man allgemein und im Speziellen tun?

Bisher wurde SARS-CoV-2 nur als Epidemie in einzelnen Ländern bezeichnet, mittlerweile allerdings als Pandemie, also einer länder- und kontinentübergreifenden Ausbreitung einer Krankheit. Trotzdem ist Panik der schlechteste Ratgeber, besonnenes und vor allen Dingen schnelles Handeln von Politik und von jedem Einzelnen ist aber gefragt, um die Verbreitung so effektiv wie möglich einzudämmen.

Die Verbreitung

Während sich in manchen Ländern das neue Coronavirus noch langsam verbreitet, haben doch schon einige Länder die Grenze zur exponentiellen Verbreitung überschritten: Sie sind an einem Punkt angelangt, an dem sich statistisch gesehen die Infektionen jeden Tag verdoppeln:

Infektionsrate zwischen dem 5. und 6. März, Quelle: medium.com
Infektionsrate zwischen dem 5. und 6. März, Quelle: medium.com

Wird der Trend so weitergehen, ist zu erwarten, dass es in einigen Tagen in Frankreich die meisten Infizierten geben wird, gefolgt von USA, Schweden, Belgien und Deutschland.

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Die Kurve flach halten!

Mit Erschrecken schauten und schauen wir nach China und nun auch in Italien, wo ganze Städte unter Quarantäne gestellt wurden.
China ist weit weg, da mag das manchen kaum interessieren, aber Italien? Schaut man oben auf die Statistik, schaut es doch noch vergleichsweise gut aus. Ist das also zu panisch von Italien reagiert?

Nein! Ganz im Gegenteil macht es Italien genau richtig, sie lernen aus vergangenen und jetzigen Situationen, denn die Devise lautet: „Flatten the curve“, zu Deutsch: „Die Kurve flach halten“.

Jene Tabelle zeigt die Coronavirus-Fälle in einzelnen Regionen Chinas (außer Hubei), verglichen mit Südkorea, Italien und dem Iran:

Coronavirus-Fälle bis zum 4. März, Quelle: medium.com
Coronavirus-Fälle bis zum 4. März, Quelle: medium.com

Jede der Regionen in China hatte die Tendenz, exponentielles Wachstum der Fälle zu bekommen, doch durch die drastischen Maßnahmen, welche Ende Januar ergriffen wurden, wurde die Kurve bis heute flach gehalten!

In Südkorea, Italien und dem Iran, den Ländern, welche im Vergleich zu der Region Hubei das gleiche expontielle Wachstum hatten, sind die Fälle mittlerweile weit darüber hinaus geschossen, obwohl sie einen Monat Zeit zum Handeln hatten. Auch deswegen reagierte Italien zwar erst spät, aber richtig!

Aus Erfahrung lernt man

Was manche erstaunen mag: In den Ländern nahe China, also beispielsweise Japan, Taiwan, Singapur und Thailand sind die Wachstumskurven ebenfalls eher schwach; zum Zeitpunkt der Erstellung der Graphen gab es in Taiwan nicht einmal 50 Fälle.

Das hat aber einen einfachen Grund: Diese Länder haben Erfahrung!
All jene Länder waren 2003 vom SARS-Ausbruch betroffen und haben daraus gelernt. Sie wissen, wie viral und tödlich ein unbekanntes Virus sein kann, sie verhalten sich im Alltag ohnehin schon sehr reinlich: Kranke tragen immer Schutzmasken, um Mitmenschen vor Tröpfcheninfektionen zu schützen, Oberflächen werden äußerst reinlich gehalten, in Singapur kann man sogar wegen Rauchen in der Öffentlichkeit oder Müll wegwerfen im Gefängnis landen.

Die Sterblichkeitsrate verringern

Eine Vielzahl von Statistiken aus allen betroffenen Ländern führt derzeit zu zwei Schlüssen, die sich Regierende zu Herzen nehmen sollten:

  • In Ländern, die vorbereitet sind und/oder drastische Maßnahmen ergriffen, liegt die Sterblichkeitsrate bei 0.5 – 0.9 Prozent.
  • In Ländern, die „überfordert“ sind, liegt die Sterblichkeitsrate bei 3 – 5 Prozent.

Wenn Länder also frühzeitig handeln, kann die Sterblichkeitsrate bis zum Faktor 10 gesenkt werden, die Infektionsrate ohnehin, was die Kurve weiter abflachen lässt.

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Schnelle Entscheidungen sind gefragt

Taiwan ist nahezu ein Musterstaat, was die Maßnahmen gegen COVID-19 Erkrankungen angeht, was auch eine Datenanalyse aufzeigt. Das Land liegt nur 130 Kilometer vor der Küste Chinas, es wurde erwartet, dass aufgrund der Vielzahl der Flüge dort die zweithöchste Infektionsrate nach China kommen würde.

Stattdessen bildet Taiwan nun das Schlusslicht, eben weil sie aus 2003 und SARS gelernt haben, weil sie sehr frühzeitig Flughafenkontrollen einsetzten und aktiv nach potentiell Erkrankten suchten und diese in Quarantäne nahmen.

Regierungen müssen in solchen Situationen schwierige Entscheidungen treffen, dies auch noch unter Unsicherheit und Zeitdruck, dazu müssen diese Entscheidungen auch noch kulturell angemessen und sensibel für die Bevölkerung sein; eine echte Gratwanderung also!

Eliminieren nicht möglich, verschieben schon!

Zu diesem Zeitpunkt ist es nicht mehr möglich, das Coronavirus in nächster Zeit zu eliminieren. Was nun aber möglich ist: Verschieben!
Wenn wir die Infektionen durch teils drastische Maßnahmen so weit wie möglich reduzieren können, die Infektionskurve also flach halten, kommen wir irgendwann zu einem Zeitpunkt, an dem ein Impfstoff vorhanden ist und das Risiko einer Infektion nahezu eliminiert werden kann.

Wir können Infektionen nun kaum noch verhindern. Aber wir können sie so gut wie möglich nach hinten verschieben.

Soziale Distanzierung und Reinlichkeit

Damit ist nicht gemeint, sich nun total einzuigeln, denn glücklicherweise gibt es da eine tolle Erfindung, um trotzdem noch Kontakt zu anderen Menschen, zur Familie, zu Freunden zu haben: Das Internet!

Größere Menschenansammlungen wie Konzerte und andere Veranstaltungen sollten gemieden werden. Je weniger direkter Kontakt, umso geringer die Gefahr, sich anzustecken.

Doch manchmal muss man halt doch raus, am Häufigsten zum Einkaufen. Und dann ist da ein Einkaufswagen, den vielleicht vorher jemand Infiziertes hatte. Was nun?

Keine falsche Scham! Je nach Oberfläche können Coronaviren stunden- oder tagelang überleben. Also ruhig öfters mal die Reinigungstücher bereithalten, sich nicht ins Gesicht fassen, bis man sich zu Hause gründlich die Hände waschen kann. „Übertriebene“ Reinlichkeit muss nun in der Öffentlichkeit normal werden!

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Fazit

Regierungen und Veranstalter müssen nun unbequeme Entscheidungen treffen, welche aber im Endeffekt Leben retten:
Leere Fußballstadien, abgesagte Veranstaltungen, geschlossene Clubs, Discotheken, Kneipen, Schulen, Universitäten, Theater und Museen.

Das wird für viele Menschen schmerzhaft sein, natürlich auch für viele Veranstalter, denen Einnahmen entgehen, aber nur durch solche drastischen Maßnahmen besteht die Chance, den neuen Coronavirus solange einzudämmen, bis eine Impfung entwickelt wurde.

Lernen wir aus der Vergangenheit. Lernen wir von den Ländern, die solche Krisen bereits hatten. Dann wird SARS-CoV-2 irgendwann nur noch eine düstere Erinnerung sein.

Mehr Graphen, Statistiken und Hintergrundinformationen auf medium.com


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