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Coronavirus: Ein paar Wochen werden nicht reichen

Tom Wannenmacher, 24. März 2020
Coronavirus: Ein paar Wochen werden nicht reichen
Coronavirus: Ein paar Wochen werden nicht reichen

Forscher haben in einer Simulation herausgefunden, dass das Coronavirus nach 5 Monaten wieder da ist!

Laut einem Bericht von „buisnessinsider“ haben Forscher aus London in einer neuen Untersuchung herausgefunden, dass das Coronavirus bei einer Zurücknahme der jetzigen Maßnahmen (Ausgangssperren, strengste Quarantäne usw.) nach 5 Monaten in vollem Umfang wieder die Bevölkerung treffen würde. Der Bericht schildert 4 mögliche Szenarien:

Szenario 1: Es werden keine Gegenmaßnahmen gegen das Virus eingeleitet.

Das ursprünglich sogar von der britischen Regierung in Erwägung gezogene Szenario 1, also keine Eindämmung des Virus, würde bedeuten, dass langfristig die gesundheitliche Intensivversorgung zusammenbrechen würde und bis zu einer halben Million Briten am Virus sterben würden.

Szenario 2: Es werden Maßnahmen zur Verlangsamung gesetzt, die die Ausbreitung eindämmen, aber nicht stoppen soll.

Langfristig wird so ein Großteil der Bevölkerung infiziert, das britische Gesundheitssystem würde auch so einen Verlauf nicht verkraften und schlussendlich kämen bis zu 250.000 Briten um.

Szenario 3: Es werden Maßnahmen zur Unterdrückung gesetzt.

Dies bedeutet, dass Menschen erst gar nicht infiziert werden sollen, sondern dem Virus nicht ausgesetzt werden sollten. Laut Modell würden sich ¾ der britischen Bevölkerung an die vorgegebenen Maßnahmen halten. Käme es nach 5 Monaten zur Aufhebung der simulierten Maßnahmen, würde dies erneut eine rasante Ausbreitung bedeuten, sodass man zwar bis zum dortigen Zeitpunkt keine riesigen Opferzahlen zu beklagen hätte, aber sobald die Maßnahmen aufgehoben würden, die Bekämpfung quasi wieder bei Null anfangen würde.

Szenario 4: Es werden Maßnahmen zur Unterdrückung und Verlangsamung gesetzt.

Dieses Modell setzt darauf, dass nur soviele Erkrankte zugelassen werden, wie Intensivstationenplätze vorhanden sind. Die Pandemie wäre in diesem Modell allerdings erst nach 2 Jahren in den Griff zu bekommen. Zusammengefasst sind die ersten 3 Szenarien katastrophal, da sie enorme Opferzahlen bedeuten und Szenario 4 für die Bevölkerung ein düsterer Ausblick, da die jetzigen Maßnahmen 24 Monate anhalten müssten.

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Mimikama Check:

Es sei an dieser Stelle festgehalten, dass der Bericht und die durchgeführten Test keine Fakes sind und dass Mimikama die errechneten Ergebnisse dieser Simulation für richtig und faktisch hält.

Aber:

Das durchgeführte Modell basiert auf Großbritannien. Es basiert auf 66 Millionen simulierten Individuen und legt der Bekämpfung das britische Gesundheitssystem zu Grunde.

Hier liegt das erste Problem; die Studie ist auf Deutschland und Österreich schlichtweg nicht anwendbar, da in beiden Ländern Ballungszentren, Bevölkerungsdichte und Binnenmobilität (Beweglichkeit der Bevölkerung innerhalb der Landesgrenzen) völlig verschieden zu Großbritannien sind.

Außerdem besteht gerade im Gesundheitssystem ein massiver Unterschied. Obwohl viele Stimmen an dieser Stelle widersprechen werden: Das deutsche Gesundheitssystem ist für diese Pandemie durchaus gerüstet und es wird laufend sehr viel Geld in die Hand genommen, um die Krise in den Griff zu bekommen. Das österreichische Gesundheitssystem ist in einer noch besseren Verfassung.

Gerade diese beiden Länder haben gegenüber anderen europäischen Staaten wie Spanien, Italien und Polen den Vorteil, dass der Ärzte- und Pflegekräftemangel zwar ein Problem ist, aber zu keinen apokalyptischen Zuständen führen werden, wie in den südeuropäischen Staaten, in denen Gesundheitssysteme jahrelang kaputt gespart wurden.

Das Modell lässt zudem völlig außer Acht, dass Menschen, die mit dem Coronavirus infiziert sind, von Behörden auf ihre letzten Kontakte überprüft werden und diese Menschen ebenfalls getestet und notfalls in Quarantäne geschickt werden. Dieser Faktor wurde in der Studie nicht miteinbezogen.
Ein weiterer Kritikpunkt ist das Fehlen einer gründlichen Testung der besonders stark betroffenen Gebiete. Jetzt, wo die Erstversorgung von Epizentren langsam voranschreitet, wird der nächste Schritt die Testung der Bevölkerung, vor allem in gefährdeten Gebieten, sein.

Den eigentlich wichtigsten Punkt lässt die Studie zudem völlig auch außer Acht: Impfungen.

In den USA und auch in Europa wird mit allen vorhandenen Mitteln fieberhaft nach einem Gegenmittel für den Virus gesucht. Bereits jetzt werden vielversprechende Tests an Menschen durchgeführt. Dies entspricht zwar eigentlich nicht dem üblichen Ablauf einer Entwicklung von Impfstoffen, da diese erst komplizierte Testverfahren durchlaufen müssen und ein Impfstoff unter normalen Umständen bis zu 10 Jahre für seine endgültige Entwicklung braucht. Berücksichtigt man jedoch die besonderen Umstände einer Pandemie, wird für diesen Impfstoff wohl eine derart lange Periode nicht gelten und mittels massiver finanzieller Unterstützung der Impfstoff schnellstmöglich zur Marktreife getrieben werden.

Eine weitere Möglichkeit, die der Test nicht austestet, ist die verlängerte Quarantäne für Risikogruppen. Würde man also die Quarantäne nach 5 Monaten aufheben (was ja nicht bedeutet, dass sofort jeder Bereich des täglichen Lebens von 0 auf 100 wiederhergestellt ist), so könnte eine Verlängerung der Schutzmaßnahmen für gefährdete Gruppen vorgesehen werden und somit die Intensivmedizin entlastet werden.

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Zusammengefasst ist das getestete Szenario echt und faktisch nachprüfbar.

Allerdings ist die Studie nicht unbedingt auf Mitteleuropa, im Speziellen Deutschland und Österreich, anwendbar, da sowohl Bevölkerungsverteilung, Altersgruppen und Gesundheitssysteme grundlegend anders arbeiten als in Großbritannien, dessen Bevölkerung und Gesundheitssystem dem Modell bei der Berechnung zu Grunde gelegt wurden. Fakt ist, dass reale Daten fehlen, um eine eindeutige Aussage treffen zu können, wie sich die Pandemie weiter entwickelt und welche Maßnahmen wie lange aufrechterhalten werden müssen.

Quellen und Verweise:

Autor: Alexander Herberstein
Artikelbild: Shutterstock / Von loreanto


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