Ich hatte Corona: „Ich hatte noch Zeit mich zu verabschieden bevor die Maschinen runter gefahren wurden“

Claudia Spiess, 29. November 2021
Ich hatte Corona: "Ich hatte noch Zeit mich zu verabschieden bevor die Maschinen runter gefahren wurden"
Ich hatte Corona: "Ich hatte noch Zeit mich zu verabschieden bevor die Maschinen runter gefahren wurden"

Menschen erzählen uns ihre Geschichte. Menschen senden uns ihre „My Corona-Story“ (sic!)


Mein Partner war in einer Weiterbildung, am 15.04.21 wurden die Leute eher nach Hause geschickt, da ein Corona Verdacht vorlag, ich selber bekam es nicht mit, dass er eher kam, da ich aufgrund von Nachtschicht geschlafen habe.

Am 16. war dann nix mit Weiterbildung, weil es ja nicht klar war ob oder nicht, dann am Sa. 17.04.21 erhielt er Nachmittag den Anruf, dass der Verdacht (positiv) bestätigt ist, worauf er mich natürlich weckte.

Ich selber habe mich dann mit meinem Supervisor in Verbindung gesetzt und das weitere Vorgehen geklärt, hätte ja auch so arbeiten können da ich ja kein 1 Kontakt war, wir sind dann aber zum Flughafen gefahren und haben einen Schnelltest machen lassen, beide waren am 17.04. negativ, sodass ich beruhigt arbeiten konnte.

Kreislauf, Halsschmerzen, Husten, kein Geschmack, Atem Probleme

Er selber hatte bissel Halsschmerzen und Kreislauf Probleme, was ich aber, da er eine kleine Mimose war, nicht für voll genommen habe zumal er nicht zum Arzt wollte.
Am Mo den 19 bat er mich als ich wach war abends ihn zum Notdienst zu fahren, da es ihm immer bescheidener ging, Kreislauf, Halsschmerzen, Husten, kein Geschmack, Atem Probleme und Rauchen mochte er auch nicht mehr

Beim Notdienst ist er dann rein ich hab im Auto gewartet da man nicht zu 2 rein durfte, ca. 30-40 min kam dann ein Sani zum Auto und sagte sie bringen in ins KH, er wäre positiv

Ich sagte meinen Arbeitgeber Bescheid, dass die Schicht anders besetzen müssen, weil ich ja dadurch nun Quarantäne hatte.

Die Nacht über wurde mein Partner dann noch in ein anderes KH verlegt, wegen Beatmung und Intensivstation.
Ich konnte nicht mehr mit ihm reden nur halt bei den Pflegern bzw Ärzten nachfragen, was ich tgl. machte.

Am 23. erhielt ich die Auskunft, dass ich später nochmal anrufen soll da er nochmal verlegt werden müsse, weil er an die Ecmo muss, sie klären das gerade ab, Info bekäme ich dann

Dann begann der Horror

Also rief ich da 2 Std später wieder an, dann begann der Horror, ich bekam zu hören, dass er reanimiert wurde, nach ca. 10-15 min es auch geschafft hat und per Flieger auf dem Weg ins andere KH ist.
Später rief ich da an der Zustand war naja.

Ich war tgl. im Kontakt mit dem KH es war ein absolutes auf und ab vom Zustand her.
Als ich aus der Quarantäne raus war, durfte ich ihn 2-mal wöchentlich mit Test besuchen, nach 14 Tagen haben sie die Narkose vom künstlichen Koma reduziert, er wurde aber erst nicht wirklich wacher, obwohl ich selber beim Besuch den Eindruck hatte, dass er auf meine Stimme reagiert, so Augen auf, wenn ich was sagte oder am Weinen war.

Am 21.05.21 hieß es vormittags vom Pfleger es hätte sich positiv was getan er hätte auf ihn reagiert, er hatte wohl zum Fernsehen geschaut und auf die Frage, ob er schauen möchte nach kurzer Überlegung den Kopf geschüttelt, ich hatte mich mega über diese Nachricht gefreut und gedacht juhu er ist über den Berg. Aber abends rief mich dann ein Arzt vom KH an und sagte mir, dass sich sein Zustand rapide verschlechtert hat, sie haben die Beatmung wie auch die Ecmo wieder voll ausreizen müssen und das am 22.05.2021 nochmal CTG und weiter Untersuchungen gemacht werden

Wo ich vormittags am 22 dann anrief, hieß es, er wäre noch in der Untersuchung sie rufen mich an wenn es fertig ist.
Mittags war es dann soweit, dass die zurück riefen.

Er würde es nicht lange schaffen

Es hieß, dass was passieren muss, er würde es nicht lange schaffen, ob ich herkommen möchte, worauf ich sagt natürlich komme ich, ich rief meine Schwestern an, die beide kamen und mit mir hinfahren
Eine ist dann mit mir rein ins KH und war auch bei dem Gespräch mit dem Arzt bei, wo es hieß es gäbe keine Chance mehr, die Ressourcen sind alle ausgeschöpft, festgestellt wurde bei den Untersuchungen: Blutvergiftung, multiples Organversagen und Hirnblutungen.

Er müsste zuerst an der Galle operiert werden, würde aber durch die Narkose versterben, sie würden die Maschinen runterfahren also die Beatmung auf Raumluft und die Ecmo auf normale Leistung der Lunge und des Herzens, er bekäme nichts mit da er wieder im künstlichen Koma ist.

Da ich ihn kannte (wir waren 15 Jahre zusammen, nicht verheiratet aber er hatte keine Verwandtschaft mehr, sodass ich 2 Wochen vorher nen Anruf vom Gericht hatte, was die Vormundschaft in diesem Fall angeht, ob oder nicht und ich da ich ihn kannte, ja dazu sagte) und wusste er würde so nicht leben wollen bzw vor sich hinsiechen, sagte ich sie sollen die Maschinen runterfahren, (zuvor hatte ich mit einer sehr, sehr guten Freundin telefoniert, was ich machen soll, falls es dazu kommt, sie sagte, wenn bleibst du definitiv dabei, sonst machst du dir ewig Vorwürfe ich kenne dich) auf die Frage, ob wir dabei sein wollen, sagte ich ja.

Wir sind dann rein zu ihm und hatten noch Zeit uns zu verabschieden bevor die Maschinen runter gefahren wurden.
Das war für mich das schwerste und ich hab immer noch mega zu kämpfen, weil ich manchmal zweifle, ob es richtig war.


Wenn auch du uns deine Corona-Story senden möchtest, dann kannst du diese gerne tun. Lass andere Menschen daran teilhaben. Sende uns bitte dazu eine E-Mail an [email protected] Schreibe uns auch bitte dazu, ob wir deinen Namen veröffentlichen sollen oder nicht.


Weitere Storys findet man hier vor: https://www.mimikama.at/category/mycoronastory/


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