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Corona-Schnittstelle: Still und heimlich installierte Überwachung?

Andre Wolf, 27. Mai 2020
Schnittstelle
Schnittstelle

Auf Social Media findet man derzeit verschiedene Sharepics, die auf eine vermeintlich heimlich installierte Corona-Schnittstelle hinweisen und wie man diese finden kann.

Bereits vor längerer Zeit haben Google und Apple angekündigt, eine Art Corona-Schnittstelle für Apps in ihren Betriebssystemen bereitzustellen (vergleiche). Eine solche Schnittstelle (API) ist notwendig, damit Corona-Warn-Apps auch funktionieren können.

Das ist entsprechen nun geschehend, beide US-Konzerne haben diese Schnittstellen veröffentlicht. Prompt gibt es zu dieser Schnittstelle auch entsprechend Sharepics, die von einer geheimen Überwachungsaktion berichten. Man liest:

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Jetzt wurde still und heimlich die Corona-Schnittstelle auf unseren Smartphones installieret (sic). Wer es nicht glaubt, bitteschön:
Einstellungen > Google > Benachrichtigung zu möglichem Kontakt zu COVID-19-Infizierten
Die Funktion kann nicht deaktiviert werden. Willkommen im totalen Überwachungsstaat.
Tipp: Bluetooth aus, Standort aus!

Es gibt verschiedene Ausführungen dieses Sharepics, jedoch gleichen sie sich inhaltlich und liefern zentral sowohl den Hinweis auf eine „heimliche“ Aktion, sowie die Anleitung in den Einstellungen.

Corona-Schnittstelle
Corona-Schnittstelle

Faktencheck Corona-Schnittstelle

Auf dem Sharepic befinden sich mehrere Punkte, die es zu betrachten gilt. Beginnen wir mit der Anleitung: Ja, mithilfe der Anleitung für die Einstellungen kann man schauen, ob die Schnittstelle auf dem Smartphone aktiviert wurde.

Es handelt sich hierbei um eine gemeinsame nutzbare Schnittstelle der beiden Konzerne, auf die Corona-Warn-Apps zugreifen dürfen sollen. Die Schnittstelle also an sich analysiert keine Daten, sondern bildet lediglich für eine (freiwillig) installierte App einen Zugang. Die Schnittstelle sei im Übrigen so ausgerichtet, dass nur autorisierte Organisationen des öffentlichen Gesundheitswesens die Daten auslesen könnten.

Die Angabe über „still und heimlich“ ist nur zum Teil korrekt. Die Schnittstelle wurde keineswegs heimlich entwickelt, es gab genügend Ankündigungen und Medienberichte dazu, nicht nur bei uns, sogar Google und Apple haben Informationen dazu veröffentlicht (hier und hier).

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Kritisieren könnte man dazu lediglich, dass man auf dem Smartphone selbst nicht auf die neue Schnittstelle deutlich hingewiesen wurde und man auch nicht die Möglichkeit hatte, die Einrichtung der Schnittstelle abzulehnen. Sie war schlichtweg auf einmal da.

Totale Überwachung?

Die Frage ist, ob diese Schnittstelle nun den totalen Überwachungsstaat bedeutet. Zunächst ist es „nur“ eine Schnittstelle. Ohne eine entsprechend installierte App, die darüber auf die Hardware zugreift, passiert nichts weiter.

Wenn man nun jedoch so eine App installiert hat, würde diese ständig anonym irgendwelches „Kauderwelsch“ an andere Handys in der Nähe verschicken. Diese Art von „Pings“ würden die anderen Smartphones jedoch nur erkennen können, wenn sie selbst eine entsprechende App installiert hätten.

Mit diesen Kauderwelsch artigen Pingsignalen kann grundsätzlich zunächst niemand etwas anfangen, weil weder Personen- noch Geräteinformationen mit gesendet werden. Die werden einfach nur im Handy selbst gespeichert. Und nun kommt der Punkt, wie die Apps letztendlich funktionieren sollen:

Sollte jemand in seiner App freiwillig(!) angeben, dass er infiziert sei, dann werden die anonymen Textschnipsel von seinem Handy hochgeladen (zb. an das lokale Krankenhaus oder Gesundheitsamt) und entsprechend markiert. Andere Handys können sich mit dieser Datenbank verbinden (nochmals: Nur sofern die App auch installiert ist!) und schauen, ob sie in der letzten Zeit einen Ping in Form des Text-Kauderwelschs empfangen haben. Sollte das der Fall sein, bekommt man einen Hinweis darauf, dass man sich testen lassen kann, sofern man möchte, da man im Buetoothradius einer infizierten Person war.

Genau für diesen Zugriff auf Bluetooth und Standortdaten wurde die Schnittstelle entwickelt. Wer nun mein, sowohl Standort als auch Bluetooth deswegen dauerhaft deaktivieren zu müssen, braucht sich lediglich keine Corona-Warn-App (sobald verfügbar) auf dem Gerät zu installieren. Die Schnittstelle an sich, sofern von keiner App genutzt, spielt keine Rolle.

Offen bleibt natürlich, was die Apps am Ende mit den gewonnenen Daten machen und wie diese verwendet werden, das kann man erst dann beurteilen, wenn diese Apps überhaupt ausgerollt und genutzt werden.

Anmerkung

Spannenderweise werden Sharepics wie dieses mit der Warnung auf Facebook oder WhatsApp verteilt. Wer das macht, sollte sich mal anschauen, was diese Apps auswerten und welche Daten die Apps sammeln.

An dieser Stelle noch ein unaufgeregtes Video bezüglich der Corona-Warn-App und der Schnittstelle:


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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