Computerschrott: Bitte nicht einfach in die Tonne!

Ralf Nowotny, 7. Juli 2021
Computerschrott: Bitte nicht einfach in die Tonne!
Artikelbild: Von Africa Studio / Shutterstock.com

„Pah, so oft schmeißt man einen Computer doch nicht weg, so viel Computerschrott kann es gar nicht geben“ – Doch, leider schon.

Ungefähr 22 Kilogramm alter Elektrogeräte wie defekte Computer, Uhren, Handys etc. fallen bei jedem von uns pro Jahr als Abfall an. Gesammelt und recycelt wird davon nur knapp die Hälfte. 9,3 Kilogramm meldet das Umweltbundesamt für 2018. Die anderen Geräte werden oft falsch in der Hausmülltonne, auf Parkplätzen oder im Sondermüll entsorgt. Dann werden sie nicht recycelt und die wertvollen Metalle darin gehen verloren. Außerdem wird die Umwelt unnötig belastet.

Altgeräte im Handel loswerden

Dabei ist es ganz einfach, die Geräte loszuwerden. Man kann nämlich in fast allen großen Elektrofachgeschäften seine alten Geräte abgeben – einfach mal nachfragen! Kleine Geräte bis 25 cm Kantenlänge kann man jederzeit abgeben; größere Geräte nur bei Kauf eines neuen Geräts. Das gilt auch für den Online-Handel: Schaut mal auf den Internet-Seiten der Händler nach. Die meisten bieten einen Rücksendeservice an. Kleinere Geräte, auch mehrere, kann man jederzeit kostenfrei zum Recycling schicken. Dafür kann man sich einen Paketaufkleber ausdrucken. Bestellt ihr euch ein großes Gerät wie z.B. einen Kühlschrank, könnt ihr bei der Bestellung angeben, ob das alte Gerät mit abgeholt werden soll. Außerdem könnt ihr natürlich immer Elektrogeräte kostenfrei an den Recyclinghöfen eures städtischen Entsorgers abgeben. Wer Glück hat, wohnt in einer Stadt, in der es neben dem Recyclinghof noch zusätzliche Sammelcontainer für Elektroschrott gibt. Die Homepage des örtlichen Entsorgungsunternehmens sollte darüber Auskunft geben.

Recycling lohnt sich

Moderne Recyclingverfahren schaffen, dass über 90 Prozent des Elektroschrotts verwertet werden, entweder als Ersatzteile oder als recycelte Rohstoffe (u.a. Gold, Aluminium, Kupfer …). Recycling lohnt sich doppelt für die Umwelt und für uns: Einmal brauchen die wiedergewonnenen Metalle nicht mehr aus der Erde geholt zu werden. Man spart sich dadurch Umweltverschmutzung durch Bergbau. In den Ländern, in denen die Metalle abgebaut werden, vergiften Bergwerke oft Flüsse und die Umgebung der Minen, wo die Bergarbeiter auch wohnen. Und außerdem sind in den Elektronikbauteilen Giftstoffe, die nichts auf normalen Müllhalden oder in Verbrennungsanlagen zu suchen haben. Sie werden nach der Rückgabe an den Recyclinghöfen so entsorgt, dass sich Mensch und Umwelt nicht daran vergiften können.

Mit dem Müll ist es wie mit den Wahlen: Die einzelne Stimme zählt nicht so viel, aber viele letztlich eben doch. Je mehr Leute mitmachen, desto größer also der Effekt.

Bei Druckern gibt es die nette und eher seltene Kombination, dass man Geld sparen und die Umwelt schonen kann, und zwar durch die Benutzung von „Refill“-Patronen: Zuerst nachfüllbare Patronen kaufen und hinterher die entsprechenden Nachfüllpackungen, die halt billiger sind als jedes Mal eine komplett neue. Alternativ gibt es auch Systeme, bei denen man nicht nachfüllt, sondern statt der ganzen Patrone nur den Tintentank auswechseln kann.

Übrigens sind die Wertstoffe in alten Handys so wertvoll, dass ihr damit noch Gutes tun könnt. Hättet ihr gedacht, dass in Deutschland etwa 200 Millionen Handys und Smartphones ungenutzt in Schubladen liegen? Bei circa 25 mg Gold, die in einem Handy verbaut sind, macht das eine Menge von fast 6 Tonnen oder mehr als 245 Millionen Euro. Es wäre doch schade, wenn das viele Geld in der Mülltonne landet und auch noch die Umwelt dadurch geschädigt wird. Es ist also besser Gold aus alten Handys „zu graben“ als aus der Erde! In einer Tonne Handys stecken etwa 250 Gramm Gold – zum Vergleich: Eine Tonne Golderz enthält etwa fünf Gramm Gold. Einige Organisationen wie der NABU oder der BUND nehmen alte Handys an und verkaufen sie an Recyclingunternehmen. Das Geld, das sie dafür bekommen, verwenden sie für einen guten Zweck.

Noch besser als den Müll zu recyceln ist es, ihn gar nicht erst entstehen zu lassen. Wusstet ihr das ein Computer durchschnittlich schon nach 3 Jahren auf dem Müll landet? Handys ergeht es selten besser. Kein Wunder, dass so viel Elektroschott anfällt. Dabei sind fast alle aussortierten Geräte noch funktionsfähig.

Was Du selber tun kannst:

  • Geräte länger nutzen: Noch besser als Recycling ist die längere Nutzung, auch wenn die Geräte dann nicht mehr auf dem neuesten Stand sind. Wer z. B. kein topaktuelles Smartphone braucht, kann damit immer noch bequem im Internet surfen.
  • Nachrüsten: Alte Computer kann man ohne viel Mühe so nachrüsten. Das ist oftmals auch billiger als der Kauf eines neuen Geräts. Wenn du es nicht selber kannst, kennst du bestimmt jemanden, der dir hilft. Bei Handys kann ein Softwareupdate und der Austausch des Akkus für Besserung sorgen.
  • Verkaufen und Second Hand: Soll das gute Stück doch dein Zimmer verlassen, verdienst du viel mehr daran, es im Internet zu verkaufen als es weg zu werfen. Kostensparend ist es auch, selber gebrauchte Geräte zu kaufen. Ein Computer oder Tablet vom letzten Jahr ist immer noch relativ aktuell, aber deutlich günstiger als ein neues Gerät.
Artikelbild: Von Africa Studio / Shutterstock.com
Quelle: Checked4You
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