Co-Pilot der Germanwings tot in Barcelona aufgefunden? – Wie man schlechte Fakes produziert (LiveLeak.com)

Ralf Nowotny, 31. März 2015

Dieser Tage kann man sich vieler Klicks sicher sein, wenn man nur eine Info über den Germanwings-Absturz verbreitet, die ansonsten nirgendwo erscheint.

Eine beliebte Plattform für sogenannte „Leaks“, Nachrichten, die ungewollt an die Öffentlichkeit kommen, ist die Seite „Liveleak“, die hier erstaunlicherweise sogar eine öffentliche Quelle angibt, nämlich CBS.

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In dem Video auf LiveLeak sieht man den Ausschnitt einer Nachrichtensendung auf CBS2.

In Englisch kommentiert eine Frau zu den Bildern, dass der echte Co-Pilot tot in einem Auto am Flughafen in Barcelona gefunden wurde (zu sehen ist auch das Bild eines Flughafens mit Polizei vor Ort), also wohl ein Attentäter sich als Co-Pilot ausgab.

Update 01.04.2015

Meldungen von Liveleak können nun Anlass für andere Seiten sein, um spekulativ zu berichten. Trotz des Hinweises auf den Vorbehalt, wird der Inhalt in an eine breite Leserschaft weitergegeben.

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(Screenshot: Internetz-Zeitung)

Klingt natürlich alles sehr nach Krimi und macht sich augenscheinlich als spekulatives Thema sehr gut. [/Update]

Wir zweifen und zeigen euch jetzt, wie man so einen Fake bastelt

1. Man nehme erst einmal Bildmaterial von CBS, die über den Absturz berichten

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2. Man schneide sämtliche Aufnahmen raus, die die echte Reporterin zeigen

3. Man nehme ein mittelgutes Mikrofon und vertont das Video neu… wird schon keiner merken, dass dies nicht die echte Stimme der Reporterin Tina Kraus ist. Auch der leichte Hall wird niemandem auffallen.

4. Man schneide Szenen rein, die die Aussage unterstreichen sollen, so z.B. hier das Polizeiaufgebot an einem Flughafen, an dem der tote Co-Pilot angeblich gefunden wurde

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5. Immer der Leichtgläubigkeit der Zuschauer vertrauen: Es wird niemandem auffallen, dass unüblicher Weise während des gesamten Berichtes der Name der Reporterin eingeblendet ist. Auch dass es sich nicht um spanische Polizeiwagen in den Bildern handelt, entgeht sicher jedem.

6. Man lade es hoch, lehne sich zurück und erfreue sich an den Klickzahlen

Fazit:

Videos schneiden und nachvertonen ist mittlerweile ein Kinderspiel geworden.

Leider nutzen es so manche nicht etwa für kurzweilige Urlaubsvideos, sondern um solche Fakes zu provozieren, die nur noch mehr Unsicherheit streuen und für die Verteidiger von Verschwörungstheorien natürlich gefundenes Fressen sind.

Nicht jeder Fake ist so eindeutig zu entlarven. Hinterfragen lohnt sich immer, und in diesem Fall ist der Fake nicht nur eindeutig, sondern auch geschmacklos.

Autor: Ralf, mimikama.at


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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