Kein Schwein gehabt – Wie die Schweinepest den Fleischmarkt in China weiterhin fest im Griff hat

Mimikama, 7. Januar 2020
Artikelbild Schweine von Dirk Ott / Shutterstock.com
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Am 25. Januar feiert China, anders als der europäische Kalender es vorsieht, Neujahr. Begleitet werden die Festlichkeiten von zahlreichen Traditionen, rauschenden Feiern und kulinarischen Höhepunkten. Dabei sind vor allem Gerichte aus Schweinefleisch unverzichtbar.

Schweine & China. Die seit Monaten anhaltende Schweinepest bedroht die Feierlichkeiten. Jetzt hat das Land erneut hunderte Tonnen gefrorenes Schweinefleisch aus staatlichen Vorräten auf den Markt geschwemmt, um die immense Nachfrage zu befriedigen.

Bei der für den Menschen ungefährlichen Schweinepest handelt es sich um für Schweine hochansteckende Viruserkrankung, bei welchem die Tiere durch hohes Fieber sterben. Wenn von der Schweinepest gesprochen wird, so handelt es sich genau genommen um die Afrikanische Schweinepest aus der Virusfamilie der Asfarviridae. Die Krankheit kommt in Afrika, Asien aber auch in Europa vor. Bemerkenswert ist der Virus vor allem in seiner Hartnäckigkeit, auch wenn das infizierte Fleisch eingefroren oder gekocht wird, überlebt der Virus.

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In Europa gelangte die Krankheit zu unrühmlichen Bekanntheit, da sie diplomatische Spannungen zwischen Dänemark und Deutschland hervorrief, als erstere verkündeten, einen Wildschweinzaun an der Grenze zu Deutschland errichten zu wollen, um infizierte Wildschweine an einem Übertritt von Deutschland nach Dänemark zu hindern.

Es sei auch an dieser Stelle festgehalten, dass die europäischen Standards für Fleisch und Schweinehaltung trotz heftiger zeitweiser Kritik derart hoch ist, dass die Schweinepest, ähnlich BSE in Europa nie zu einer derartigen Bedrohung heranwachsen konnte, wie zurzeit in China.

Bereits in unserem Artikel vom 13.11.2019 „Preise für Kälber sehr niedrig!“ haben wir darauf hingewiesen, dass China hierbei ein wichtiger Spieler ist und der chinesische Markt kurzfristig sehr viel Schweinefleisch benötigt.

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Im Land des Lächelns wurde die Problematik anfangs auch durch staatliche Medien heruntergespielt, allerdings verursachte die anhaltende Nachfrage nach Schweinefleisch grobe Beschaffungsproblematik und eine Preisexplosion.
Verschärfend ist die Tatsache, dass China der größte Produzent und Konsument von Schweinefleisch der Welt ist. Pro Kopf verspeist ein Einwohner Chinas pro Jahr umgerechnet 30 Kilo.

Zwischenzeitlich ist der Preis um bis zu 40% gestiegen und fast 40% des Tierbestandes notgeschlachtet worden.

Aus umwelttechnischer Sicht ist die Krise der Schweinepest jedoch eine Chance. Selbst die Regierung in China hat zwischenzeitlich eingestanden, dass die Problematik der Schweinepest nicht länger zu leugnen ist und ruft Konzerne und Bauern zu Alternativprodukten auf.

Neben der langfristigen Notwendigkeit – ein Ende der Schweinepestepidemie ist nicht absehbar – eine Alternative zum geliebten Schweinefleisch zu finden, steht auch die Frage im Raum, ob eine allgemeine Reduzierung des Fleischkonsums nicht helfen könnte, die Seuche schneller einzudämmen.

Fleisch hat in China den Status einer Selbstverständlichkeit, und die enorme Nachfrage hat die unter teilweise fragwürdigen Bedingungen geführte Schweinefleischproduktion völlig unkontrolliert wachsen lassen.

Zwar werden in China bereits seit den 1970ern Schweinefleischvorräte eingefroren, und es ist unbekannt, welche Mengen sich noch in den staatlichen Reserven befinden, dennoch reagiert die Führung China zunehmend nervös auf die Thematik.

Zusammengefasst wird gerade im chinesischen Neujahr deutlich, welches Ausmaß die Schweinegrippe zwischenzeitlich angenommen hat und dass selbst ein Global Big Player wie China die Krise dauerhaft nicht in den Griff zu bekommen scheint. Auf der anderen Seite erkennt auch der chinesische Markt langsam die Notwendigkeit, für Alternativprodukte zu sorgen, und es wird spannend zu beobachten sein, welche Innovationen das Reich der Mitte hinsichtlich Fleischersatz hervorbringen wird. Denn gerade in Krisenzeiten beweist die chinesische Industrie, dass sie mit unglaublicher Geschwindigkeit und Präzision technologische Lösungen präsentieren kann, um den riesigen Markt von Konsumenten zu versorgen.

Quellen:

Autor: Alexander Herberstein; Artikelbild Schweine von Dirk Ott / Shutterstock.com


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