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Faktencheck: „CDC-Dokument zeigt mehr Corona Infektionen bei Maskenträgern!“

Ralf Nowotny, 19. Oktober 2020
Faktencheck: "CDC-Dokument zeigt mehr Corona Infektionen bei Maskenträgern!"
Faktencheck: "CDC-Dokument zeigt mehr Corona Infektionen bei Maskenträgern!"

Eine CDC-Studie beweist angeblich, dass Träger von Schutzmasken häufiger infiziert sind. Jedoch sollte man auch das gesamte Papier betrachten.

Mit Fakten ist das so ’ne Sache. Es ist schön, wenn man sich informiert, doch sollte man sich nicht nur den Teil der Fakten herauspicken, der die eigene Meinung stützt, und den Rest übersehen. So verhält es sich auch mit einem Dokument des CDC, welches angeblich beweist, das Träger von Schutzmasken häufiger mit Corona infiziert sind.

Behauptungen über das CDC-Papier
Behauptungen über das CDC-Papier

Im Folgenden werfen wir einen Blick in das Dokument und zeigen auf, dass es nicht genügt, nur einen Teil der Tabelle als Argument zu verwenden.

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Das CDC-Dokument

Dieses findet sich hier. Wie man bereits oberhalb der Überschrift liest, handelt es sich nicht um eine Studie, sondern um den wöchentlichen Morbidität- und Mortalitätreport.

Als Argument wird eine Tabelle auf Seite 4 genommen, welche mehrere Werte auflistet:

Die Tabelle des CDC
Die Tabelle des CDC

Markiert sind in der Tabelle der Abschnitt über Erwachsene, welche 14 Tage vor einer Infektion immer eine Gesichtsbedeckung oder einen MNS trugen. 70,6% der Infizierten trugen demnach immer eine Schutzmaßnahme vor Mund und Nase.

Was die Tabelle zeigt

Dabei handelt es sich nicht um eine direkte Studie, sondern um eine Umfrage.
Diese ist unterteilt in Case-patients (auf Corona positiv geteste Personen) und um Control participants (auf Corona negativ getestete Personen).

Worum es in der Tabelle geht

Gerne unbeachtet bleibt das Wort „continued“ im obigen Screenshot, denn die Tabelle hat ihren Anfang auf der vorherigen Seite, auf der noch mehr Werte stehen, nämlich beispielsweise wieviele der Personen und der Testgruppe einkaufen, im Büro, im Fitness-Studio, in einer Bar oder einer Kirche waren, also wieviele Personen viele Kontakte hatten.

Auch diese Zahlen sind zu beachten, und zwar von beiden Gruppen: Nicht nur die Gruppe der Corona-Positiven, sondern auch die der Corona-Negativen!

Was man aus der Tabelle schließen kann

Wie oben bereits betont: Man muss die gesamte Tabelle und den gesamten Bericht betrachten, nicht nur den kleinen Teil, der scheinbar die eigene Meinung stützt!

Aus den Ergebnissen jener Umfrage kann man schließen, dass der enge Kontakt mit jemandem, der positiv auf das Coronavirus getestet wurde, und der Besuch von Orten mit Ess- und Trinkangeboten vor Ort, wie z.B. Bars und Restaurants, zu positiven COVID-19 Tests führt. Das ist soweit nichts Neues.

Deutlicher wird aber in dem Bericht die Korrelation von Restaurant-Besuchen und einem positiven Corona-Test. Beim Essen und Trinken kann nun mal schlecht ein MNS getragen werden, die Infektionsrate ist dort höher als zuerst vermutet.

Auch zeigt die Tabelle, dass mehr Menschen, die negativ auf Corona getestet wurden, eine Schutzmaske trugen, als Menschen, die positiv getestet wurden.

Dabei ist auf die Zahl in der rechten Spalte (die Kontrollgruppe) zu achten: 70,6% der Corona-Positiven trugen immer eine Maske, 74,2% der Corona-Negativen trugen ebenfalls immer eine Maske.

Das Problem mit Umfragen

An dieser Stelle auch nochmal betont: Es handelt sich nicht um eine Studie des CDC, sondern um eine Umfrage.

Der Virologe Ben Neuman von der Texas A&M University-Texarkana bewertete die Tabelle und merkt dazu an, dass es immer schwierig ist, wissenschaftliche Schlüsse aus Befragungen zu ziehen.

Der unberechenbare Faktor bei Umfragen ist nämlich der Mensch selbst:
Bestimmte Dinge sind Menschen zu peinlich oder zu heikel oder zu politisch, um sie ehrlich in einem Fragebogen zu beantworten.

Beispielsweise wird ein positiv-getester „Masken-Verweigerer“ eher dazu tendieren, zu behaupten, er habe immer einen MNS getragen. In einer Gruppe tragen sie oftmals stolz keine Schutzmaske, doch einzeln, in einer Befragung, ohne zu wissen, ob die angegeben Antworten Folgen haben, wird eher dazu tendiert, falsche Angaben zu machen.

Als Studie ist also eine solche Umfrage keineswegs zu betrachten, auch weil die Anzahl der Teilnehmer mit 314 nur sehr niedrig ist, die Antworten auch subjektiv „verwässert“ sein können.

Es gibt aber auch Studien!

Wer also wirklich wissenschaftlich argumentieren möchte, sollte sich nicht an einer Umfrage im Wochenbericht des CDC klammern, denn Studien über die Nützlichkeit des MNS gibt es mittlerweile!

So zeigt eine im Juni veröffentlichte Studie über Trends bei Infektionen in Wuhan, China, Italien und New York City, dass ein MNS „das wirksamste Mittel zur Verhinderung einer interhumanen Übertragung“ ist.

Beispielsweise wurde durch eine Maskenpflicht die Anzahl der Infektionen in Italien om 6. April bis 9. Mai um über 75.000 und in New York City vom 17. April bis 9. Mai um über 66.000 reduziert.

Eine weitere Studie untersuchte 172 kleinere Studien mit insgesamt 25.697 Patienten mit COVID-19, SARS oder MERS aus 16 Ländern und sechs Kontinenten. Das Ergebnis zeigte, dass Schutzmasken „mit einem viel geringeren Infektionsrisiko assoziiert sind“.

Eine dritte Studie untersuchte die Fälle in 15 US-Bundesstaaten und stellte fest, dass dass die täglichen Infektionsraten nach der Einführung einer Maskenpflicht deutlich zurückgingen. In sechs der 15 Staaten, die keine Maskenpflicht hatten, nahm die Anzahl der Infektionen jedoch stetig zu.

Schätzungsweise führte die Einführung der Maskenpflicht am 18. Mai in den jeweilgen Bundesstaaten dazu, dass insgesamt 252.000 Infektionen verhindert wurden, was zu dem damaligen Zeitpunkt etwa 17% der Infektionen entsprach.

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Fazit

Es ist lobenswert, wenn diverse Kreise auch mal Blicke in seriöse Quellen werfen.
Dann sollte man diese aber auch im Ganzen lesen und sich nicht nur einen Teil herauspicken, der scheinbar die eigene Meinung stützt.

Aussagekräftige Studien zum Nutzen von Schutzmasken gibt es zur Genüge – und die besagen eindeutig, dass Schutzmasken eine Verbreitung von Corona zwar nicht absolut sicher, aber zu einem guten Teil verhindern kann.

Artikelbild: Shutterstock / Von Halfpoint
Weitere Quellen: PolitiFact, dpa

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