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Faktencheck: Flugzeug-Sitzposition soll Passagiere schnell töten

Kathrin Helmreich, 23. Oktober 2018
Flugzeug-Sitzposition soll Passagiere schnell töten
Flugzeug-Sitzposition soll Passagiere schnell töten

Führt die Brace Position wirklich dazu, dass man sich das Genick schneller brechen soll?

Zu dieser Behauptung erhielten wir Anfragen, da sie in Form eines Statusbeitrages auf Facebook geteilt wird:

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Screenshot by mimikama.at
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ATTENTION PLANE TRAVELERS! Very disturbing information has come to my attention from an ex flight attendant!!! Below is word for word what the flight attendant told me!

„We are trained to tell people to put their heads down while holding their neck during a crash. During an insurance settlement hearing my supervisor admitted to me off record the horrible and sinister truth about why we are taught this procedure! PLACING HEAD DOWN AND HANDS OVER HEAD WILL FORCE THEIR HEADS INTO THE BACK OF THE SEAT IN FRONT…BREAKING THE PASSENGERS NECKS KILLING THEM INSTANTLY! This way the insurance pay outs will not be as high due to those paralyzed or permanently injured and the airline can pay out a fast lump sum death settlement.“

You heard it correctly!! The airline would rather you DIE during a crash then live to tell the story and collect $$$ forever!! HOW SAD IS IT WHEN PROFITS ARE MORE IMPORTANT THEN SAVING LIVES!!!?? The correct way to avoid death during a crash is brace yourself sitting strait upward! I had to share this because it may just save your life or someone you love!
Posted by Scott L. Biddle

ACHTUNG FLUGREISENDE! Ich habe sehr beunruhigende Informationen von einer ehemaligen Flugbegleiterin erhalten. Unten ist Wort für Wort, was die Flugbegleiterin mir gesagt hat!

„Wir sind darauf trainiert, den Menschen zu sagen, dass sie ihren Kopf nach unten legen sollen, während sie bei einem Unfall ihren Hals halten. Während einer Anhörung meines Vorgesetzten während einer Versicherungsvereinbarung gab er zu, dass er mir die schreckliche und finstere Wahrheit darüber, warum uns dieses Verfahren beigebracht wird, nicht mitgeteilt hat! DAS PLATZIEREN DES KOPFES NACH UNTEN UND DIE HÄNDE ÜBER DEN KOPF ZWINGEN IHRE KÖPFE IN DIE RÜCKSEITE DES VORDEREN SITZES…. DAS BRECHEN DER PASSAGIERHÄLSE, DIE SIE SOFORT TÖTEN! Auf diese Weise werden die Versicherungsauszahlungen aufgrund von gelähmten oder dauerhaft verletzten Personen nicht so hoch sein und die Fluggesellschaft kann eine schnelle Todesfallpauschale auszahlen.“

Du hast es richtig gehört. Die Fluggesellschaft möchte, dass Sie bei einem Unfall sterben, dann live die Geschichte erzählen und für immer $$$$ sammeln. WIE TRAURIG IST ES, WENN GEWINNE WICHTIGER SIND ALS LEBEN ZU RETTEN. Der richtige Weg, um den Tod bei einem Unfall zu vermeiden, ist, sich im Sitzen nach oben zu stützen! Ich musste das teilen, weil es vielleicht dein Leben rettet oder jemanden, den du liebst!
Veröffentlicht von Scott L. Biddle
[*Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator]

Der Faktencheck

Haben Fluggesellschaften wirklich ein Interesse daran, mit den Passagieren im Zweifelsfall kurzen Prozess zu machen?

Ein Beispiel:

Eine Flugkatastrophe im Jahre 1989 (auch Kegworth Crash genannt) zeigt andere Entwicklungen.

Von den 118 Passagieren an Bord wurden 39 bei dem Absturz direkt getötet und acht starben später an ihren Verletzungen, insgesamt 47 Menschen starben. Alle acht Besatzungsmitglieder überlebten den Unfall. Von den 79 Überlebenden erlitten 74 schwere und fünf leichte Verletzungen.

Verbesserte Flugsicherheit

Der offizielle Bericht über die Katastrophe enthielt 31 Sicherheitsempfehlungen.

Die Auswertung der erlittenen Verletzungen führte zu einer erheblichen Verbesserung der Flugsicherheit und der Notfallanweisungen für die Passagiere. Diese wurden aus einem von der CAA finanzierten Forschungsprogramm abgeleitet, das von Teams der University of Nottingham und Hawtal Whiting Structures (einem Ingenieurbüro) durchgeführt wurde. Die Studie zwischen medizinischem Personal und Ingenieuren, verwendete analytische „Insassen-Kinematik“-Techniken, um die Wirksamkeit der Brace Position zu beurteilen. Im Oktober 1993 wurde eine neue Mitteilung an die Betreiber über die Änderung der Brace Position herausgegeben.

Experten beschäftigen sich damit

Die Erforschung dieses Unfalls führte am 21. November 2016 zur Gründung des International Board for Research into Aircraft Crash Events (IBRACE). IBRACE ist eine gemeinsame Zusammenarbeit von Experten auf diesem Gebiet mit dem Ziel, einen international vereinbarten, evidenzbasierten Satz von Impact-Verankerungspositionen für Passagiere und (eventuell) Kabinenpersonal in einer Vielzahl von Sitzkonfigurationen zu entwickeln. Diese werden der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) über ihre Cabin Safety Group (ICSG) vorgelegt.

Die Brace-Position in Aktion

Johannes von Kesselstatt berichtete 2008 gegenüber DasErste, dass er bei einer Bruchlandung am 14. September 1993 kurz nach dem Aufsetzen in Warschau ebenfalls die Brace Position eingenommen hatte:

Bei dieser Turbulenten Landung setzte das Flugzeug zu spät auf. Anschließend versagten dann noch die Bremsen. Der Airbus kracht gegen einen Erdwall am Ende der Piste und fängt Feuer. Im Cockpit stirbt einer der Piloten. In der Kabine kann nur noch ein Passagier nicht mehr aus dem brennenden Flugzeug flüchten und stirbt an einer Rauchvergiftung.

Johannes von Kesselstatt wurde kaum verletzt. Bei der Landung war er richtig angeschnallt und hat sich intuitiv richtig verhalte: „Ich habe eine Bewegung gemacht, die, ich würde mal sagen so war, und hab die Beine so angezogen, auf jeden Fall habe ich die Wirbelsäule so gedehnt und habe so ein Päckchen gemacht.“

„Brace-Position“

Beim Aufprall ist Johannes von Kesselstatt schon fast in der so genannten „Brace – Position“. So bezeichnen Unfallforscher das Anlehnen am Vordersitz. Dadurch wird der Körper vom Sitz gebremst. Bei einer geraden Sitzhaltung, würde der Oberkörper nach vorne fallen und auf dem Vordersitz regelrecht aufschlagen. Tödliche Halswirbelverletzungen sind die Folge eines solchen Aufschlages.

Noch mehr Forschung …

2012 dann ließen Forscher ein Flugzeug in der Sonora-Wüste (Nordmexiko) kontrolliert abstürzen – im Flugzeug waren drei Dummies positioniert.

Forscher interessierte vor allem Sicherheitsfragen.

  • Welche Passagiere schaffen es, welche nicht?
  • Auf welchen Sitzen sind die Chancen am grössten?
  • Welche Position sollte ein Passagier einnehmen, um die Kräfte des Aufpralls auf seinen Körper optimal zu absorbieren?

Die Dummies waren mit Hightech ausgerüstet und jeder in eine andere Position gebracht:

… Sensoren in Kopf, Nacken, Brust, Wirbelsäule, Becken und Beinen massen, welche Kräfte mit welchen Konsequenzen auf den Körper einwirkten.

Der Dummy in der Brace-Position brach sich das Bein, was ihn an einem schnellen Verlassen der Kabine gehindert hätte – bei Feuer und Rauch fatal. Dafür blieben im Unterschied zum aufrecht sitzenden Dummy Kopf und Wirbelsäule intakt. Ein weiteres Argument für die Brace-Position: Besserer Schutz vor umherfliegenden Trümmerteilen.

Auch die Kollegen von Snopes erhielten bereits vor Jahren Anfragen zu dieser Behauptung. Auch hier soll sich die australische Civil Aviation Safety Authority (CASA) für die Brace Position ausgesprochen haben:

Over 70% of airline accidents are survivable. 71% of people who die in survivable crashes, do so after the aircraft comes to a complete stop. In many cases its because they are unprepared for the crash.

Mehr als 70% der Flugunfälle können überlebt werden. 71% der Menschen, die bei überlebensfähigen Unfällen sterben, tun dies, nachdem das Flugzeug zum Stillstand gekommen ist. In vielen Fällen liegt es daran, dass sie nicht auf den Crash vorbereitet sind.
[*Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator]

Snopes merkt hierbei noch ein Ärzteblatt zum Kegworth Crash an:

Of the initial 87 survivors of the East Midlands Boeing 737/400 aircraft, 77 sustained head and facial trauma during the crash, 45 of whom were rendered unconscious. There were 21 who received injuries to the back of their head, including 5 of the 6 severely head-injured adults. Those passengers who adopted the fully flexed “brace” position for crash-landing achieved significant protection against head injury, concussion, and injuries from behind irrespective of local aircraft structural damage.

Von den anfänglich 87 Überlebenden der East Midlands Boeing 737/400 Flugzeuge erlitten 77 während des Absturzes Kopf- und Gesichtsverletzungen, von denen 45 bewusstlos wurden. Es gab 21, die Verletzungen am Hinterkopf erlitten, darunter 5 der 6 schwer kopfgeschädigten Erwachsenen. Die Passagiere, die die voll gebeugte „Brace“-Position für die Bruchlandung einnahmen, erreichten einen signifikanten Schutz vor Kopfverletzungen, Erschütterungen und Verletzungen von hinten, unabhängig von lokalen Flugzeugstrukturschäden.
[*Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator]

Ergebnis:

Das Urteil von Forschern lautet, dass die „Brace Position die Chancen, einen Flugzeugabsturz unverletzt zu überleben, maximiert„.

Diese Position wird laut Martin Sperber wie folgt richtig eingenommen:

„Zunächst mal gehört dazu, dass ich mich richtig auf dem Flugsitz hinsetze, das Becken möglichst weit nach hinten schiebe, den Beckengurt übers Becken lege, schließe und anziehe. Möglichst straff anziehen, dass der Beckengurt möglichst eng über meinem Becken sitzt und nicht im Weichteilebereich. Dann müsste ich meine Füße relativ weit nach vorne bringen, so weit es geht, mit dem Kopf möglichst weit nach vorne, bis ich Berührung mit der Rückenlehne habe mit der Stirn und meine Hände rechst und links neben dem Kopf ablege.“

Natürlich ist die Brace Position kein Überlebensgarant im Falle eines Absturzes, jedoch hilft sie dabei, den Körper zu stabilisieren, sodass dieser weniger unkontrolliert „um sich schlägt“.

Dass die Fluggesellschaften im Sinn haben, die Passiere durch diese Position „schneller töten“ zu können, um spätere Auszahlungen zu minieren, kann nicht bestätigt werden. Zudem entwickelte sich die verbesserte Brace Position nach einem katastrophalen Flugzeugabsturzes in Kegworth, bei dem 47 Menschen starben und 79 Passagiere zum Großteil schwer verletzt wurden.


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