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Bots und Russen-Trolle schüren Impfskepsis

Kathrin Helmreich, 27. August 2018
Bots und Russen-Trolle schüren Impfskepsis
Bots und Russen-Trolle schüren Impfskepsis

Twitter-Panikmache um Immunisierungen verteilt auch virtuelle Viren

Wenn es auf Twitter so scheint, dass über die Wirkung und Sinnhaftigkeit von Impfungen viel diskutiert wird, liegt das vor allem an Bots und russischen Trollen. Das hat eine Studie unter Leitung der George Washington University (GW) ergeben. Die Taktiken ähneln demnach jenen aus dem US-Präsidentenwahlkampf 2016. Wer den Links vorgeblicher Impfgegner folgt, sollte wenigstens virtuell gut geschützt sein – denn auf so mancher Zielseite fängt man sich sonst Computerviren ein.

Aufgebauschte Diskussion

„Die große Mehrheit der Amerikaner denkt, dass Impfungen sicher und wirksam sind. Doch ein Blick auf Twitter vermittelt den Eindruck, dass es viele Diskussionen gibt“,

sagt David Broniatowski, Professor am Fachbereich Wirtschaftsingenieurwesen und Systemtechnik der GW. Doch bei einer Analyse von Tweets zum Thema Impfungen aus der Zeit Juli 2014 bis September 2017 hat sich gezeigt, dass viele davon dubiosen Ursprungs sind. Ein Teil der Absender-Accounts gehört demnach den gleichen Russen-Trollen, die auch die Stimmung vor der US-Präsidentenwahl manipuliert haben. Zudem gibt es Marketing- und Malware-Bots, die ebenfalls auf das Thema setzen.

Die russischen Trolle und bestimmte Bots haben der Untersuchung zufolge zu etwa gleichen Teilen Tweets pro und kontra Impfungen abgelassen. Dabei bedienen sie sich polarisierender Sprache, die Impfungen mit Themen wie der Rassenungleichheit in den USA in Verbindung bringen.

„Diese Trolle scheinen Impfungen als Spaltthema zu nutzen, um Zwietracht in der amerikanischen Gesellschaft zu säen“,

meint Mitautor Mark Dredze, Informatikprofessor an der Johns Hopkins University. Doch durch ihre Machenschaften würden sie auch das Vertrauen in Impfungen unterwandern.

Impfgegner bekommen Viren

Die Forscher haben auch festgestellt, dass Bots, die unerwünschte Werbung und Malware verteilen, 75 Prozent mehr Impfgegner-Inhalte teilen als der durchschnittliche Twitter-Nutzer. Mit den Anti-Impf-Botschaften versuchen sie offenbar, Nutzer zum Anklicken schädlicher Links zu ermutigen.

„Inhalte, die eine Exponierung gegenüber biologischen Viren propagieren, können ironischerweise auch die Verbreitung von Computerviren fördern“,

warnt Teammitglied Sandra Crouse Quinn, Professorin an der School of Public Health der University of Maryland.


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