Aktuelles

Bonobo Bili aus dem Zoo Wuppertal: Worum geht es?

Andre Wolf, 24. Januar 2019
Artikelbild: Shutterstock / Von KEA1977
Artikelbild: Shutterstock / Von KEA1977

Seine Finger sind blutig, sein Ohr ist angebissen und er ist verwundet. Dieses Foto schockiert viele Nutzer auf Social Media.

Ausgegangen ist dieses Foto von einem Artikel der BILD. Dieser schildert den Fall des Bonobo-Affen mit dem Namen Bili, welcher von einem schlimmen Schicksal des Affens berichtet.

Seine eigenen Artgenossen „mobben“ ihn und sollte eine Integration in eine andere Affengruppe nicht möglich sein, drohe eine Einschläferung des Tieres.

https://www.facebook.com/bild/posts/10157865672180730

Natürlich erzeugt dieses Thema heftige Reaktionen auf Social Media und führte auch bei uns zu Anfragen. Was steckt hinter dem Schicksal von Bili?

Stellungnahme des Zoos

Der Grüne Zoo Wuppertal hat bereits eine Stellungnahme veröffentlicht. Darin liest man:

Seit dem 7. November 2018 lebt das Bonobo-Männchen Bili im Grünen Zoo Wuppertal. Der heute zehnjährige Bonobo wurde 8. Oktober 2008 im Zoo Twycross geboren. Leider wurde er von seiner Mutter nicht angenommen, daher kam er dort zunächst in die Obhut der Tierpfleger. Am 21. Januar 2009 wurde er in den Zoo Frankfurt abgegeben, wo er zeitweilig auch von sogenannten Ammen (d.h. Bonobo-Weibchen, die sich um ihn kümmerten) mit aufgezogen wurde. In der dortigen Gruppe konnte er aus genetischen Gründen nach dem Erreichen der Geschlechtsreife leider nicht länger bleiben. Auf Empfehlung der Spezialistengruppe der Europäischen Zoogemeinschaft und des Europäischen Erhaltungszuchtprogrammes (EEP), dem auch die Tiere des Wuppertaler Zoos angehören, kam Bili Ende des vergangenen Jahres in den Grünen Zoo Wuppertal mit dem Ziel, ihn in die hier existierende Gruppe zu integrieren mit der Aussicht auf Nachwuchs, der zum Erhalt der stark bedrohten Bonobos beitragen soll.

Bonobos gehören zu den Menschenaffen. Sie leben in Gemeinschaften, die zeitweilig in kleinere Einheiten auseinander gehen, bevor sie sich wieder zu größeren Gruppen zusammen finden. Diese sogenannten fission-fusion-Gesellschaften, in denen die Männchen üblicherweise an ihre Mütter gebunden bleiben, werden von den weiblichen Tieren dominiert. Innerhalb dieses flexiblen Sozialsystems unterliegt das soziale Netzwerk einer Bonobo Gemeinschaft einer ständigen Dynamik, in der nur die Beziehungen zwischen eng verwandten Tieren stabil und von lebenslanger Dauer sind. Die stärksten Bindungen bestehen zwischen Müttern und ihren Söhnen, die besonders davon profitieren.

Das Auftreten von Aggressionen und Verletzungen ist vor allem bei einzelnen Bonobo-Männchen, die in eine neue Umgebung und ein neues Sozialgefüge integriert werden müssen, durchaus zu erwarten. Der Grüne Zoo Wuppertal hatte daher bereits im Vorfeld Vorkehrungen getroffen, um Problemen bei der Eingewöhnung von Bili zu begegnen. So wurden z.B. durch Umbauten im Menschenaffenhaus weitere Rückzugs- und Separationsmöglichkeiten geschaffen. Die aktuelle Phase der Integration wird durch verschiedene Maßnahmen begleitet mit dem Ziel, die arttypischen Aggressionen gegen Bili zu verringern und die Eingewöhnung zu unterstützen. Daneben findet selbstverständlich eine engmaschige veterinärmedizinische Betreuung statt.

Spezialisten aus anderen Zoologischen Gärten wie Frankfurt und Stuttgart und dem EEP beraten den Grünen Zoo Wuppertal, der stets um das Wohlergehen seiner Tiere bemüht ist, bei der Eingewöhnung des Bonobo-Mannes. Auch wenn noch keine abschließende Aussage über den Verlauf der Zusammenführung getroffen werden kann, sind aktuell durchaus positive Anzeichen für die weitere Entwicklung zu erkennen.

Kritik und Petition

Es gibt mittlerweile auch eine Petition, die gegen eine Einschläferung des Bonobos ist. Darin liest man:

Wir, die Unterzeichnenden, fordern den Zoo Wuppertal und das Veterinäramt auf, Bonobo Männchen Bili umgehend in das Monkey World Ape Rescue Center oder in eine ähnliche Einrichtung zu bringen.Totbeißen und einschläfern ist keine Option !!! (sic)

In der Petition wird gefordert, dass der Affe in eine Einrichtung überstellt wird, die sich auf traumatisierte Menschenaffen spezialisiert hat.

Quellen:

Artikelbild: Shutterstock / Von KEA1977


Unabhängige Faktenchecks und Recherchen sind wichtig und richtig. Sie fördern Medienkompetenz und Bildung. 

Ein unabhängiges und für jeden frei zugängliches Informationsmedium ist in Zeiten von Fakenews, aber auch Message Control besonders wichtig. Wir sind seit 2011 bestrebt, allen Internetnutzern stets hochwertige Faktenchecks zu bieten.  Dies soll es auch langfristig bleiben. Dafür brauchen wir jetzt Deine Unterstützung!

Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

weitere mimikama-Artikel