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Betrügerische Bitcoin-Werbung auf Facebook

Claudia Spiess, 6. September 2021
Warnung
Warnung

Ein prominentes Gesicht und ein gefälschter Zeitungsartikel: Die Standard-Zutaten zu betrügerischer Bitcoin-Werbung auf Facebook.

Diesmal fungiert Hans Peter Haselsteiner, Unternehmer und früherer Politiker – auch bekannt aus der Sendung des österreichischen TV-Senders PULS4 „2 Minuten 2 Millionen“ (dem Pendant zur deutschen „Höhle der Löwen“) – als prominentes Gesicht für betrügerische Bitcoin-Werbung auf Facebook.

Unseriöse Bitcoin-Werbung

Auf Facebook stolpert man regelmäßig über derartige Beiträge, die von unterschiedlichen Seiten veröffentlicht bzw. neuerdings auch als Facebook-Werbung geschaltet werden.
Dass es sich um bezahlte Werbung handelt, erkennt man an der Beifügung „Gesponsert“ unterhalb des Seitennamens.

Diesmal durfte Hans Peter Haselsteiner der „Köder“ sein.

Screenshot Facebook
Screenshot Facebook

Ein Standbild aus der Sendung „2 Minuten 2 Millionen“, man sieht Haselsteiner wohl grübelnd/ kalkulierend in der TV-Show, in der StartUps von Investoren gefördert werden. Der Beitext „Das Publikum war schockiert und die Sendung wurde sofort vom Sender unterbrochen!“ lässt einen Skandal vermuten. Der Link führt zur österreichischen Tageszeitung krone.at, der Artikel dahinter scheint auf geheimnisvolle Inhalte hinzudeuten, indem darauf hingewiesen wird, dass „das Mikrofon bei der Live-Übertragung eingeschaltet“ war.

Bauernfängerei Clickbait!

Nutzer sollen in die Irre geführt werden. Haselsteiner weiß, wie man Geld macht, sollen sie denken. Was hat er wohl gesagt, dass der TV-Sender die Ausstrahlung unterbrochen hatte? Das soll die Nutzer interessieren. Sensations-Storys, die noch dazu mit einem bekannten Gesicht garniert werden: Klassischer Clickbait.

Bei einem Klick auf den Link in der Facebook-Anzeige gelangt man zur Seite der Kronen Zeitung. – Nicht wirklich! Dahinter versteckt sich nämlich eine gefälschte „krone.at“ – leicht erkennbar an der URL „primenews.to“.

Screenshot Artikel der gefälschten Krone.at
Screenshot Artikel der gefälschten Krone.at

Hier ist in einem „Sonderbericht“ also die Rede von einfacher Investition in Bitcoin und wundersamer Vermehrung, ohne Kenntnisse von derartigen Kryptowährungen zu haben.

Logos anderer Medien sollen wohl vermitteln, dass die Story bereits auf mehreren Kanälen veröffentlicht wurde.

Allerdings handelt es sich bei diesem „Sonderbericht“ um sogenannten „fabricated content“ und somit pseudoredaktionellen Inhalt. Nichts davon ist wahr. Die Kronen Zeitung hat ebenfalls absolut nichts damit zu tun, genausowenig wie Hans Peter Haselsteiner. Nein, es geht darum, Nutzer auf eine betrügerische Bitcoin-Plattform zu locken. Der Link dazu findet sich immer wieder im Artikel.

Nutzerfalle unseriöse Bitcoin-Plattformen

Konkret geht es in diesem Fall um den Handel mit binären Optionen in Form von Bitcoins. Das ist nicht illegal, jedoch sprechen die gefälschten Erfahrungsberichte angeblicher Nutzer auf den verschiedenen Plattformen (ja, es gibt zahlreiche davon) stark gegen die Seriosität der Plattform!

Der Handel mit binären Optionen ist ein hoch riskantes Modell, welches teilweise auch außerbörslich angeboten wird. Definitiv kein Produkt für Anfänger!

Bei binären Optionen können zwei Aktionen eintreten:

  1. Das vorhergesagte Ereignis tritt ein, wodurch Händler/innen eine im Vorhinein festgelegte Summe erhalten.
  2. Das vorhergesagte Ereignis tritt nicht ein, wodurch Händler/innen einen Verlust erleiden.

Bei dem Handel mit binären Optionen können Nutzer Geld verdienen, sofern sie mit ihrer Einschätzung richtig liegen.

Der Online-Handel mit binären Optionen ist mit zahlreichen Risiken verbunden, wenn es sich hier noch dazu um unseriöse Plattformen handelt. Beispielsweise könnt ihr keine Gewinnauszahlung erhalten, an Anbieter geraten, die Kurse manipulieren, oder eure persönlichen Daten dienen für Verbrechen unter eurem Namen, da die persönlichen Daten des Nutzers in die Hände des Betreibers gelangen.

Genaue Details und mehr Informationen zu diesem Thema findest du hier.

Fazit

Mit einem Clickbait (bekanntes Gesicht und eine Wahnsinns-Erfolgsstory), der oft als Werbung bei Facebook geschalten wird, locken die Betreiber Nutzer auf eine Webseite und präsentieren dort fabricated content im Design von ebenso bekannten Medienhäusern.

Doch hier geht es einzig um Online-Handel mit binären Optionen – wobei hier viel Wissen und Erfahrung notwendig ist, um tatsächlich das große Geld zu machen. Zudem zahlen solche Plattformen die Gewinne nicht, selten oder nur teilweise an die Nutzer aus.

Außerdem missbrauchen die Urheber solcher Lock-Webseiten in diesem Fall den Namen von Hans Peter Haselsteiner wie auch der Kronen Zeitung. Die prominenten „Befürworter“ und auch die Medien variieren hier gerne.

Was hier allerdings zusätzlich sprachlos macht, ist, dass Facebook kostenpflichtige Werbung von Betrügern auf seiner Plattform zulässt. Werbung mit gefälschten Inhalten.

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