Aktuelles

Bitcoin-Scam: Wie das Netzwerk mit über 10.000 betrügerischen Seiten funktioniert

Schon sehr oft berichteten wir über gefälschte Nachrichtenartikel, die auf betrügerische Bitcoin-Investionsseiten verweisen. Wie gigantisch das Netzwerk der Betrüger ist und wie der Betrug abläuft, berichten wir hier.

Ralf Nowotny, 24. August 2022

Schon seit geraumer Zeit tauchen immer wieder, sogar als gesponserte Werbung bei Facebook, Seiten auf, die schnelles Geld versprechen: Sei es ein gefälscher BILD-Artikel über eine Investitionsmöglichkeit aus „Die Höhle der Löwen“ (siehe HIER) oder eine angebliche neue Währung von Amazon (siehe HIER): Immer verweisen die Links auf dubiose Seiten, die leicht verdientes Geld durch Investitionen in Bitcoin versprechen.
Doch dahinter steckt ein gigantisches, internationales Netzwerk, welches nur darauf abzielt, leichtgläubigen Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen!

Das Lockmittel

Besonders auf Facebook und Instagram tauchen immer wieder gesponserte Beiträge auf, die mit prominenten Personen und gefälschten Nachrichtenseiten auf die betrügerischen Bitcoin-Seiten locken wollen. Sie sehen beispielsweise so aus:

Werbung auf Facebook mit Link zu einem gefälschten Nachrichtenartikel
Werbung auf Facebook mit Link zu einem gefälschten Nachrichtenartikel

Die Artikel sehen dann optisch immer wie ein echter Artikel eines Mediums aus, einzig die Internetadresse (URL) in der Adresszeile des Browsers verrät, dass man sich nicht auf der echten Seite befindet. Zudem wird in den Artikeln immer an mehreren Stellen auf eine Plattform verwiesen, auf der man sich anmelden soll.
Hier ein Beispiel einer solchen betrügerischen Seite:

Eine betrügerische Bitcoin-Investionsplattform
Eine betrügerische Bitcoin-Investionsplattform

Grundsätzlich beginnt die Betrugsmasche folgendermaßen:

  • Man soll sich auf der Seite registrieren
  • Sowohl auf der Begrüßungsseite, als auch nach der Registrierung sind immer wieder (gefälschte) „Erfolgsberichte“ von anderen Nutzern zu lesen
  • Nach der Registrierung soll man 250 € auf das „Handelskonto“ einzahlen

Ein riesiges Netzwerk

Das Group-IB Computer Emergency Response Team (CERT-GIB) hat mehrere gefälschte Bitcoin-Anlagesysteme untersucht, die auf europäische Bürger abzielen. Im Zuge der Untersuchungen wurde eine gigantische Netzwerkinfrastruktur aufgedeckt und analysiert, die über 10.000 betrügerische Ressourcen enthielt, darunter auch ähnliche betrügerische Ressourcen, die auf die Einwohner des gesamten eurasischen Kontinents und Nordamerikas abzielen.

Folgende Länder sind in Europa von diesem Betrugsschema betroffen: Deutschland, Niederlande, Belgien, Polen, Norwegen, Schweden, die Tschechische Republik und Großbritannien.

CERT-GIB konnte 11.197 Domains ausfindig machen, die verwendet wurden, um die betrügerische Infrastruktur in Europa aufzubauen – dazu gehörten Ketten von Weiterleitungen und Hosts für betrügerische Inhalte.

Grafische Darstellung einer der Domains, die zu einem großen Netzwerk mit betrügerischen Seiten führt, Quelle: Group-IB Threat Intelligence

Wie die Betrugsmasche abläuft

Die Betrugsmasche ist eine Kombination von Online- und Offline-Techniken. Nachdem man sich auf einer solchen Seite registriert hat, bekommt man einen Anruf von einem angeblichen Broker, der einem die URL zur eigentlichen Betrugsplattform gibt. Dort soll das „persönliche Handelskonto“ erst einmal mit 250 Euro aufgefüllt werden.

Das Telefonat wirkt auch erst einmal seriös, So werden Fragen gestellt, die man auch von einem echten Broker gestellt bekommt, wie etwa:

  • Warum wollen Sie investieren?
  • Wie viel können Sie investieren?
  • Wie verdienen Sie Ihr Geld?
  • Wieviel Zeit verbringen Sie mit der Arbeit?

Egal, was man antwortet, der falsche Broker wird immer positiv reagieren und bestätigen, dass es sich um gute Voraussetzungen handelt, um zu investieren,

Auf einer gefälschten Investionsseite hilft dann der vermeintliche Broker, die „richtigen“ Entscheidungen für Investitionen zu treffen, um sie dazu zu verleiten, mehr als 250 Euro zu investieren. Dabei wird die Seite immer so manipuliert, als ob das Opfer einen Gewinn gemacht hätte, wenn er vor wenigen Sekunden investiert hätte.

Im Laufe der nächsten Tage wird der falsche Broker das Opfer immer wieder dazu ermutigen, weitere Summen zu investieren, auf der falschen Investitionsseite scheint sich das Geld auch immer weiterzuvermehren. Doch irgendwann möchte man auch das Geld in den Händen haben, oder?

Auszahlung nie möglich

Möchte man sich das Geld auszahlen, kommt so langsam die böse Überraschung: Es ist nie möglich!
Meistens sagt einem der falsche Broker, dass noch eine Investition getätigt werden müsse, um die Auszahlungsgebühren decken zu können. Doch auch danach geschieht nichts, es tauchen immer neue Probleme bei der Auszahlung auf.

Bis dann schließlich der endgültige Schlag in die finanzielle Magengrube kommt: Weder die Seite, noch der „Broker“ sind irgendwie erreichbar. Und das bisher eingezahlte Geld, oftmals mehrere Tausend Euro, sind natürlich auch weg.

Fazit

Es sind also nicht einfach nur einfache Betrüger hinter dieser Masche, sondern ein gut organisiertes und weit verbreitetes, kriminelles Netzwerk, welches sich hauptsächlich auf Social Media seine Opfer sucht. Die schockiert umso mehr, dass Facebook immer wieder gesponserte Werbung dieses Netzwerks zulässt, obwohl klar ist, dass es sich dabei um eine Betrugsmasche handelt.

Geht also bitte niemals auf diese Betrugsmasche ein! Nein, ihr könnt nicht einfach euer Geld vermehren, indem ihr ja nur 250 Euro in Bitcoins investiert. Denn ihr investiert nicht, sondern ihr gebt es Kriminellen – und das Geld seht ihr nie wieder!

Quelle und Artikelbild: Group-IB Threat Intelligence


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

  • Mit deiner Hilfe unterstützt du eine der wichtigsten unabhängigen Informationsquellen zum Thema Fake News und Verbraucherschutz im deutschsprachigen Raum. Ein unabhängiges und für jeden frei zugängliches Informationsmedium ist in Zeiten von Fake News, aber auch Message Control besonders wichtig. Wir sind seit 2011 bestrebt, allen Internetnutzern stets hochwertige Faktenchecks zu bieten.  Dies soll es auch langfristig bleiben. Dafür brauchen wir jetzt deine Unterstützung!

Mehr von Mimikama