Betrug beim Kauf von Kätzchen: 2.000 Euro an Fake-Tierhändler verloren

Janine Moorees, 14. Juli 2021
Betrug beim Kauf von Kätzchen: 2.000 Euro an Fake-Tierhändler verloren
Artikelbild: Symbolbild - Von Gladskikh Tatiana / Shutterstock.com

Die Suche im Internet nach einem Kätzchen oder einem anderen Haustier wird sehr häufig gemacht. Doch leider ist nicht immer klar, ob es sich um eine echte Anzeige oder Fake-Tierhändler handelt.

Fotos können kopiert und Angebote frei erfunden sein. Wie der Trick mit dem Tierhandel im Netz funktioniert, zeigt ein aktuelles Beispiel einer Schleswig-Holsteinerin, die bei der Suche nach einem Kätzchen mehr als 2.000 Euro verloren und bis heute kein Tier bekommen hat.

Ein Kätzchen als Hausgenosse, gesund, geimpft und geeignet für Allergiker – das wünscht sich eine Tierfreundin aus Schleswig-Holstein. Auf einer
Internetseite findet sie scheinbar genau das richtige: Die Seite preist „gesunde Kätzchen von den besten Züchtern Deutschlands“ an, inklusive Beratung, Impfung, Behandlung gegen Würmer und Flöhe, mit Gesundheitsgarantie. Dazu gibt es Fotos von flauschigen Katzenwelpen mit Steckbrief.

Statt Kätzchen kommen Flugdaten und eine hohe Geldforderung an

Auf Nachfrage erhält die Interessentin per Mail einige Daten zu ihrer Traumkatze. Sie soll 400 Euro anzahlen. Abholen kann sie das Katzenbaby angeblich wegen Corona nicht, es soll aus Flensburg geliefert werden. Nach der Anzahlung kommt ein Kaufvertrag sowie die Aufforderung, vor dem Liefertermin den Restbetrag von 500 Euro zu überweisen.
Am Tag der versprochenen Lieferung wartet sie vergeblich. Statt Kätzchen kommen plötzlich Flugdaten mit einer neuen Ankunftszeit per WhatsApp an. Angeblich soll das Tier nun aus Stuttgart eingeflogen werden. Auch dieser Termin verstreicht. Auf Nachfrage erklärt der Händler, dass der Transport an einer nicht passenden Box gescheitert sei. Die Kundin soll ein Verwarngeld und eine neue Box bezahlen, insgesamt 1.280 Euro. Sie wird skeptisch und verlangt Beweisfotos vom Kätzchen am Flughafen. Tatsächlich kommen Fotos und diverse weitere Nachrichten vom Händler an. Aus Sorge um das Tier schiebt die Katzenfreundin ihre Bedenken beiseite und überweist auch noch den letzten Betrag. Die Katze ist bis heute nicht angekommen.

Verbraucherzentrale rät vom Tierkauf im Internet ab

„In letzter Zeit erreichen uns häufiger Beschwerden über unseriöse und skrupellose Tierhändler. In diesem Fall liegt sogar der Verdacht nahe, dass Angebot und Handel nur vorgetäuscht sind“, sagt Kerstin Heidt, Juristin bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. „Vermutlich gibt es die angebotenen Katzen nicht und der Kontakt dient nur dazu, Interessierte zur Zahlung zu bewegen.“ Die Verbraucherzentrale rät deshalb grundsätzlich davon ab, Tiere im Internet zu kaufen. Ein Warnzeichen für solche Betrugsmaschen können die geforderten Bezahlmethoden sein. „Überweisungen im Voraus oder Bargeldtransfers sind in solchen Fällen riskant. Wenn das Tier nicht ankommt, ist das Geld weg“, warnt die Juristin. Wer ein Haustier kauft, holt es am besten selbst ab und zahlt bei der Übergabe.

Tipps für den Katzenkauf

  • Bei seriösen Züchtern kann man Katzenwelpen und Muttertier in ihrer Umgebung kennen lernen, sich die Tierhaltung ansehen und eine Katze selbst aussuchen. Sie beschränken sich auf wenige Tiere und Rassen.
  • Gute Züchter und Vermittler geben ein Tier nicht einfach so aus der Hand. Sie führen ausführliche Vermittlungsgespräche mit den Interessenten und informieren über Verantwortung und laufende Kosten für ein Tier.
  • Beim Umzug ins neue Zuhause sollte eine Katze mindestens 12 Wochen alt sein. Tiere aus dem Ausland müssen mindestens 15 Wochen alt sein. Der Händler muss einen EU-Heimtierausweis und ein tierärztliches Gesundheitszeugnis vorlegen, die Katze muss nachweislich einen Mikrochip tragen.
  • Wer die hohen Kosten für eine Katze vom Züchter nicht zahlen kann oder will, wird vielleicht im örtlichen Tierheim fündig. Dort warten viele Tiere auf ein neues Zuhause und es gibt eine ausführliche Beratung.

Wer den Verdacht hat, an einen illegalen Tierhändler geraten zu sein, sollte sich an die Polizei wenden. Grundsätzlich bedeutet die Anschaffung einer Katze oder eines Hundes eine Entscheidung für viele Jahre und will gut überlegt sein. Neben Fragen der Haltung und Betreuung spielen auch die Finanzen eine Rolle. Für Futter und Zubehör, Impfungen sowie Behandlungen beim Tierarzt fallen für eine Katze laufende Kosten an, die sich auf mindestens 700 Euro pro Jahr summieren.

Quelle: Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein
Auch interessant:
Der Sommer bringt Hitze mit sich. Wenn er auch an manchen Tagen Kühler ausfällt, so sollte man sich nicht täuschen lassen. Für Menschen und Tiere kann die Hitze vor allem im Auto gefährlich werden.

Unabhängige Faktenchecks und Recherchen sind wichtig und richtig. Sie fördern Medienkompetenz und Bildung. 

Ein unabhängiges und für jeden frei zugängliches Informationsmedium ist in Zeiten von Fakenews, aber auch Message Control besonders wichtig. Wir sind seit 2011 bestrebt, allen Internetnutzern stets hochwertige Faktenchecks zu bieten.  Dies soll es auch langfristig bleiben. Dafür brauchen wir jetzt Deine Unterstützung!

Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

weitere mimikama-Artikel