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Warnung vor betrügerischem Online-Anlagebetrug

Claudia Spiess, 10. August 2021
Warnung vor betrügerischem Online-Anlagebetrug
Artikelbild: Von pathdoc / Shutterstock.com

Anlagebetrug: Kriminelle locken Opfer mit hohen Gewinnversprechen. Am Ende bleibt der Totalverlust des angelegten Geldes.

Der Modus Operandi beim Anlagebetrug ist immer der gleiche: Kriminelle locken Anlegerinnen und Anleger, die in Niedrigzinszeiten nach alternativen Geldanlagen suchen mit hohen Gewinnversprechen an. Bereits im Februar warnte das Landeskriminalamt Baden-Württemberg (LKA BW) in einer Pressemitteilung vor Geldanlagen über Online-Handelsplattformen.

„Die Betrugsmasche mit Trading-Plattformen hat dabei weiterhin Hochkonjunktur wie ein aktueller Fall mit einem Schaden in Millionenhöhe zeigt“, sagt Oliver Hoffmann, stellvertretender Leiter der Abteilung Wirtschaftskriminalität beim LKA BW.

Nachdem die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA im Sommer 2018 den Handel mit binären Optionen für Privatanleger verboten hat, werben Kriminelle nun verstärkt für Geldanlagen in Kryptowährungen, in der Regel mit Bitcoins. Neben legalen Plattformen nutzen Kriminelle eine Vielzahl von Trading-Plattformen.

Köder über professionell gestaltete Webseiten

Sie gestalten professionelle Internetseiten, die seriös wirken und werben mit Markenzeichen bekannter Firmen und Persönlichkeiten. Ferner sind meist positive Erfahrungen anderer Nutzerinnen und Nutzer abgebildet.

Angelockt durch hohe Renditen und lukrative Gewinnversprechen registrieren sich Interessierte mit ihren persönlichen Daten bei diesen Plattformen und zahlen einen Einstiegsbetrag. Angeblich begleitet eine persönliche Brokerin beziehungsweise ein persönlicher Broker diese Investition.

Von Kriminellen kontaktiert

Sobald die persönlichen Daten im System hinterlegt sind, kontaktieren die Kriminellen die Anlegerinnen und Anleger. Hierbei handelt es sich um Angestellte eines Call-Centers, die sich in der Regel im Ausland befinden.

Durch eine geschickte Gesprächsführung erschleichen sie das Vertrauen der Opfer, um diese zu überreden, eine Fernwartungs-Software zu installieren. Mit dieser Software können die Kriminellen uneingeschränkt auf den Computer der Opfer zugreifen.

„Leider Totalverlust“

Die Masche ist perfide: Die Opfer erhalten meist eine Gewinngutschrift auf ihr Konto. Die Kriminellen ermutigen ihre Opfer dazu, weitere Gelder zu investieren. Äußern die Geschädigten dann den Wunsch der Auszahlung der Gelder, fliegt der Betrug auf.

Die vermeintlichen Brokerinnen und Broker begründen das beispielsweise damit, dass die Geschäfte sich nicht wie gewünscht entwickelten und ein Totalverlust vorliege. Teilweise können die Opfer können sich nicht mehr auf der Internetseite einloggen. In manchen Fällen ist sogar die komplette Webseite gelöscht.

Besonders dreist: Manchmal fordern die Kriminellen eine sogenannte Gewinnsteuer, damit der vermeintliche Gewinn ausgezahlt werden könne.

„Das System ist von Beginn an darauf ausgelegt, unter Verwendung irreführender Angaben hohe Summen von Geschädigten einzusammeln“, so Hoffmann.

Eine tatsächliche Investition findet nicht statt, so dass keine Rückzahlung erfolgen kann und regelmäßig von einem Totalverlust der Gelder auszugehen ist.

Mittlerweile sind sogar Apps verfügbar, die einen schnellen und bequemen Zugang auf die Handelsplattform über das Smartphone ermöglichen.

Über Dating-Portale zum Anlagebetrug

Darüber hinaus sind auch Fälle bekannt, in denen Kriminelle Dating-Portale nutzen, um Opfer zu suchen. Nach der Kontaktaufnahme geben sie ganz unverbindlich einen Finanztipp.

„Beim Handel mit Finanzinstrumenten aller Art auf Online-Trading-Plattformen ist daher höchste Vorsicht geboten. Anlegerinnen und Anleger sollten sich vor einer Investition ausführlich mit dem Unternehmen auseinandersetzen, etwa durch Überprüfung des Impressums mit den entsprechend hinterlegten Kontaktdaten“, betont Hoffmann.

Eine weitere Überprüfungsmöglichkeit bietet die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin) durch eine Unternehmensdatenbank. Diese liefert Informationen dahingehend, ob das Unternehmen eine EU-Lizenz für derartige Finanzgeschäfte besitzt.
Als Anlaufstelle für Rückfragen steht den Anlegerinnen und Anlegern auch die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg zur Verfügung.

Tipps der Polizei

  • Misstrauen Sie Angeboten, die ungewöhnlich hohe Gewinne mit wenig Einsatz versprechen.
  • Informieren Sie sich über die Trading-Plattformen, bevor Sie sich anmelden oder Geld überweisen.
  • Banken und Sparkassen gehen nicht direkt auf Kunden zu, um sie zum Online-Trading zu bringen.
  • Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Nehmen sie sich Zeit, um das Angebot in Ruhe zu prüfen und zu bewerten.
  • Geben Sie keine sensiblen Daten preis – wie Zugangsdaten zum Online-Banking oder zum Depot.
  • Geben Sie keiner unbekannten Person einen Remote-Zugang zu Ihrem Rechner.

Wenn Sie glauben, Opfer eines Betrugs geworden zu sein: Zeigen Sie die Straftat bei der Polizei an. Eine Strafanzeige können Sie bei jeder Polizeidienststelle erstatten.

  • Sichern Sie Datenmaterial wie beispielsweise E-Mails, Chat-Verläufe in Messenger-Diensten, Fotos oder Videos. Diese wichtigen Beweismittel sollten Sie bis zum ersten Kontakt mit der Polizei komplett unverändert lassen.
  • Wenn Sie technisch versiert sind, können Sie diese Beweismittel auch abspeichern, ausdrucken oder via Screenshots sichern. Ist Ihnen dies nicht möglich, bitten Sie eine Person Ihres Vertrauens, diese Beweise für Sie zu sichern.
  • Bringen Sie das gesicherte Beweismaterial am besten gleich zur Anzeigenerstattung mit.

Weitere Informationen finden Sie unter: polizei-beratung.de
Verweis auf die Medieninformation vom 24. Februar 2021.

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Quelle: Presseportal


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