Überschriftenmanipulation auf Facebook

Tom Wannenmacher, 8. April 2016

Wir berichteten im August 2015 darüber, wie gefährlich die Funktion der Überschriftenmanipulation ist. Spiegel online musste das damals sogar am eigenen Leibe spüren.

Wer auf Facebookseiten einen Zeitungsbericht auf Facebook postet, hat die Möglichkeit die Überschrift zu verändern. Eigentlich eine recht nützliche Funktion, wenn man seine eigene Überschrift kreieren möchte.

ABER der Leser findet keinen Hinweis darauf, dass die Überschrift verändert wurde. Er geht also davon aus, dass es sich um die Original Überschrift des Autors handelt. Wenn nun dritte Seitenbetreiber diese Funktion missbräuchlich nutzen, entpuppt sich die “nützliche Funktion” sehr rasch als gefährlich – denn die so genannte “ausschließliche Überschriftenleser” gibt es mehr als genug und entnehmen aus diesen Zeilen ihre Komplettinformation.

Mimikama präsentierte

Schauen wir in die nahe Vergangenheit, so fällt uns sofort ein, dass diese Funktion von der Facebookseite der Pegida schon einmal missbraucht wurde.


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Aus “Flüchtlinge in Mazedonien: Panik vor dem Zaun” wurde “Asylbetrüger besteigen Eurocity aus Mazedonien Richtung Germany”. Spiegel Online hat sich damals auf allen sozialen Netzwerken davon distanziert.

Zudem wurde das Wort Asylbetrüger nie in dem Kontext verwendet.

Auf unserem YouTube-Channel haben wir mit Hilfe eines Videos gezeigt, wie kinderleicht diese Funktion ist.

Auch das Handelsblatt musste negative Erfahrungen machen

Nun hat die Facebookseite “Deutschland DECKT auf” die Funktion für sich entdeckt und missbrauchte einen Artikel von Handelsblatt.

“Erhöhte Sicherheit: Regiobahn führt Frauenabteile ein, wegen Übergriffe durch Flüchtlinge” heißt die neu-verfasste Überschrift. Naja, die echte Überschrift von Handelsblatt lautet „“Erhöhte Sicherheit: Regiobahn führt Frauenabteile ein.” Tatsächlich werden Frauenabteile eingeführt ABER Grund dafür sind nicht Flüchtlinge, die ihre sexuellen Antriebe nicht unter Kontrolle halten können. Hier wurde durch die Seite etwas hinzugefügt, was nicht im Artikel steht.
Vielmehr geht es hier darum, dass die alten Reisezugwagen noch aus der DDR-Zeit stammen.

Der Überschriftenleser schreit, die besten Unwahrheiten erzählt jedoch der, der auch selber daran glaubt und idealerweise schreiend zehn mal im Kreis läuft. Die unzähligen Ausrufezeichen im Statusbeitrag soll die Zielgruppe von “Deutschland DECKT auf” davon überzeugen, dass die Geschichte stimmt.

Für alle die den Trend nicht kennen: Je mehr Ausrufezeichen, desto glaubwürdiger ist es!

+++ IN EIGENER SACHE +++Eine #Facebook-Seite hat einen unserer Artikel veröffentlicht und die Überschrift so…

Posted by Handelsblatt on Mittwoch, 6. April 2016

Facebook reagiert auf den Missbrauch von Überschriften

Bislang war es Facebook-Nutzern nicht möglich eine verfälschte Überschrift zu melden. Facebook schlug nur zwei Optionen vor: Blockieren oder verbergen.

Doch jetzt schreitet Facebook ein und überprüft aktiv die gefälschte Überschrift.

Wenn es soweit ist, geht es für die Fake-Verbreiter „back to the roots“, dann müssen sie ihre Geschichten wieder so wie früher erzählen.

Das Internet ist kein rechtsfreier Raum und Hetze wird nicht geduldet.

via Handelsblatt / Spiegel.de


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