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Bärenklau: “Grade wieder ein Kind rein gerannt…”

Kathrin Helmreich, 5. Juni 2018

Nicht das erste Mal wird auf Facebook vor dem Bärenklau gewarnt.

Beinahe jedes Jahr erhalten wir Anfragen zu einer Pflanze, die als hoch gefährlich und hoch giftig eingestuft wird. Dazu gibt es Fotos von Extremitäten, die mit Blasen übersäht sind.

Doch stimmt wirklich, was in diesen Warnungen beschrieben wird? Gibt es eine Pflanze namens Bärenklau, die solche Verletzungen hervorruft?

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Bild im Klartext:

Grade wieder ein Kind rein gerannt…
.Bärenklaue- bitte weiter teilen!! Die meisten kennen es nicht wirklich oder lassen es sogar wegen der schönen großen Blüte im Garten stehen!! Hoch Giftig !! Hoch gefährlich !! Überall hier verbreitet.. wächst leider bei uns auf vielen noch freistehenden Grundstücken Meterhoch und verteilt sich rasend an der ganzen Sieg entlang……Vorkommen bei der Gemeinde melden und NICHT ANFASSEN.

[vc_message message_box_color=“green“ icon_fontawesome=“fa fa-check“]Ja. Der Riesen Bärenklau, auch Herkulesstaude genannt, existiert und ist auch giftig.[/mk_info]

Das Bundesamt für Naturschutz schreibt folgendes zum Bärenklau:

… Die größten Sorgen bereitet seine phototoxische Wirkung, die ihn zu einer Gefahr für die menschliche Gesundheit macht. …

Die Pflanze ist, wie z.T. auch andere, einheimische Doldenblütler, Verursacher der „bullösen Wiesendermatitis“. Die ganze Pflanze, besonders der Saft, enthält phototoxisch wirkende Furanocumarine. Bei Berührung und Sonneneinstrahlung können sich nach 24-48 Stunden schwere Hautentzündungen mit starker Blasenbildung entwickeln. Die Hautveränderungen gleichen Verbrennungen dritten Grades und führen gelegentlich zu mehrwöchigen Klinikaufenthalten. Sie heilen nur langsam ab und hinterlassen narbenähnliche, strichförmige Hyperpigmentierungen.

Besonders gefährdet sind Arbeiter in Land- und Forstwirtschaft oder Gartenbau, z.B. bei Arbeiten zur Bekämpfung der Pflanze, oder Hobbygärtner. Dabei kann der Pflanzensaft auch ohne direkte Berührung der Pflanze auf die Haut gelangen, wenn er etwa durch Rasenmäher verspritzt wird. Selbst Bekleidung bietet keinen vollständigen Schutz. Häufig sind auch Kinder betroffen, die die kräftigen hohlen Stängel beim Spielen etwa als Blas- oder Fernrohr benutzen.

Bei jeder Arbeit in Bärenklau-Beständen ist vollständige Schutzkleidung zu tragen! Wenn Pflanzensaft auf die Haut gelangt, sofort mit reichlich Wasser spülen. Bei stärkeren Symptomen ist ein Arzt oder Krankenhaus aufzusuchen.

Bei akuten Symptomen gibt die Informationszentrale gegen Vergiftungen der Uni Bonn Rat: 0227/19240, 0228/287 3314 (Informationszentrale)
Quelle: Bundesamt für Naturschutz

Die Fotos sowie ein Teil der Informationen des Beitrags sind jedoch nicht brandaktuell. Bereits im Jahre 2015 wurde dieser Beitrag in einer etwas veränderten Form, aber mit den gleichen Fotos, auf Facebook verbreitet. Eines der Fotos lässt sich auch als Bildmaterial eines Wikipedia-Eintrags zu der Pflanze wiederfinden.

Ob ganz aktuell “grade wieder ein Kind rein gerannt” ist, kann zwar nicht bestätigt werden, jedoch würde das “Reinrennen” in diese Pflanze tatsächlich schwere Verletzungen hervorrufen.

Das gezeigte Bein gehört auf jeden Fall keinem Kind, das 2018 dem Bärenklau begegnete. Das Foto wurde laut Bildnachweis am 01. Juli 2017 von Cosima Pferdeliebe hochgeladen und zeigt die Hautreaktion nach Kontakt mit dem Riesen-Bärenklau.

Ergebnis:

Der Riesen-Bärenklau bzw. die Herkulesstaude ist tatsächlich hochgradig giftig. Finger weg!


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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