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Avocados im Faktencheck

Beim Thema Nachhaltigkeit ist der Ruf der Avocado schlecht. Aber ist die Kritik gerechtfertigt? Was ist dran am Ökosünder-Image der Avocado?

Ralf Nowotny, 9. April 2022
Ist der Avocado-Konsum schlecht für die Umwelt?
Ist der Avocado-Konsum schlecht für die Umwelt?

Avocados sind zu beliebten Dauerbrennern in der Obst- und Gemüseabteilung geworden. Aber: Beim Thema Nachhaltigkeit ist ihr Ruf schlecht! Schluss mit dem Halbwissen: Was ist dran am Ökosünder-Image der Avocado?

Ist der Avocado-Konsum schlecht für die Umwelt?

Auf dem Brot, als Guacamole, im Salat, der Bowl oder Sushi – die Avocado ist für viele nicht mehr wegzudenken. Sie ist hip, sie ist DAS Fotomotiv der Food-Blogger. Die Avocado steckt außerdem voller gesunder Inhaltsstoffe.

Aber: Kilometerweit zu uns angereist, aufwändig gekühlt – eine wahre CO₂-Sünde – so heißt es immer wieder. Zudem hört man ständig vom hohen Wasserverbrauch der beliebten Südfrüchte. Das gilt besonders in Anbauländern, in denen Trockenheit herrscht und Wasser ein rares Gut ist.

  • Aber ist der Avocado-Konsum wirklich so verwerflich?
  • Ist Bio besser?
  • Und gibt es vielleicht Länder, aus denen ich ganz beruhigt Avocados kaufen kann?

Die Ökobilanz von Avocados ist kritisch

Avocados reisen weit an und erzeugen dadurch mehr CO₂-Ausstoß als heimisches Obst. Zusätzlich braucht der Avocadobaum vergleichsweise viel Wasser. Das ist gerade in Anbaugebieten kritisch, in denen es nicht genug regnet und zusätzlich bewässert werden muss, wie Chile oder Peru. Und auch die Avocados aus dem vergleichsweise nahen Spanien haben zwar eine kürzere Anreise, dafür muss dort ebenso zusätzlich bewässert werden.

Bezogen auf Klimagase und Wasserverbrauch macht leider auch Bio keinen Unterschied. Hier liegt der einzige Vorteil darin, dass keine chemischen Spritzmittel eingesetzt werden dürfen. Das ist immerhin für die Biodiversität und auch für die Arbeiter vor Ort besser.

Aber Überraschung: So schlimm wie es auf den ersten Blick scheinen mag, ist die Avocado nicht! Die Butterstulle mit Käse ist bezogen auf Klimagase deutlich schlechter als das trendige Avocadobrot. In Relation zu anderen beliebten Lebensmitteln steht die Avocado gar nicht so schlecht da: Bananen, Ananas, alles, was von weit her kommt, hat eine vergleichbare CO₂-Bilanz – der Apfel aus Neuseeland schneidet noch schlechter ab, Wintertomaten aus deutschen Gewächshäusern sogar deutlich schlechter, ganz zu schweigen von tierischen Produkten.

Worauf kann man beim Avocado-Kauf achten?

Außerdem kann man beim Kauf auf ein paar Dinge achten, um die Ökobilanz noch zu verbessern:

  1. Die Herkunft: laut WWF sollte man aus Sicht des Wasserverbrauchs auf Avocado aus Chile und Peru verzichten und lieber auf solche aus der Dominikanischen Republik, Kolumbien oder Ecuador zurückgreifen.
  2. Avocado sollte, wie alle Exoten, kein Grundnahrungsmittel sein, sondern ein gelegentlicher Genuss bleiben.
  3. Eine weggeworfene Avocado hat die schlechteste Ökobilanz! Aber gerade bei Avocados ist es schwer, den richtigen Zeitpunkt abzupassen, wann sie reif und lecker ist. Wir geben Tipps zu Lagerung und Haltbarkeit.

Weiterführenden Links:

Autorin: Anne Kabacinski
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