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Enthält der AstraZeneca-Impfstoff Schimpansen-Viren? (Faktencheck)

Ralf Nowotny, 2. März 2021
Enthält der AstraZeneca-Impfstoff Schimpansen-Viren? (Faktencheck)
Artikelbild: Shutterstock / Von Sergey Uryadnikov

Erst wird sich beschwert, dass keiner weiß, was in den Impfstoffen ist, und wenn man es dann erfährt, ist es auch wieder falsch…

Die beste Möglichkeit, die Inhaltsstoffe eines Produktes zu erfahren, ist ein Blick auf die Packung oder den Beipackzettel. Das ist manchmal sehr einfach zu lesen („Dieses Produkt enthält Spuren von Nüssen“. Okay!), manchmal aber auch schwer zu verstehen.
So wurde mittlerweile entdeckt, dass auf dem Beipackzettel des Astra-Zeneca Impfstoffes irgendwas mit Schimpasen steht.
Was? Die spritzen uns Affen-Viren??

Tatsächlich steht das da:

Der Schimpansen-Adenovirus
Der Schimpansen-Adenovirus

Warum sind Schimpansen-Adenoviren enthalten?

Diese Frage bekam auch der Schience Buster Martin Moder als Zuhörerfrage bei einem Interview mit dem Radiosender FM4 gestellt:

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Bestimmt jeder von uns hatte schon einmal eine Infektion mit einem Adenovirus, denn diese Erregergruppe ist für ein breites Spektrum von Beschwerden verantwortlich, unter anderem Erkrankungen der Atemwege, des Magen-Darm-Traktes oder der Augenbindehaut und Hornhaut.

Aus diesem Grund kennt unser Immunsystem zumeist bereits menschliche Adenoviren – und das ist ein Problem, denn dadurch können Impfstoffe keine menschlichen Adenoviren zum Transport enthalten: das Immunsystem würde die Adenoviren sofort angreifen, bevor die darin verpackte DNA des Coronavirus-Spike-Proteins überhaupt vervielfältigt werden könnte.

Aus diesem Grund wird getrickst:
In der AstraZeneca finden sich stattdessen Adenoviren, die bei Schimpansen eine Erkältung auslösen. Diese wurden natürlich genetisch modifizert: Sie können sich nicht mehr vermehren und können auch keine Krankheiten auslösen.

Die wenigsten Menschen (Tierpfleger ausgenommen) dürften sich jemals mit einem Schimpansen-Adenovirus infiziert haben, so dass unser Immunsystem ihn nicht als Feind erkennt. Er kann also in aller Ruhe das Coronavirus-Spike-Protein in unseren Körper transportieren, wo diese dann vom Immunsystem als Feind erkannt und bekämpft werden.

Fazit

Ja, tatsächlich beinhaltet der AstraZeneca-Impfstoff Adenoviren, die ursprünglich in Schimpansen zu finden sind und bei ihnen eine Erkältung verursachen. Zur Gewinnung der Viren müssen übrigens keine Schimpansen in Taschentücher niesen, sondern man findet die Viren auch in deren Fäkalien.

Deswegen bekommt man aber keine Schimpansen-Krankheit, auch wird keine Schimpansen-DNA injiziert (was auch schon behauptet wurde). Es ist einfach nur ein modifiziertes Adeno-Virus, das die DNA des Coronavirus-Spike-Proteins in den Körper transportiert.

Neu ist diese Methode übrigens nicht, beispielsweise werden Schimpansen-Adenoviren auch bei der Tollwut-Impfung eingesetzt (siehe HIER).

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Quellen: infektionsschutz.de, NCBI, JAMA Network, BBC, University of Oxford
Auch interessant:
In sozialen Medien kursiert das Foto des Beipackzettels der AstraZeneca-Impfung. eine Passage darin sorgt für Aufregung, denn da steht etwas von gentechnisch modifizierten Nieren von Föten – bedeutet dies etwa, dass sich Zellen von Föten in der Impfung befinden?

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