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Die Kundenliste eines Webshops, die zur Antifa-Mitgliederliste mutierte

Kathrin Helmreich, 3. Juni 2020
Über die Liste mit den angeblich 25.000 Antifa Mitgliedern
Über die Liste mit den angeblich 25.000 Antifa Mitgliedern

Aktuell teilen Nutzer wieder eine Liste, die angeblich rund 25.000 Mitgleider der Antifa „enttarnen“ soll. Dem ist jedoch nicht so!

Seit vier Jahren taucht immer wieder eine angebliche Liste auf, die Mitglieder der Antifa zeigen soll. Doch was als brisante Mitgliederliste gehandelt wird, entpuppt sich als Ende als banale und alte Kundendatenbank.

Es geht dabei um Statusbeiträge auf Facebook, die aktuell kursieren:

Der Faktencheck

Bereits im Jahr 2016 berichtete Kollege Andre das erste Mal über diese vermeintliche Liste.

Der angebliche „Leak“ zeigt tatsächlich an die 25.000 Namen, Adressen und auch Telefonnummern – und stellt eine Kundendatenbank dar! Sie hat rein gar nichts mit irgendeiner „Antifa“ zu tun.

Im Jahr 2016 erhielten wir einige Zuschriften von Personen, die auf der Liste stehen. Sie alle bestellten bei einem Punkrock-Versandhandel namens „Impact-Mailorder“. 2015 schreibt der Spiegel folgendes:

Hacker mit rechter Gesinnung haben offenbar in großem Maßstab Kundendaten des Duisburger Internethandels Impact Mailorder erbeutet und im Netz veröffentlicht. Davon geht die Polizei Duisburg aus, wie ein Sprecher sagte.

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Ebenso zitierte der Spiegel:

„Wir haben nun Namen, Adressen und Telefonnummern, [von] allen die jemals in diesem Shop bestellt haben. Wir werden davon 40.000 sofort veröffentlichen. Die restlichen werden wir noch behalten. Mit jedem Hackerangriff von linksgerichteten Ursprungs (sic!) auf nationale Adressen werden weitere 10.000 Daten veröffentlicht!“

Rückblick: 2 große Veröffentlichungen der Daten

Sowohl im September 2016, als auch im Juli 2017 wurde diese Kundendatenbank durch eine Webseite großflächig veröffentlicht. In diesem Zusammenhang wurden die Kunden des Webshops als Mitglieder der „Antifa” tituliert (Anmerkung: Landläufig scheint für viele Menschen „Die Antifa” ein Verein zu sein, dem man beitritt. Das ist übrigens eine unsinnige Legende, die gleichzeitig jedoch auch unter anderem von Linken als Fun-Fake forciert wird).

Fazit:

Wir warnen davor, diese Liste zu verbreiten oder gar Drohungen gegenüber der darin genannten Personen zu verfassen. Dies kann nämlich strafrechtliche Folgen haben.

Wer zudem Kenntnis davon hat, dass diese Adressliste Teil einer Kundendatenbank ist (auch wenn man es vielleicht persönlich nicht wahrhaben möchte) und diese wider besseren Wissens als Antifa-Mitgliederliste verteilt, könnte unter Umständen gar größere Probleme bekommen.

Das könnte in Deutschland den Tatbestand der Verleumdung nach § 187 StGB erfüllen, wenn jemand wissentlich diese Adressen in den falschen Zusammenhang bringt. Dafür würde es im schlimmsten Fall zu einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren kommen.

Alle Teiler der Meldung haben es wahrscheinlich unwissentlich getan, daher stellt es wohl „nur“ noch üble Nachrede nach § 186 StGB dar, was aber im Extremfall auch noch eine Freiheitsstrafe nach sich ziehen kann.

Deshalb: Die Kette sofort unterbrechen!

Auch interessant: Antifa erwünscht? Antifaschisten bekennt euch!


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