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Netzwerk verbreitet alte Terror-Berichte als aktuelle Ereignisse

Ralf Nowotny, 14. Juni 2019
Artikelbild: Rawpixel.com - Shutterstock.com

Die Fake-News-Kampagne „Fishwrap“ stellt alte Nachrichten in sozialen Medien als neu dar

Eine Online-Kampagne auf sozialen Netzwerken wie Twitter, die auf die Verbreitung von Fehlinformationen abzielt, wärmt alte Nachrichten über Terroranschläge wieder auf, um sie zu frischen Fake News zu machen. Das auf Cyber-Bedrohungen spezialisierte Unternehmen Recorded Future hat die Kampagne „Fishwrap“ getauft. „Darin wird über Anschläge gesprochen, als wären sie erst kürzlich passiert, wenn man aber die Links anklickt, kommt man zu alten Nachrichten“, sagt Staffan Truvé, CTO von Recorded Future.

Es handelt sich bei Fishwrap um ein Netzwerk mit mehr als 200 Accounts in sozialen Medien, das von Recorded Future entdeckt wurde, als Berichte über Terroranschläge analysiert wurden. In dem Netzwerk wurden Geschichten über Anschläge geteilt, über die sonst nirgendwo berichtet wurde. Es stellte sich jedoch heraus, dass sie Links zu Berichten über vergangene Terroranschläge beinhalteten.

Bots tricksen soziale Medien aus

„Man kann hier von Fake News sprechen, weil suggeriert wird, dass diese Nachrichten neu sind. Da es hier eine große Anzahl von Accounts gibt, handelt es sich vermutlich um ein Botnet. Dieses funktioniert automatisch, die einzelnen Bots unterstützen einander, indem sie News immer weiter teilen und verbreiten“

erklärt Kommunikationsexperte Christian Scherg im Interview mit pressetext. Ziel sei es, den Algorithmus der sozialen Netzwerke zu manipulieren.

Geschichten über Terror oder Unglücke würden auf solchen Plattformen schnell weit oben gelistet. „Das liegt vor allem daran, dass Nutzer über solche Ereignisse allein zu ihrer Sicherheit schnell Bescheid wissen müssen. Wenn so eine Nachricht dann auch noch oft geteilt wird, schnellt sie explosionsartig nach oben und viele Nutzer werden sie sehen„, so Scherg.

Vorbereitung auf „originale“ Fake News

Fishwrap operiert laut Recorded Future seit fast einem Jahr. Laut dem Unternehmen steckt dahinter eine politische Organisation oder eine Nation, die Angst und Verunsicherung verbreiten und User verfolgen will, die auf die Links geklickt haben. „Es gibt hier zwei Kandidaten: Entweder ist es eine von einem Staat finanzierte Kampagne oder eine Aktion der rechten Szene, denn sie konzentriert sich auf Terroranschläge, die mit Muslimen zu tun haben„, meint Truvé. Es könne sich aber auch um eine Form der Vorbereitung handeln, die Accounts sollen eine glaubwürdige Geschichte aufbauen, damit sie in Zukunft „originale“ Fake News verbreiten können.

Recorded Future hat keine spezifischen Infos über die Nutzer des Netzwerks. Truvé zufolge ist es extrem schwierig, gegen diese Aktion vorzugehen. „Die Kampagne bricht keine Gesetze, sie bricht nicht einmal die Richtlinien von Twitter„, sagt der Experte. Scherg sieht es dagegen als erforderlich, solche Kampagnen zu unterbinden. „Wird so ein Netzwerk entdeckt, kann man es ganz leicht komplett entfernen. Grundsätzlich muss man bei solchen Nachrichten sichergehen, dass sie von offizieller Stelle bestätigt wurden, ansonsten Finger weg davon„, rät der Kommunikationsexperte abschließend.

Bei dem Inhalt handelt es sich um eine Presseinformation von pressetext.


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