Zyklus-Apps am Smartphone geben sensible Daten weiter

Zyklus-Apps am Smartphone geben sensible Daten weiter

Von | 17. Februar 2020, 12:13

Zyklus-Apps sollen Frauen dabei unterstützen, ihre fruchtbaren Tage sowie ihre Regel im Blick zu behalten. Sie sammeln jedoch besonders sensible Daten und geben diese sogar weiter.

Zyklus-Apps am Smartphone geben sensible Daten weiter – Das Wichtigste zu Beginn:

Diese Apps fungieren als Notizblock für Frauen, um den Zyklus zu beobachten und zu kontrollieren. Die Prognosen der Apps lassen jedoch zu wünschen übrig. Noch dazu werden sämtliche intime Daten an Werbefirmen und auch Facebook weitergegeben.

Zyklus-Apps zählen mittlerweile zu den beliebtesten Gesundheits-Apps für Smartphones. Unter Teenagern belegen sie sogar Platz 2 im Ranking beliebtester Health-Apps, so das Forscherteam der amerikanischen Columbia University.

Virtueller Notizblock für Frauen

Gerne sind die Apps in Rot- oder Pinktönen designed, lieblich mit Cartoons, Blümchen oder Mondsymbolen gestaltet. Sie fungieren als Notizblock für Frauen, die mit Hilfe dieser Apps ihren Zyklus beobachten und kontrollieren wollen. Sei es, um eine Schwangerschaft zu planen oder zu verhindern oder sogar an das Einnehmen der Pille oder anderer Verhütungsmittel zu erinnern.

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Apps sammeln mehr Informationen als nötig

Bei diesen Apps kann man jede Menge Informationen eintragen, denn – so denkt man – umso mehr man die App mit Details füttert, umso zuverlässiger werden die Prognosen sein. So gibt man freizügig Daten zu Sport, Ernährung, Stimmung, aber auch zu Beschwerden wie Verdauungsproblemen ein. Sogar den Zeitpunkt des letzten Geschlechtsverkehrs kann man eintragen und auch, ob dieser geschützt oder ungeschützt war.

Was genau mit den eingetragenen Daten passiert und wer genau diese erhält, sei für Nutzer kaum nachvollziehbar.

„Es werden Daten einfach einmal gesammelt, unabhängig davon, ob man die dann braucht oder nicht. In weiterer Folge werden Profile erstellt und die Idee ist, dass man dann gezielt werben kann“, so Ulrike Docekal, Juristin beim Verein für Konsumenteninformation (VKI).

Schon allein beim Öffnen der App würden bereits viele Firmen Informationen erhalten.

Schwangere Frauen besonders wertvoll

Man kann davon ausgehen, dass eine Frau, die eine solche App nutzt, ihren Zyklus beobachtet, schwanger oder eben nicht schwanger werden will. Das ist natürlich für viele Firmen höchst interessant.
Laut der Menschenrechtsorganisation Privacy International haben allerdings Angaben von Schwangeren einen besonders hohen Wert für Werbetreibende. Die Daten einer Person sind in den USA circa 10 Cent wert. Geht es um eine schwangere Frau, sind es hingegen 1,50 US-Dollar. Der Nutzen für Werbefirmen liegt auf der Hand: Werdende Eltern legen sich einiges zu und ändern ihr Konsumverhalten. Mit der passenden Werbung kann man ihnen schon sehr einfach bei diversen Entscheidungen „unter die Arme greifen“.

Weitergabe der Daten an Werbefirmen und auch Facebook

Vom norwegischen Verbraucherrat NCC wurden kürzlich zehn beliebte Apps analysiert. Dabei wurde erhoben, welche Daten weitergegeben werden. Unter ihnen auch zwei Zyklus-Apps: „Clue“ und „MyDays“, die beiden von deutschen Entwicklern stammen.

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„Clue“ sendet das Geburtsjahr an AdTech-Firmen und auch die Advertising ID, die eine Art Werbeprofil darstellt, die auch an Facebook weitergegeben wird. „MyDays“ hingegen übermittelt den Standort, die IP-Adresse und eine List am Smartphone installierter Apps weiter.

Auch Privacy International analysierte vergangenes Jahr die Datenweitergabe von Zyklus-Apps. Die beiden Apps „MIA“ und „Maya“ geben intime Details an Facebook weiter. Ob die höchst sensiblen Daten sicher seien, könnte niemand garantieren, gibt Ulrike Docekal zu bedenken.
Auch könne man eventuelle Lücken nicht ausschließen. Man stelle sich vor, ein Arbeitgeber erfährt vom Ausbleiben der Regel als Hinweis auf eine mögliche Schwangerschaft. Ein hochproblematisches Thema.
Mehrere Apps, darunter auch „Maya“ haben nach dem Bericht von Privacy International Besserung versprochen.

Ulrike Docekal findet, dass man die Verantwortung eingegebener Daten nicht allein auf die Nutzerinnen abwälzen kann. Leider werden die bestehenden Gesetze oftmals nicht optimal umgesetzt.

„Es gibt bei Verstößen gegen das Konsumentenschutzgesetz die Möglichkeit, dass Einrichtungen wie der VKI oder die Arbeiterkammer eine Verbandsklage durchsetzen. Das gibt es beim Datenschutz derzeit in Österreich nicht“, so Docekal.

Apps unzuverlässig

Die deutsche Stiftung Warentest nahm 2017 23 Zyklus-Apps unter die Lupe. Das Ergebnis: viele Apps bestimmen weder Regelblutung noch fruchtbare Tage zuverlässig. Vor allem kostenlose Apps seien ungenau. Medizinische Quellen würden kaum genannt.
Zur selben Erkenntnis kam auch die Columbia University im Jahr 2016.

Quelle: ORF
Artikelbild: Shutterstock / Von Jacob Lund

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