Die zwei Darstellungen von ein und derselben Situation. Ein wunderbares Stück “Internetstory”, zu dem es sich lohnt, einfach mal auf verschiedene Quellen zu schauen. Nicht, um am Ende ein Urteil zu fällen, sondern um zu zeigen, welche Arten von Informationen auf die Leser und Teilnehmer sozialer Netzwerke prallen.

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Die Ausgangslage schreibt die Polizei: Zu einer Auseinandersetzung zwischen einer Gruppe von deutschen Personen und drei Asylbewerbern kam es am Sonntag (11.12.2016) gegen 03.00 Uhr bei einer Veranstaltung im „Werk ohne Namen“ in Sömmerda.
Nach ersten Erkenntnissen gerieten die Personen aus bislang ungeklärter Ursache in verbale Streitigkeiten.

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Aus bislang ungeklärter Ursache

Die Polizei schreibt weiter:

In Folge dessen kam es zu einer körperlichen Auseinandersetzung, wobei mehrere Personen deutscher Herkunft die drei männlichen Asylbewerber mittels Schlägen und Tritten traktierten.
Nachdem die drei Opfer zur Klärung der Angelegenheit durch den Sicherheitsdienst nach draußen verbracht worden, schlossen sich der Tätergruppierung weitere Personen an, sodass nun etwa 15 Personen versuchten, auf die Asylbewerber loszugehen. Diese flüchteten aus Angst und wurden von den ca. 15 Personen in Richtung Busbahnhof verfolgt und dabei mehrfach mittels volksverhetzender Parolen beleidigt. Im Anschluss entfernte sich die Tätergruppierung in unbekannte Richtung. Ein 24-Jähriger Iraker musste zur ärztlichen Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden, die anderen Beiden wurden leicht verletzt.
Im Rahmen des Einsatzes kam ein Großaufgebot polizeilicher Kräfte zum Einsatz. Ein 19-Jähriger Mann konnte als einer der Täter ermittelt werden.
Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Zeugen zum Vorfall werden gebeten sich unter Tel. 0361/ 7443 1465 zur Verfügung zu stellen.

Und dann gibt es das “Anonymousnews.ru”

Kurz zu der Info: bei “Anonymousnews.ru” muss man differenzieren: man darf hierbei nicht die bekannte “Hackerbewegung” assoziieren, sondern muss sich im klaren sein, dass hinter der Webseite der Betreiber von “Anonymous.Kollektiv” steckt (wir haben ausführlich beschrieben). Nun findet sich auf Anonymousnews eine Glorifizierung des des Inhaltes wieder [1]:

Laut Augenzeugenberichten haben sogenannte „Flüchtlinge“ auf dem Konzert in Sömmerda mehreren deutschen Frauen ungeniert in den Schritt gegriffen. Eine Gruppe mutiger Deutscher wollte das Treiben der 3 Neubürger nicht tatenlos hinnehmen und es kam zur Konfrontation. Da die Asylforderer wohlwollenden Worten gegenüber nicht zugänglich waren, taten die Deutschen das einzig Richtige und brachten die Quertreiber mit den Fäusten zur Besinnung.

Problematisch bei dieser Art der Darstellung ist immer die Nutzung von symbolträchtigen und stark wertigen Wörtern, sowie überreizten Bildern. Wenn man nun diesen Artikel auf die Kernaussage komprimiert, alle Polemik entfernt, so entnimmt man, dass nach Angaben des Verfassers im Vorfeld eine Belästigung durch die drei Asylbewerber ausging. Dies steht in Kontrast zu der Polizeiaussage “Aus bislang ungeklärter Ursache “.

Darstellung im Spiegel

Und auch der Spiegel hat sich mit diesem Thema befasst. Hier wiederum beschreibt der Text, dass die drei Männer unter wüsten Hetzparolen durch den Ort gejagt wurden [2]:

Im thüringischen Sömmerda hat ein rechter Mob drei Asylbewerber verfolgt und mit Schlägen und Tritten verletzt, andere Bürger verhinderten offenbar Schlimmeres.

Interessant an dieser Stelle: der Spiegel hat bei der Staatsanwaltschaft in Erfurt angefragt, ob Anzeigen aufgrund sexueller Belästigung oder Nötigung eingegangen seien. Dieses wurde gegenüber dem Spiegel verneint:

„Uns liegen keinerlei Erkenntnisse darüber vor, dass es im Vorfeld der Tat zu Übergriffen auf Frauen durch Ausländer gekommen ist“, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Erfurt.

Ein weiterer interessanter Hinweis, welcher sich an dieser Stelle sogar problemlos verifizieren lässt: an verschiedenen anderen Stellen (in Medien und auf Facebook) liest man von einer Hetzjagd durch den Ort. Hier revidiert der Bürgermeister des Ortes Sömmerda im Spiegel: die Konzerthalle und der Busbahnhof, bis zu dem die Verfolgung verlief, liegen nur 50m auseinander. Das kann man ohne Zweifel über GoogleMaps nachvollziehen.

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