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Das Blog „gehvoran.com“ berichtete am 24.04.2016 in einem Beitrag, dass am 23.04.2016 zwischen 05:37 Uhr und 07:38 Uhr UTC das Magnetfeld der Erde komplett zusammengebrochen sei. Dies, so heißt es in dem Artikel, könne in den nächsten Tagen diverse Auswirkungen für die Erde und ihre Bewohner haben.

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Update 26.04.2016 09:00 Uhr:
Ergänzende Hinweise zu dem im Artikel eingestellten Video über Zusammenhänge zwischen dem Large Hadron Collider (LHC) und dem angeblichen Zusammenbruch des Erdmagnetfelds. (Siehe unten)

Update 27.04.2016 09:00 Uhr:
Angaben zu den BATS-R-US Daten des NASA Space Weather Prediction Center detaillierter ausgeführt.


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Genau heißt es dort:

Der zweistündige Zusammenbruch des Erdmagnetfeldes kann in den kommenden Tagen zu extremen Wetterkapriolen und seismischen Ereignissen wie Erdbeben führen. Auch technische Probleme bei der Stromversorgung und bei der Nachrichtenübermittlung (GPS-Traffic / Satelliten) können auftreten. Das Absinken bzw. der zeitweise vollständige Kollaps des Erdmagnetfeldes bewirkt aber auch Bewusstseinsveränderungen bei den Menschen. So wird es spannend werden, welche globalen Veränderungen wir in den kommenden Tagen und Wochen beobachten dürfen. Denn zeitgleich mit dem Eintreten vermehrter Strahlung aus dem Kosmos wurde eine millionenfache Steigerung der Bovis-Einheiten auf der Erde festgestellt. Bovis-Werte sind eine Messeinheit, mit der die Lebensenergie von Substanzen, Organismen und Örtlichkeiten gemessen werden kann. Steigt die Lebensenergie auf der Erde, bedeutet dies einen extremen Schub an „erwachenden“ Menschen, die die Täuschungen der Regierenden hinter den Regierungen durchschauen und sich zunehmend als spirituelle Wesen entdecken. Die Sinne werden geschärft, auch einst verlorene, welche Hellsichtigkeit und Hellfühligkeit ermöglichen. Träume können in diesen Tage als sehr real erlebt werden und karmische Verstrickungen können wir auflösen, indem wir bewusst hinsehen, was in uns geschieht.

Nun, das ist zunächst einmal eine heftige Aussage. Was ist denn nun da dran? Im Grunde sind dies sogar zwei Aussagen, die beide so leider (oder zum Glück) nicht stimmen:

  1. Das Magnetfeld der Erde ist kürzlich für ein paar Stunden komplett kollabiert
  2. Dies kann u.A. für Probleme und Naturkatastrophen sorgen und beeinflusst das „Erwachen“ von Individuen

Sehen wir doch einmal genauer hin und fangen am besten einmal bei dem Erdmagnetfeld an, das wir begreifen sollten, wenn wir der Frage weiter auf den Grund gehen wollen: Woher kommt es, was tut es und was passiert momentan damit?

Woher kommt das Erdmagnetfeld?

Grob gesagt läuft im Erdinneren ein Prozess ab, den wir als „Geodynamo“ bezeichnen, und der für ca. 90 % des Erdmagnetfelds verantwortlich ist. Es wird Bewegungsenergie in magnetische Energie umgewandelt: Das flüssige Erdinnere ist in ständiger Bewegung, Konvektionsströmung genannt. Diese Bewegung des Materials, in Verbindung mit der Rotation der Erde, sorgt dafür, dass durch Induktionsvorgänge wie in einem riesigen Dynamo ein Magnetfeld entsteht. Die Magnetfeldlinien treten dabei bei den Polen aus der Erdkugel aus, reichen weit in den Weltraum und treten am jeweils anderen Pol wieder in die Erde ein. Die restlichen 10% des Erdmagnetfelds entstehen im Bereich der Erdkruste und durch Wechselwirkungen des Sonnenwindes mit der Ionosphäre in einer Höhe von ca. 350 – 1.000 km (darauf kommen wir später noch einmal zurück).

Was tut das Erdmagnetfeld?

Die Hauptaufgabe, oder besser: die wichtigste Rolle, die unser Magnetfeld für uns spielt, ist den Sonnenwind abzulenken. Der Sonnenwind, der eigentlich gar kein Wind ist, sondern ein Teilchenstrom, der uns von der Sonne ausgehend mit mehreren hundert Kilometern pro Sekunde trifft, wird durch das Magnetfeld um die Erde herum geleitet und nur ein Teil dieser hochenergetischen Teilchen treten im Bereich der Pole in die tieferen Atmosphärenschichten ein. Wenn sie dies tun, können wir dies als Polarlichter beobachten (auch dies wird später im Artikel noch eine wichtige Rolle spielen).

Durch den Sonnenwind ist das Magnetfeld an der sonnenabgewandten Seite quasi in die Länge gezogen, es wird regelrecht „flachgeweht“, um es mal salopp auszudrücken.

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(Bild: Vereinfachte Anschauung des Magnetfelds und des Sonnenwindes. Quelle: NASA, public domain)

Das Magnetfeld der Erde hält – entgegen einer relativ weit verbreiteten Meinung – jedoch NICHT die Atmosphäre fest. Dafür ist die Gravitation zuständig. Die Atmosphäre verschwindet also nicht einfach so schnell, wenn das Magnetfeld zusammenbrechen würde.

Was passiert momentan mit dem Magnetfeld?

Das Magnetfeld ist nicht fest, wie bei einem Stabmagneten, sondern ständig in Bewegung. Auch Nord- und Südpol sind nicht immer genau an ihrer aktuellen Position gewesen. Im Schnitt hat sich im Laufe der Erdgeschichte das Magnetfeld ca. alle 500.000 Jahre umgekehrt, das können wir aus dem Erdgestein der letzten 400 Millionen Jahre eindeutig herauslesen.

Der letzte „Polsprung“, die sogenannte „Brunhes-Matuyama-Umkehr“, fand vor rund 786.000 Jahren statt. Wenn man es so sieht, ist ein weiterer Polsprung also eigentlich überfällig. Und tatsächlich hat man in den letzten 200 Jahren einen Rückgang der Magnetfeldstärke um ca. 10 % feststellen können. Ebenfalls wandern die magnetischen Pole in der letzten Zeit so schnell wie nie zuvor. Es deutet also vieles darauf hin, dass in den nächsten ca. 1.500 bis 2.500 Jahren ein weiterer „Polsprung“ bevorsteht.

Nun muss man aber dazu sagen, dass ein „Sprung“ immer noch einen Zeitraum von ein bis mehreren hundert Jahren bezeichnet. Es ist also nicht so, als wenn man einen Schalter umlegen würde, der von jetzt auf gleich die Pole vertauscht.

Ein Polsprung: Grund zur Sorge?

Ein ganz klares: Nein. Die Menschheit wird nicht – wie mancherorts behauptet – ins Chaos gestürzt werden, wir werden nicht aussterben. Auch wenn es eventuell zu technischen Problemen kommen könnte, so bleibt immer noch genügend Zeit, entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Der „Sprung“ kommt wie schon beschrieben nicht plötzlich, sondern dauert mindestens 2 bis 3 Generationen.

Und selbst bei einem Polsprung verschwindet das Magnetfeld der Erde nicht völlig, es verliert nur einen Teil seiner Stärke. Der Sonnenwind würde nach wie vor um die Erde herum geleitet. Jüngere Computermodelle zeigen auch, dass selbst wenn das Magnetfeld komplett zusammenbrechen würde, innerhalb von ca. einer Stunde die Wechselwirkung des Sonnenwinds mit der Ionosphäre (siehe oben) ein Magnetfeld erzeugt würde, was immer noch ausreichend wäre, um den Sonnenwind zuverlässig abzulenken. Dem ist es nämlich herzlich egal, woher das Magnetfeld kommt. Diesen Effekt kann man übrigens an der Venus sehr schön sehen: Die Venus hat keinen „Geodynamo“, aber trotzdem lenken magnetische Filamente auf der sonnenzugewandten Seite den Sonnenwind ab.

Zudem hat die Menschheit auch schon mehrere „kleine“ oder kurzzeitige Polsprünge erlebt und (logischerweise) überlebt: Vor ca. 41.000 Jahren tauschten Nord- und Südpol für etwa 440 Jahre ihre Positionen, wobei der „Sprung“ selbst etwa 250 Jahre dauerte.

Ist denn nun am 23. April das Magnetfeld komplett kollabiert?

Kurze Antwort: Nein.

Längere Antwort:

In dem oben genannten Artikel wird durch folgende Bildsequenz suggeriert, dass das Magnetfeld eine Pause eingelegt hätte:

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(Quelle: Screenshot gehvoran.com)

Die 3 Darstellungen stammen aus dem „NASA Space Weather Prediction Center“. Dort kann man sich unter anderem den Verlauf der Magnetosphäre in einem Zeitrafferfilm für einen beliebigen Zeitpunkt darstellen lassen.

Die Abfolge der Bilder (Vor, während und nach dem Zusammenbruch) lassen vermuten, dass in allen drei Bildern die gleiche Ansicht zu sehen sei. Dann würde man diese Bilder vermutlich so interpretieren:

  • Erstes Bild: Das Magnetfeld ist anscheinend noch in Ordnung
  • Zweites Bild: Das Magnetfeld ist zusammengebrochen
  • Drittes Bild: Das Magnetfeld ist wieder vorhanden, aber irgendwie „anders“

Tatsächlich aber zeigen die Bilder nicht eine zeitliche Abfolge, sondern exakt einen Moment, allerdings drei komplett verschiedene Ansichten: Das obere Bild zeigt eine Seitenansicht (Y-cut) der magnetischen Feldlinien, das untere Bild eine Draufsicht (Z-cut) der Sonnenwindgeschwindigkeit, und das mittlere Bild veranschaulicht wieder ganz andere Messwerte, nämlich die, welche die Position der sogenannten „Magnetopause“, der Grenze des Magnetfelds darstellen.

Alle drei Bilder noch einmal mit Titel und Zeitangabe:

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Diese Angaben sind in dem Blogartikel jedoch nicht vorhanden, was einen völlig falschen Eindruck vermittelt. Wenn man dem Artikel weiter Glauben schenkt, sind auch die Messwerte für die fragliche Zeit aus den Aufzeichnungsmonitoren der NASA entfernt worden oder sind zumindest nicht vorhanden.

Dies suggeriert natürlich zunächst, man habe etwas zu verbergen. Stimmt das denn?

Nicht wirklich. Wenn man sich die Datenhistorie der verschiedenen Messwerte dort anschaut, so trifft man immer wieder auf Datenlücken, die verschiedene Ursachen von fehlerhaften Messdaten bis hin zu geplanten Wartungszyklen und damit verbundenen Pausen haben können. Manchmal fallen auch beispielsweise fehlerhafte Datensätze nicht sofort auf und werden vielleicht erst am nächsten Tag korrigiert bzw. aus der Historie entfernt. So wurden anscheinend auch in diesem Fall die fraglichen Stunden aus den Aufzeichnungen entfernt, weil sie keinerlei Sinn ergaben bzw. physikalisch nicht nachvollziehbar waren.

Dazu muss man wissen, dass die in diesen Bildern visualisierten Daten keine direkten Messergebnisse sind, sondern auf Berechnungen von anderen Messwerten beruhen. Auf extrem leistungsfähigen Parallelrechnersystemen werden dann mittels einem komplexen Berechnungsmodell die Daten erzeugt, die dann in den Bildern dargestellt werden. Sind die Eingabewerte, also die zugrunde liegenden Ausgangsdaten nicht vollständig oder fehlerhaft, so kann, sehr grob formuliert, quasi alles dabei herauskommen. (Wer’s genau wissen will: Weitere Informationen über die Eingabewerte, Berechnungen und die generierten Daten finden sich auf den SWMP/BATS-R-US Seiten des CCMC.)

Nicht zuletzt werden die in dem Artikel zitierten Daten mit dem Hinweis veröffentlicht: „This ‚Experimental Research Information‘ consists of preliminary NASA research products and should be interpreted and used accordingly.“ („Diese ‚Experimentellen Forschungsdaten‘ bestehen aus vorläufigen Forschungsergebnissen der NASA und sollten entsprechend interpretiert und genutzt werden.“) Sprich: Es wird für die Korrektheit der Daten keine Garantie übernommen (wenn aber augenscheinliche Fehler auftauchen, werden diese, wie hier geschehen, korrigiert).

Zudem finden sich in Messreihen aus anderen Quellen für den fraglichen Zeitraum keinerlei Unregelmäßigkeiten des behaupteten Ausmaßes. In den Aufzeichnungen des Advanced Composition Explorers (ACE) finden sich keine außergewöhnlichen Sonnenaktivitäten, die eine derart signifikante Änderung des Magnetfelds erklären würden, und von selbst kann das Magnetfeld nicht einfach in dieser beschriebenen Form zusammenbrechen und sich kurz darauf wieder aufbauen:

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(Quelle: www.polarlicht-vorhersage.de)

Darüber hinaus: Wenn das Magnetfeld wirklich für ein paar Stunden zusammengebrochen wäre, hätten wir überall auf der Erde sehr deutliche Polarlichter beobachten können. Allerdings gibt es weltweit keinerlei Berichte über solche Erscheinungen. Ebensowenig wurden Störungen von Satelliten gemeldet oder traten sonst irgendwelche Symptome auf, die auf ein zusammengebrochenes Magnetfeld schließen lassen würden.

Interessanterweise steht dieser Artikel, sowie seine dort verlinkte Quelle, mit der Behauptung eines Magnetfeldzusammenbruchs ziemlich alleine da. Die Bilder und Diagramme aus dem NASA Space Weather Prediction Center sind eindeutig aus dem Kontext gerissen um diese sehr abstruse Behauptung zu untermauern und sagen in diesem Sinne rein gar nichts aus.

Und was ist jetzt mit den Auswirkungen auf Individuen und das Erwachen?

Nun, was das angeht, so gibt es in diesem Blog diverse Artikel, die sich damit befassen. Das Blog, was jetzt „gehvoran“ heißt, und sich früher „2012Spirit“ nannte, verweist in diesem Zusammenhang auf den „Kosmischen Wetterbericht der Liebe“ [1]. Eine Seite, die mit beeindruckenden Diagrammen von „Gaia-Energie-Werten“ und dem „Pulsschlag von Gaia“ Vorhersagen über die spirituelle Aktivität der Lebensformen auf der Erde treffen möchte.

Auch im Programm auf dieser Seite: Livechanneling von Yeshua, Fernheilung via Skype, Krebsbehandlung mit grünen Smoothies, Heilung von Diabetes mit Fußmassage und Zahlen, …und natürlich auch: „Auf dem Weg zur Lichtnahrung“.

Noch Fragen?

Jedoch: Da das Magnetfeld nachweislich nicht zusammengebrochen ist (und auch nicht zusammenbrechen wird), ist es eigentlich müßig, sich darüber Sorgen zu machen. Und wenn es doch mal komplett zusammengebrochen sein sollte, dann haben wir ganz andere Probleme: Dann ist nämlich die Erde stehengeblieben.

Update 26.04.2016 09:00 Uhr

Was hat der LHC damit zu tun?

In einem weiteren Nachtrag mit dem Titel Info aus den USA: „There was no „in coming“, this was a collapse from inside“ wird in einem Video eine Verbindung zu Experimenten im Large Hardon Collider (LHC) im Forschungszentrum CERN in der Schweiz nahegelegt.

Wait, what..?

Ok. Halten wir noch einmal fest: Es gab keinen Zusammenbruch des Magnetfelds zu der angegebenen Zeit. Es gab, solange wir denken können, und auch solange wir mittels Untersuchung von Gesteinsschichten in die Vergangenheit zurückblicken können (mehrere hundert Millionen Jahre) keinen Zusammenbruch des Erdmagnetfelds. Ein totaler Zusammenbruch des Erdmagnetfelds in dieser beschriebenen Form ist physikalisch gesehen unmöglich. Daher ist der in dem von uns weiter unten eingebetteten Video beschriebene Zusammenbruch lediglich ein Gedankenexperiment. „Was wäre, wenn?“.

Was durchaus mal passiert: Das Magnetfeld wird zeitweise schwächer. Die Magnetopause rückt näher an uns heran. Das passiert, weil unser Magnetfeld eben dynamisch ist und von vielen Faktoren abhängt. Oder weil ein stärkerer Sonnenwind „bläst“. (Genauer gesagt: Weil der Teilchenstrom, der uns von der Sonne her trifft, durch z.B. eine Sonneneruption oder einen koronalen Massenauswurf zeitweise stärker wird.) Das ist dann ein im Volksmund ein sogenannter „Sonnensturm“ oder „magnetischer Sturm“. Diese können mitunter relativ stark werden und auch unter Umständen zeitweise für Störungen von Rundfunk oder Mobilfunk sorgen. Auch kann es gegebenenfalls Schäden an Satelliten geben. Im schlimmsten Fall kommt es vielleicht zu teilweisen Stromausfällen, weil Transformatoren durch in den Überlandleitungen fließende Ausgleichsströme überlastet werden. Das ist dann zwar „doof“, aber noch kein Untergang. Diese Störungen wären alle zeitlich begrenzt. Transformatoren kann man reparieren. Satelliten sind ersetzbar, bzw. man kann oder muss dann im schlimmsten Falle einmal auf den ein oder anderen verzichten. Das ist alles irgendwie machbar.

Zudem wird sowohl die Sonne, als auch die Magnetosphäre ständig beobachtet. Wenn so ein Sturm ansteht, wissen wir das im Schnitt ein bis mehrere Tage vorher und entsprechende Stellen können sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten darauf einstellen.

Was aber alle diese Phänomene gemeinsam haben: Sie sind natürlichen Ursprungs. Das „Weltraumwetter“ hat es immer schon gegeben und wird es auch immer weiter geben.

In dem Video wird suggeriert, dass ein Experiment am LHC für diesen Zusammenbruch verantwortlich sein kann oder zumindest irgendwie damit in Verbindung steht. Ganz kurz und knapp gesagt: „Sorry, aber das ist Blödsinn!“. Kann man wirklich nur so sagen. Der LHC leistet eine ganze Menge, aber weder sorgen die Expiremente dort für gefährliche „Schwarze Löcher“ [2], noch hat irgendetwas, was dort abläuft, irgendeinen messbaren Einfluss auf das Erdmagnetfeld.

Es ist natürlich leicht, und für manche Leser, die mit der Materie nicht vertraut sind, vielleicht auch logisch, zu vermuten, dass dort ein Zusammenhang besteht. Wer sich aber mit der Natur des Erdmagnetfelds und den im LHC ablaufenden Experimenten etwas näher befasst, wird erkennen, dass dort kein kausaler Zusammenhang bestehen kann.

Korrelation und Kausalität

Sicher stehen manchmal zwei Ereignisse in einem scheinbaren Zusammenhang. Aber Korrelation ist nicht Kausalität: So decken sich zum Beispiel, wenn man das in einem Diagramm betrachtet, die Anzahl der Personen, die in Swimmingpools ertrinken mit der Anzahl der Filme, in denen Nicolas Cage mitgespielt hat [3], es besteht dazwischen aber ganz sicher kein kausaler Zusammenhang.

Trotzdem behauptet die Seite „BP Earth Watch“ [4], dass ein Zusammenhang bestünde, und dass alles „planned from the inside“ sei. Man wolle auf solche Phänomene Einfluss nehmen, um das Schicksal der Menschheit zu steuern, der Weltuntergang stünde sowieso in absehbarer Zeit bevor.

Wenn man sich die Seite genauer anschaut, wird deutlich, in welche Richtung die Berichterstattung dort geht. Einmal mehr zeigt sich, wie wichtig es ist, Meldungen im Kontext ihrer Quelle zu deuten: Diese Seite berichtet über eine Reihe von Messdaten, die mehr (oder primär weniger) dazu geeignet sind, Rückschlüsse über einen potenziellen Weltuntergang zu ziehen. Passend dazu kann man dort auch Wasserfilter, „Survival Seeds“ und allerlei anderes „Prepper-Zubehör“ kaufen. (Als „Prepper“ werden Leute bezeichnet, die sich extensiv auf einen Weltuntergang oder einen Zusammenbruch der Gesellschaft vorbereiten, indem sie Vorräte anlegen, Bunker bauen oder sich in anderer Weise auf Katastrophen vorbereiten.)

Um es noch einmal ganz deutlich zu sagen:

  • Es gab keinen kompletten Zusammenbruch des Erdmagnetfelds am 23.04.2016, wie in dem Artikel beschrieben
  • Schwankungen der Stärke des Magnetfelds sind ganz normal und haben natürliche Ursachen
  • Was auch immer am LHC geforscht wird, hat weder Einfluss auf Sonnenaktivität, noch auf das Erdmagnetfeld

Ergänzung, 27.04.2016 11:00 Uhr:
Zwischenzeitlich hat sich auch der Astronom Florian Freistetter mit dem Thema beschäftigt. Sein Artikel ist hier zu finden. In seinem Blog „Astrodicticum Simplex“ schreibt er regelmäßig über das Universum, das auch ohne Bullshit und Geschwurbel schon spannend genug ist.

Abschliessend noch ein Video, in dem sich Prof. Harald Lesch mit dem Gedankenexperiment beschäftigt, was denn wirklich passieren würde, wenn das Magnetfeld tatsächlich einmal zusammenbrechen würde.

Quellen

Autor: Rüdiger