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An was denkst du, wenn du das Wort Cyborg hörst? An Science Fiction? An modifizierte Menschen? An die Welt, in der du lebst?

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Ich denke daran, dass die Filme aus meiner Jugend vielleicht schon eine kleine Vorschau auf das waren, wohin sich unsere Welt momentan entwickeln könnte.

Wenn Fiktion Wirklichkeit wird

Im Grunde bin ich als 80er-Jahre Kind ein Mensch der Gegensätze.

Ich bin mit analoger Technik groß geworden, habe viel draußen gespielt und bin trotzdem quasi in das digitale Zeitalter hineingewachsen. Ich gehöre zu der Generation, die sowohl die „alte“ wie auch die „neue“ Technik kennen gelernt hat.

Vor- und Nachteile.

Und ich habe als begeisterter Filme-Liebhaber jede noch so verrückte Idee auf VHS und später dann natürlich auf DVD konsumiert.

Was diese beiden Dinge gemeinsam haben?

Nun ja, je öfter ich durchs World Wide Web surfe, umso bewusster wird mir, dass ich zum Teil wohl schon auf diese kinematographische Art und Weise einen Vorgeschmack auf die Zukunft, meine heutige Realität, genossen hatte.

Der Cyberpunk lebt – durch uns

Dabei habe ich Filme wie Blade Runner, Tron und Terminator verschlungen. War es für mich früher undenkbar, dass derartige Technologie einst Wirklichkeit werden könnte, betrachte ich die heutigen Entwicklungen mit neugierigen und zum Teil besorgten Augen.

Die Welten, die mir diese Filme präsentierten, waren von Technik dominiert. Diese veränderte die Art und Weise, wie der Mensch lebt und wie er mit anderen sozial interagiert. Während ich mit dem Bleistift eine Kassette zurückspulte, sog ich solch düstere Zukunftsprognosen auf wie ein trockener Schwamm.

Habe ich den Cyberpunk früher hauptsächlich als Fiktion eingestuft, spielt er auch oder besonders heute, meiner Meinung nach, eine zentrale Rolle für uns alle.

Große Konzerne kontrollieren staatliche Monopolmächte. Kommerzialisierung und Urbanisierung mindert das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung. Die Menschen optimieren sich selbst, indem sie sich vernetzen, um sich anzupassen. Und Themen wie Chip-Implantate, Bodyhacking und künstliche Intelligenz sind heute schon Realität und für mich nichts mehr „Neues“.

Doch was passiert, wenn sich die Technik ändert, aber die Gesellschaft nicht?

Der Cyborg als Zukunftsbild

Wie sicher ist es wirklich, sich zu vernetzen? Seinen Körper vielleicht dem Internet zur Verfügung zu stellen?

Der Cyberpunk zeigt eine Welt, in welcher der Staat einem nicht mehr helfen kann. Der Anti-Held tritt in den Vordergrund, denn für Ordnung sorgen private, paramilitärische Sicherheitsdienste oder der kontroverse Protagonist, wie zum Beispiel der Hacker.

Aber sollte man das Bild dieses Anti-Helden anstreben? Bewegt er sich doch in einem Graubereich, zwischen illegalem Handeln und Selbstjustiz … Aber was tun in einer Welt, in der Privatsphäre ein Fremdwort geworden ist?

Betrachtet man diese zwei Seiten derselben Medaille, wird man sich nun fragen, was dies für uns heute bedeuten könnte. In unserer Welt, wo die Technik in den letzten 30 Jahren solch gigantische Sprünge gemacht hat, dass meine Filmchen wahrlich als Vorbereitung auf die Realität gewertet werden können.

Denkt doch nur mal an VR Brillen (Virtual Reality), die für jedes moderne Wohnzimmer bereits verfügbar sind und mit diesem in digitale Welten eingetaucht werden kann. Zugegeben, das Gefühl wird nicht haargenau dasselbe sein wie bei Tron, aber dennoch sind die Parallelen verblüffend.

Und was ist der nächste Schritt?

Mir kommt gerade wieder der Gedanke an Bodyhacking in den Sinn. Für wen Brillen zu umständlich sind, kann sich vielleicht bald Linsen einsetzen lassen, die drahtlos mit einem Implantat im Gehirn verbunden sind.

Zu utopisch für manchen Geschmack? Mag sein, doch das Beispiel an Neil Harbisson (siehe Link Bodyhacking) zeigt, dass kaum etwas unmöglich ist. Jemand der Farben sehen kann, wird vielleicht auch in der Lage sein, sich irgendwann eine Welt selbst zu bauen, wenn ihm die Welt nicht mehr gefällt, in der er sich gerade bewegt oder die er vorgesetzt bekommt.

Selbst die erfolgreiche Comedy Serie „The Simpsons“ spielt in einer Folge mit diesem Gedanken und nennt diesen interaktiv begehbaren Raum „Ultranet“. Einfach anstöpseln und adé schnöde Welt.

Für mich stellt Bodyhacking wie jede andere Art der Beeinflussung unseres Körpers, wie zum Beispiel Drogen, Alkohol oder Zucker, eine potenzielle Suchtquelle dar.

Kontrollwahn oder Fortschritt?

Süchtig nach dem Gefühl der Erhabenheit. Ich bin nicht mehr länger derselbe Mensch, der ich war. Ich stehe über anderen. Ich habe mich modifiziert und hebe mich mit meinen optimierten Fähigkeiten von anderen Menschen ab. Hier schwingt bereits der schale Geschmack des Machtgefühls mit und fortschrittlicher zu sein, als es die Generationen zuvor waren, gibt mir automatisch andere oder bessere Rechte.

Macht und Kontrolle spielen schon seit jeher eine massive Rolle im Werden des Menschen.

Kontrolle ist vielen wichtig. Dem einen mehr, dem anderen weniger. Aber ich kenne niemanden persönlich, der das Gefühl von Hilflosigkeit mag.

Schaut man sich manche Sportler heutzutage an, optimieren sie ihr Training mit allerlei Gadgets und überwachen sich selbst rund um die Uhr. Doch Daten und Auswertungen, die ins World Wide Web gelangen, um ausgewertet oder schlichtweg festgehalten zu werden, sind hackbar.

Alles was vernetzt wird, ist im Grunde hackbar und somit schaut vielleicht ein Augenpaar mehr mit, als einem lieb ist, denn auch im Cyberpunk ist Privatsphäre und Schutz vor Überwachung ein heißes Thema, wenn nicht sogar illegal.

Legen wir doch einmal den Cyberpunk in die eine Waagschale und unserer Realität in die andere. Welche Schale senkt sich wohl eher ab? Gibt es noch ein gravierendes Ungleichgewicht zwischen Fiktion und Realität?

Ich für meinen Teil beobachte diese Entwicklung mit wachsamen Augen, denn ich liebte es als Kind im Dreck zu spielen. Sterile Implantate waren somit nie mein Fall.

Und auch sonst fühle ich mich ohne Körperschmuck am wohlsten. Würde mich jemand überreden wollen, ein tätowierter EAN-Code in Kombination mit einem unter die Haut implantierten Chip wäre sinnvoll für mich, würde ich lächeln und doch mit ernstem Blick sagen:

Du hast wohl zu viele Cyberpunk-Filme in deiner Jugend gesehen.