Der Begriff „Fake News“ wird mittlerweile fast inflationär gebraucht, so auch von der Seite „katholisches.info“, welche behauptet, der Zusammenhang von Zika-Virus und Mikrozephalie sei eine „Fake News der Abtreibungslobby“. Wir werfen dazu mal einen Blick auf die neuesten Forschungsergebnisse.

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„Ein Jahr danach ist es amtlich: Zika-Virus und Mikrozephalie war eine Fake-News der Abtreibungslobby“

…so titelt „katholisches.info“ ihren Artikel.

Weiter heißt es:

„Monatelang wurde schwangeren Frauen die Abtreibung „empfohlen“, weil durch Stechmücken der Zika-Virus übertragen wird, der bei Neugeborenen zu Mikrozephalie führe. Dazu wurden von Medien weltweit schaudererregende Bilder von mißgebildeten Kindern veröffentlicht. Heute redet kein Mensch mehr von einer Verbindung zwischen Zika und Mikrozephalie. Dreimal darf man raten warum: Weil es einen solchen Zusammenhang nie gegeben hat.“

Konkret geht es in dem Artikel darum, dass „die Abtreibungslobby und internationale Institutionen“ Druck auf Brasilien ausüben würden, deren Abtreibungsgesetze zu lockern, da Abtreibungen in Brasilien grundsätzlich verboten und nur in Ausnahmefällen erlaubt sind. So haben jene Institutionen einen „Zika-Hype“ dazu genutzt, mehr Druck auszuüben, in Wahrheit gäbe es aber keinen Zusammenhang zwischen einer Zika-Infektion und dem Geburtsfehler Mikrozephalie.

Die Behauptungen

– Unter der Zwischenüberschrift „Kein Zusammenhang zwischen Zika-Virus und Mikrozephalie nachweisbar“ berichtet der Artikel:

„Was verursacht der Zika-Virus wirklich? Fieber, Muskel- und Gliedschmerzen, Bindehautentzündung, Erschöpfung. Alles geht innerhalb einer Woche vorbei, ohne Folgen zu hinterlassen. Tatsächlich gab es keinen einzigen Todesfall. Eine Grippe, die ähnliche Symptome aufweist, ist weit gefährlicher als der Zika-Virus.“

Das stimmt leider nicht so ganz. Zwar stimmen die im obigen Absatz beschriebenen Symptome, doch ist es beileibe nicht so, dass eine Infektion mit dem Zika-Virus keine Folgen hinterlässt. Erst im Februar 2017 hat ein Team an der University of Texas Medical Branch“ herausgefunden, dass der sogenannte asiatische Hauptstamm des Zika-Virus die Gehirnstammzellen eines ungeborenen Kindes angreifen und sie daran hindern, sich zu Nervenzellen zu entwickeln und zu vermehren, ein typisches Symptom von Mikrozephalie. Allerdings, so Ping Wu, Senior Author der Studie und UTMB-Professor in der Abteilung Neurowissenschaften & Zellbiologie, verhalte sich der Zika-Virus bei verschiedenen Spendern anders, so dass ein genetischer Zusammenhang genauer untersucht werden muss.

Anders gesagt begünstigt der Zika-Virus eine Mikrozephalie, ist allerdings nicht der einzige Faktor.

Am vergangenen Mittwoch veröffentlichte der WHO-Direktor des Department of Strategy, Policy and Information Christopher Dye zusammen mit Kollegen im New England Journal of Medicine einen Bericht, dessen Inhalt sich mit den Worten zusammenfassen läßt: Es gibt keine Beweise für einen Zusammenhang zwischen Zika-Virus und Mikrozephalie.

Netterweise hat katholisches.info jene Quelle auch verlinkt, so dass wir uns diesen Bericht selbst ansehen können. Dabei wird allerdings sofort klar, dass die obige Zusammenfassung, es gäbe keine Beweise für einen Zusammenhang zwischen Zika-Virus und Mikrozephalie, falsch ist.

Ganz im Gegenteil zeigt der Bericht sogar grafisch auf, dass es einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Infektion mit Zika und dem Auftreten von Mikrozephalie gibt:

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Allerdings zeigt die Grafik noch etwas anderes: Anfang 2016 wurde ein weiterer Anstieg von Mikrozephalie erwartet (gestrichelte Linie), welches jedoch nicht eintrat. Wie kommt das?
Der Bericht nennt dazu drei mögliche Gründe:

1. Durch die hohe Infektionsrate im Jahre 2015 gab es eine Herdenimmunität gegen den Virus, die Mikrozephalie-Fälle hängen evtl. mit anderen Arboviren zusammen, die ebenfalls von Stechmücken übertragen werden. In Verdacht stehen der Dengue-Virus und der Chikungunya-Virus, aber während bei der Infektion mit Ersterem auch Mikrozpehalie auftreten kann, ist dies bei Zweiterem nicht erwiesen. Auch ist die Verbreitung des Dengue-Virus nicht so stark, als dass es die Mikrozephalie-Fälle erklären könnte.

2. Eine Zika-Infektion ist nicht der alleinige Verursacher von Mikrozephalie, auch andere, bisher unbekannte, Faktoren spielen da mit herein. Hier greifen die Forschungen der oben genannten „University of Texas Medical Branch“, welche einen genetischen Zusammenhang vermuten.

3. Eventuell gab es auch Anfang 2016 weniger Schwangerschaften oder mehr Schwangerschaftsabbrüche aus Angst vor Mikrozephalie, allerdings lagen dazu noch keine gefestigten Daten vor.

Der Bericht schließt mit folgendem Absatz:

„Von diesen Hypothesen ist die bisher Plausibelste, dass sowohl der Zika- als auch der Chikungunya-Virus die größten Auslöser für das Guillain-Barré Syndrom (GBS) sind, allerdings löst nach bisherigen Erkenntnissen nur der Zika-Virus Mikrozephalie und andere neurologische Störungen aus, wenn man sich während der Schwangerschaft infiziert. Trotzdem schließen sich die obigen drei Möglichkeiten nicht gegenseitig aus, es lässt sich aber nach dem jetzigen Kenntnisstand keine ausschließen oder bestätigen. Weitere Untersuchungen sind somit nötig, begleitet von sensitiveren und spezifischeren Diagnosemöglichkeiten und der vorsichtigen Intepretation der künftigen Daten, um den Zusammenhang von einer Infektion mit Arboviren, GBS und Mikrozephalie in Brasilien zu klären.“

 

Fazit

In dem von „katholisches.info“ verlinkten Bericht, der beweisen soll, dass der Zika-Virus in keinerlei Zusammenhang mit Mikrozephalie steht, es sich folglich um „eine Fake News der Abtreibungslobby“ handelt, wird genau Jenes ganz und gar nicht behauptet. Ganz im Gegenteil wird herausgestellt, dass eine Infektion mit dem Zika-Virus immer mitspielt, es allerdings noch andere Faktoren außer jener Infektion gibt, die zu einer Mikrozephalie führen.

Somit ist die Überschrift und der Artikel von „katholisches.info“, dass der Zika-Virus als Auslöser von Mikrozephalie eine Fake News sei, genau das, was sie anprangern: Eine Fake News!

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