Über das Zentralmelderegister der Schulinstitute (ZeSch)

Über das Zentralmelderegister der Schulinstitute (ZeSch)

Von | 8. Oktober 2018, 9:32

Lehrer melden, die im Unterricht durch rechtspopulistische oder sogar rechtsradikale Äußerungen aufgefallen sind.

So kann man sinngemäß die Aufgabe des Zentralmelderegister der Schulinstitute (ZeSch) interpretieren. Das ZeSCH beschreibt sich als Willkommenstext auf seiner Webseite so:

Herzlich willkommen beim Zentralmelderegister der Schulinstitute (ZeSch), dem bundesweiten Melderegister für demokratiegefährdende Pädagoginnen und Pädagogen.

Was da genau hintersteckt, wo Ungereimtheiten auftreten und warum diese Idee besonders kritisch zu sehen ist, wollen wir im Folgenden genauer anschauen.

Screenshot Mimikama.at

Screenshot Mimikama.at

Statements der Webseite

Was die Webseite behauptet:

Hetze, Stimmungsmache, Falschbehauptungen: Zunehmend greifen Pädagoginnen und Pädagogen durch das Aufgreifen rechtspopulistischer und rechtskonservativer Narrative manipulativ das Unterrichtsgeschehen und weitere schulische Kontexte an, wodurch unsere demokratischen Wertvorstellungen einer wachsenden Gefahr ausgesetzt werden. Sie behindern so die Auseinandersetzung mit aktuellen politischen Themen und verstoßen gegen den Auftrag, Kindern und Jugendlichen einen kritischen Umgang mit demokratiegefährdenden Strömungen zu vermitteln.

Darunter befindet sich ein Formular, über welches man detailliert Angaben über Lehrkräfte machen kann. Zumindest suggerieren die Formularfelder es so:

Screenshot Mimikama.at

Screenshot Mimikama.at

Was hier genau mit den übersendeten Daten passiert, ist indes unklar.

Ungereimtheiten:

Auf der Seite wird eine ehrenamtliche Unterstützerin mit dem Namen Gerlinde Pauli zitiert, die nach Angaben von ZeSCH Lehrerin einer weiterführenden Schule in Berlin sei. Sie wird mit folgenden Worten wiedergegeben:

„Leider gibt es auch unter den Lehrern und Mitarbeitern der Schulen und schulischen Einrichtungen immer wieder ideologisch getriebene Kollegen, die Bildung mit politischer Manipulation verwechseln. Das sollten wir nicht weiter tolerieren, wenn uns unsere Demokratie am Herzen liegt.“ 

Zumindest das Bild, welches Gerlinde Pauli darstellen soll, zeigt NICHT Gerlinde Pauli.

Screenshot Mimikama.at

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Es handelt sich hierbei um ein Bild der Stockfoto-Plattform Pixabay mit dem Titel „Business Frau Frau Sekretärin“. Die Fundstelle befindet sich hier: pixabay.com

Genannte Inhaber

Als Initiator der Seite wird eine Gruppe mit dem Namen „Stay behind Foundation 2018″ angegeben. Der Begriff ist nicht ohne Bedeutung, denn es gibt beispielsweise auf Wikipedia einen Eintrag zu diesem Begriff. Dort liest man:

Als Stay-behind-Organisation oder Stay-behind (von engl. stay behind, „bleib zurück/dahinter“; Rücklass-Organisation oder Überrollgruppe) wird eine geheime paramilitärische Widerstandsorganisation bezeichnet, die im Fall einer feindlichen Besetzung eines Staates oder Teilgebieten davon hinter der Front nachrichtendienstliche Aufklärung leisten und Sabotageakte gegen die Besetzer verüben soll.

Wir gehen jedoch NICHT davon aus, dass es sich hierbei um ein und dieselbe Gruppierung handelt. Der Zusatz „2018″ im Namen deutet in unseren Augen darauf hin, dass hier eher mit dem Namen und seiner Bedeutung gespielt wird.

Hinterleute?

Zu diesem Zeitpunkt steht nicht öffentlich fest, wer das Zentralmelderegister der Schulinstitute (ZeSch) betreibt. Insofern schätzen wir die Seite als eine von Aktivisten gestartete Aktion ein, bei der tatsächlich ein Formular zur Meldung von „demokratiefeindlichen“ Lehrkräften ausgefüllt werden kann.

Optisch betrachtet bekommt man zumindest nach dem Betätigen des „Lehrkraft melden“ Buttons ein Feedback, dass die Angaben entgegen genommen wurden.

Screenshot Mimikama.at

Screenshot Mimikama.at

Wir werden an dieser Stelle weiter dran bleiben und ein wenig „bohren“, um genauer herauszubekommen, wer dahinter steckt.

Kritisch!

An dieser Stelle endet das normale Debunking, jedoch möchten wir in ein paar Sätzen anmerken, dass wir diese Art von Meldungen äußerst kritisch sehen. Das anonyme melden von Pädagoginnen und Pädagogen halten wir für sehr gefährlich und problematisch. Die hier angewendete Methode ist, auch wenn sie sich selbst als Maßnahme gegen Demokratiefeinde bezeichnet, selber extrem menschenverachtend und demokratiefeindlich. Was sich hier als  Zentralmelderegister ausgibt, gehört zwingend auf Dauer unterbunden, da es in dieser Form einen extrem manipulativen Eingriff auf den Schulalltag darstellen kann.

Ferner kann es Pädagoginnen und Pädagogen in große (unbegründete) Gefahr bringen, wenn sie auf einmal auf „Listen“ erscheinen. Niemand weiß, wie und wann solche Listen verwendet werden können.

Wir bitten daher darum, das Zentralmelderegister der Schulinstitute (ZeSch) nicht zu nutzen!


Update!

Mittlerweile steht fest, welchen Anlass und welches Ziel die Webseite hat. Hier geht es zu unserem Folgeartikel:

>>> Der AfD den Spiegel vorgehalten

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