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Das Streamingportal YouNow erhitzt die Gemüter. Aufgrund seiner einfachen Bedienbarkeit und hohen Reichweite speziell bei Jugendlichen sehr beliebt, rückt es bei Daten- und Jugendschützern immer mehr in die Kritik.

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In unserem Vorbericht zur allgemeinen Funktionsweise von YouNow haben wir bereits beschrieben, das diese Plattform genau das ist, was die Nutzer daraus machen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. YouNow bietet, wenn man es neutral beschreibt, zunächst lediglich die Möglichkeit, seine eigenen Inhalte zu präsentieren.

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Nichts anderes geschieht im TV auch. Entertainer stellen sich und ihre Shows dar. Ein Stefan Raab zum Beispiel spricht seit vielen Jahren zu einem Publikum. Wer halt nicht ganz so berühmt ist, greift auf andere Trägermedien zurück, und somit stellt YouNow für den halbwegs talentierten Amateur-Entertainer eine legitime Plattform dar, um eine eigene Show zu machen.

Für Kleinkünstler eine durchaus angebrachte Lösung, aber auch für Gruppen, die Informationen mit direktem Feedback verbreiten wollen, eine interessante Lösung. So sehen zumindest die nutzbaren Vorteile der Plattform aus. Im Gegensatz zu Twitter oder Facebook ist eine semiprofessionelle Verbreitung von Inhalten über YouNow jedoch mit einem höheren Arbeitsaufwand und Schwierigkeitsgrad verbunden, da die Übertragung live abläuft.

Dafür ist man aber auch direkt bei seinem Publikum und kann interagieren.

Licht  und Schatten

Diese wünschenswerten Inhalte bilden jedoch aktuell nicht den Hauptbestandteil von YouNow, sondern die “Kinderzimmerformate” fluten das Portal.

YouNow ist in den letzten 6 Monaten erst als Trendportal auf dem deutschen Markt bekanntgeworden. auch wenn YouNow schon seit 2011 in den USA bekannt ist. Die Broadcasts (Sendungen) sind sprungartig angestiegen und steigen auch weiterhin an. In der großen Mehrheit: Jugendliche.

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Grundsätzlich ist das in der ersten Instanz kein Problem. YouNow ist offiziell ab einer Altersgrenze von 13 Jahren nutzbar, also so wie auch Facebook. Das Problem besteht jedoch darin, dass absolut keine Kontrollmechanismen vorhanden sind, so dass sich auch wesentlich jüngere Teilnehmer auf der Plattform tummeln, welche mit den Inhalten teilweise gar nicht umgehen können.

Zu jung, zu anonym, zu unbedarft

Das größte Problem, was aber auch gleichzeitig aktuell der Hauptattraktionspunkt von YouNow ist:minderjährige Jugendliche erzählen alles aus ihrem Leben. Wirklich alles. Es wird geredet, wie der Mund gewachsen ist. Es werden Angaben gemacht, die weit über das hinausgehen, was man eigentlich fremden Personen erzählen sollte. Wohnort, Alter, Kleidung, Lebenssituation und teilweise auch intimere Angaben. All das nur, um in der Rangliste bei YouNow nach oben zu steigen. Eine völlig verquerte Interpretation von “Fame”. Nur wer alles von sich preisgibt, der wird auch berühmt. Nur wer viel sagt, steigt in der Rangliste auf.

Das ist jedoch ein Irrglaube, der dummerweise von großen Medien vorgelebt wird. Denn solange man irgendwelchen D bis Z-Promifamilien bis in kleinste Detail im TV auf Yachten oder Parties in Monaco folgen kann, werden Menschen auch immer davon überzeugt sein, dass diese intime Preisgabe auch dienlich ist, um Prominentenstatus zu erreichen.

Nunn gut, überzeugt davon, dass die Preisgabe von intimen Details die eigene Berühmtheit steigert, erzählen Kinder und Jugendliche freizügig Inhalte daher und gehen auf Nutzerfragen ein. Das lockt natürlich auch Personen, die den jungen Darstellen nur bedingt gut gesonnen sind.

Trolle, Loverboys und Pädophile

In das Publikum schleichen sich nun immer wieder Zuschauer, die den Darstellern absichtlich intime Fragen stellen und zu Antworten drängen, die nicht dem Alter gemäß sind. In vielen Berichten zu dem Portal wird dann von Pädophilen gesprochen, doch diese sind nur eine der potenziell gefährlichen Gruppen in dem Portal. Nicht jede Aufforderung zur Preisgabe intimer Details stammt von Pädophilen, sondern auch durchaus von Trollen, welche einzig das Ziel haben, junge und unerfahrene Menschen bloß zu stellen.

Gerade diese Aspekte alarmieren nun speziell die Eltern, da sie oftmals gar nicht wissen, was hinter geschlossenen Kinderzimmertüren geschieht oder was heimlich von Schulhöfen und Klassenräumen gesendet wird. Das Missbrauchspotential ist bei solchen Übertragungen sehr hoch und an dieser Stelle muss auch YouNow als Dienst aktiv werden und gewisse Kontrollinstanzen einführen.

Eltern und Lehrer oftmals unerfahren

YouNow ist, speziell im deutschsprachigen Raum, ein junges Format, in dem die Kinder ihren Eltern weit voraus sind. Das macht es für Eltern sehr schwer zu verstehen, was genau geschieht. Falsch ist es jedoch, generell YouNow jetzt zu verteufeln und die Ursache bei der Plattform selbst zu sehen. Man kann kann durchaus einen Vergleich zum Straßenverkehr ziehen: die Teilnahme am Straßenverkehr ist gefährlich, aber man weiß sich richtig zu verhalten. Warum? Weil man es beigebracht bekommen hat.

Auf YouNow gibt es aber niemanden, und Eltern können aus Unwissenheit über das Thema mit ihren Kindern nur schwer reden

Lehrer sind ungewollt auch betroffen, da der Schulhof und das Klassenzimmer beliebte Sendeorte sind. Dank Smartphone und LTE gar kein Problem. Hier werden Lehrer und Mitschüler schnell zu ungewollten Darstellern. Auf das juristische Problem hierzu werden wir in einem späteren Artikel eingehen.

Was man jedoch generell sagen muss: es herrscht Aufklärungsbedarf!  Ein reines Verbot wird Jugendliche nicht aus dem Portal fernhalten, im Gegenteil, das macht es sogar reizvoll.

Man sollte vielmehr eine Mediensensibilität schulen, so dass die YouNow Darsteller sich schon vorher im klaren sind, was sie von sich geben können, und was am Besten überhaupt nicht. Grundlegend sollte man sich merken: im Netz immer nur das preisgeben, was man auch fremden Menschen auf der Straße sagen würde. Und das ist nicht viel.

Eine kleine Vorschau

Im nächsten Themenbericht zu YouNow werden wir genau auf die Verhaltensweisen eingehen, wie man sie in Netzwerken beherzigen sollte. Was geht – und was geht nicht. Viel Spaß wünschen wir zum Abschluss dieses Berichts mit dem VIdeo des YouTubers LeFloid, der wichtige Verhaltenspunkte anspricht.

Autor: Andre, mimikama.at