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Im September 2018 war die Aufregung groß: Das FBI schloß mit großem Aufwand ein Observatorium in New Mexico.

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Doch es wurde augenscheinlich noch mysteriöser: Zeitgleich sollen sechs weitere Observatorien weltweit geschlossen worden sein, so die Gerüchteküche. Die Verbreiter jenes Gerüchtes waren sich über den Grund einig:
Jene Observatorien haben etwas entdeckt, was sie nicht hätten entdecken dürfen! Vielleicht Planet X, vielleicht eine Alien-Armada?

Die echte Schließung

Tatsächlich schloß das FBI das Sunspot Solar Observatory on Sacramento Peak in New Mexico. Wie der Name schon sagt, ist dieses Observatorium speziell für die Sonnenbeobachtung ausgelegt. So Mancher sah sich nun berufen, Hobby-Forscher zu spielen und machte Fotos der Sonne mit dem Smartphone.

Screenshot mimikama.at
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Jene obigen Fotos verbreiteten sich am Meisten: Es soll ein riesiges UFO nahe der Sonne zeigen, fotografiert mit einem iPhone 8. Leider konnte anscheinend niemand anderes diese Behauptung verifizieren, und wer Smartphone-Kameras kennt, weiß eigentlich, dass Linsenspiegelungen, besonders wenn man so intelligent ist, damit die Sonne fotografieren zu wollen, nur natürlich sind.

Smartphones sind also denkbar ungeeignet, um eine Verschwörung aufzudecken, aber warum wurde das Observatorium vom FBI geschlossen?

Die Association of Universities for Research in Astronomy (AURA) liefert die Erklärung:
Der Grund der Schließung waren keine Aliens, sondern höchst irdischer Natur!

„AURA kooperiert mit einer laufenden polizeilichen Untersuchung krimineller Aktivitäten am Sacramento Peak. Während dieser Zeit wurden wir unterrichtet, dass ein Verdächtiger in der Untersuchung möglicherweise eine Bedrohung für die Sicherheit des lokalen Personals und der Anwohner darstellt. Aus diesem Grund hat AURA die Einrichtung vorübergehend verlassen und die wissenschaftlichen Aktivitäten an diesem Standort eingestellt.“

Die entgültige Lösung klingt nun noch ein wenig undramatischer:
Der Hausmeister verbreitete über das WLAN des Observatoriums Kinderpornographie. Das FBI schloss deswegen das komplette Observatorium, damit der Mann keinen Verdacht schöpfen würde. Zudem musste sichergestellt werden, dass keine Beweise vernichtet werden und ob der Hausmeister allein agierte oder noch andere Mitarbeiter des Observatoriums in die Sache involviert waren.

Die anderen Schließungen

Der angebliche Beweis für die Schließungen findet sich auf diversen Seiten: Die ausgeschalteten Webcams.

All these solar/space cams down at the same time:

Dann gehen wir mal die Webcams durch!

  • Sidney, Australien: Der Link führt zu einer Webcam, die nicht mehr im Betrieb ist, die Webcams des Observatoriums finden sich hier
  • Chile: Dieser Link existiert seit über zwei Jahren nicht mehr, es wurde damals zu der neuen Seite umgeleitet, die sich hier findet
    Screenshot mimikama.at
    Screenshot mimikama.at

     

  • Spanien: Die Seite existierte zuletzt 2017, zudem führte der Link nicht einmal direkt zu einer Telescope-Webcam, sondern zu einer Aussenansicht. Hier finden sich die aktuellen Kameras
  • Manua Kea, Hawaii: Diese Kamera ist seit Mitte 2017 offline, auf der Webseite ist seitdem dasselbe Bild zu sehen
  • Canada-France, Hawaii: Diese Kamera ist seit November 2017 offline
  • Pennsylvania: Die Domain ist seit mindestens Mai 2018 ausgelaufen und nicht neu vergeben worden

Fazit

Von den sieben Observatorien wurde nur eines tatsächlich vom FBI geschlossen, der Grund war der Hausmeister, welcher über das WLAN Kinderpornographie verteilte.
Die anderen sechs Observatorien wurden nie geschlossen. Der einzige Beweis, die „ausgeschalteten Webcams“, sind kein Beweis, da die Links alle veraltet sind. Jene Webcams sind schon seit Monaten ausgeschaltet oder haben schon längst andere Internet-Seiten.

Vermutlich hatte da mal jemand Links zu den Webcams gebookmarkt, ist diese Links alle durchgegangen, festgestellt, dass sie nicht mehr gehen und hat daraufhin diese Verschwörungstheorie entwickelt.

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