Artikelbild: chaivit chana / Shutterstock.com
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Die Möglichkeit, mit dem Smartphone zu bezahlen, gibt es schon seit geraumer Zeit. WhatsApp soll das in Zukunft auch können.

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Zumindest, wenn es nach den Plänen Mark Zuckerbergs geht. 2018 konnten bereits ausgewählte Nutzer in Indien ihre Bankgeschäfte per WhatsApp erledigen, 2019 soll diese Funktion nun auch in anderen Ländern eingeführt werden, wie Zuckerberg in einem langen Beitrag auf Facebbok in einem kurzen Satz anspricht:

„We’ll roll out payments on WhatsApp in some more countries.“

Wie soll das funktionieren?

Die Seite „The Quint“ konnte diese Funktion aktivieren und beschreibt, wie dies dann praktisch abläuft:

Bildquelle: The Quint
Bildquelle: The Quint

Demnach findet sich in den Einstellungen zukünftig eine neue Funktion namens „Payments“, im deutschsprachigen Bereich also wahrscheinlich „Bezahlmethode“.
Beim Tippen auf die Funktion kann man dann eine Bank auswählen, über die die Zahlungen laufen sollen. Und zum Schluss muss man noch die Telefonnummer verifizieren.

Die Besonderheit in Indien

Nun fragt man sich sicherlich, warum es so einfach möglich ist, eine Bank mit WhatsApp zu verknüpfen, schließlich handelt es sich ja um sehr vertrauliche Daten.
In Indien ist dies möglich, da dort WhatsApp eine Kooperation mit UPI (Unified Payments Interface) eingegangen ist. Dabei handelt es sich um eine Schnittstelle, die von der Reserve Bank of India reguliert wird und den Geldtransfer zwischen zwei Banken erleichtert.

WhatsApp selbst darf nicht einfach so das Geld zwischen zwei Nutzern transferieren, da WhatsApp bzw. dessen Besitzer Facebook kein Geldinstitut ist. Deswegen dient WhatsApp in Indien quasi einfach als alternative Nutzerplattform für UPI:
Wenn beide Nutzer die Zahlfunktion auf WhatsApp aktiviert haben, kann durch einen vierstelligen Zahlencode Geld transferiert werden.

Ist das hierzulande möglich?

Das ist nun die große Frage! Ist es in Indien noch recht einfach gewesen, WhatsApp dank des UPI-Systems als Bezahlplattform zu integrieren, sieht dies hierzulande schon ganz anders aus.
WhatsApp müsste bei jeder Bank einzeln anfragen, ob sie bei diesem System mitmachen würden, also ob sie ihren Kunden ermöglichen möchten, per WhatsApp Überweisungen tätigen zu können. Und da wird es schon schwierig, da Banken kein einheitliches System zur Online-Zahlung haben: Man kann beispielsweise keine Sparda-Karte mit einem Sparkassen-TAN-Gerät nutzen.
Logistisch wäre es also schonmal ein riesiger Aufwand, diese Bezahlmethode hier einzuführen.

Aber wir wären nicht Mimikama, wenn wir nicht auch noch andere Zweifel hätten:

Neue Möglichkeiten für Betrüger

Wenn Geldscheine rascheln, bekommen Betrüger große Ohren:
Bei der Einführung einer solchen Funktion kann man schon fest damit rechnen, dass dann die ersten Phishing-Mails auftauchen werden und es gefälschte WhatsApp-Nachrichten geben wird, um direkt über WhatsApp an das Geld der Nutzer zu geraten.

Fazit

Die End-to-End Verschlüsselung mag sicherlich ein Argument sein, diese Zahlmethode zu nutzen. Doch die beste Verschlüsselung bringt nichts, wenn am anderen Ende nicht etwa ein Bekannter sitzt, sondern ein Betrüger.
Zudem ist es fraglich, ob und wieviele Banken hierzulande bei dem System mitmachen werden. Und nicht zuletzt gibt man damit auch WhatsApp bzw. Facebook die Bankdaten preis, was im Blick auf bisherige Datenleaks jetzt auch nicht gerade das Vertrauen fördert.

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