Artikel Vorschaubild von Andrey_Popov / Shutterstock.com
Artikel Vorschaubild von Andrey_Popov / Shutterstock.com

Glatte Lügen und ein teures Ende: laut gesponserter Facebookanzeige betreibt Möbelhaus XXXLutz wieder eine berühmte Weihnachtspromo.

- Sponsorenliebe | Werbung -

Dieser Beitrag wird verschiedenen Menschen auf Facebook eingeblendet. Natürlich wird das eingeblendet, denn irgendwer hat dafür ein wenig Geld in die Hand genommen und es auf Facebook in einen gesponserten Beitrag gesteckt.

Facebook wiederum stört sich nicht daran, dass diese Anzeige bewusst irreführend ist und zudem falsche Angaben macht, denn Facebook verdient an diesen Fake-News nun mit. Inwieweit sich Möbelgigant XXXLutz in diesem Umfeld nun wohl fühlt, dürfte auf einem anderen Blatt stehen.

Wer es noch nicht wusste: Man kann Werbeanzeigen auf Facebook immer daran erkennen, dass sie den Hinweis „Gesponsert” tragen.  So wie in dem folgenden Fall, um den sich dieser Artikel drehen wrd:

Screenshot Mimikama.at
Screenshot Mimikama.at

Was steckt dahinter?

Wir haben es hier mit einem Fake-Gewinnspiel au fSocial Media zu tun, welches in den klassischen 3 Schritten abläuft. Anhand dieser drei Schritte kann man erkennen, worum es wirklich geht. Denn bei Fake-Gewinnspielen auf Facebook, die eine starke Viralität haben, handelt es sich um ein Geschäftsmodell. Im Gegensatz zu echten Gewinnspielen, die von Firmen zu Werbezwecken veranstaltet werden, nutzen Fake-Gewinnspielveranstalter das Produkt als Lockvogel.

In unserem aktuellen Beispielfall muss nun XXXLutz (ungewollt) als Lockvogel herhalten. Ärgerlich, da solche Fake-Veranstaltungen natürlich einen Reputationsschaden hinterlassen.

3 Schritte

imageDen ersten Schritt stellt der Köder dar. Dieser Köder taucht zumeist in Form einer Statusmeldung auf Facebook, einer WhatsApp Nachricht oder in seltenen Fällen auch als Instagram-Meldung auf. Diese Köder sind in ihrer Art alle identisch: Sie vermitteln die Aussicht auf einen Gewinn, den man im Grunde schon in der Tasche hat. Sie verleiten mit der Leichtigkeit der Teilnahme zum Mitmachenund locken auf eine Webseite. Es handelt sich hierbei um den Köder. Der Köder ist der virale Einstieg in den Gewinnspielablauf.

imageSchritt zwei stellt meist eine Webseite dar, die sich als ein vermeintliches Gewinnspiel mit einer Fragerunde ausgibt. Diese Fragerunde ist nicht zwingend immer vorzufinden, im Falle des vermeintlichen XXXLutz Gewinnspiels soll man ein paar Geschenk-Grafiken anklicken. Natürlich erwischt man dabei immer den Gewinn. Wir nennen diesen Schritt zwei auch die Brücke. Die Brücke zeigt sich in Form eines Fake-Gewinnspiels, in dieser Brücke wird einem zumeist der Gewinn direkt versprochen, es wird getäuscht und mit gefälschten Elementen gearbeitet. Diese Brücke ist letztendlich auch eine illegale Komponente, da die gegebenen Versprechen nicht eingehalten werden und der Aufbau sowie die Darstellung sich geschützter grafischer Elemente bedient. Das Corporate Design bestehender Firmen und deren Produkte, hier also XXXLutz, werden gnadenlos ausgenutzt, auf der Brücke gibt man sich auch gerne als die dargestellte Firma aus. Ziel der Brücke:

a) Viralität erzeugen (Beispiel: Leite dieses Gewinnspiel an 20 Kontakte weiter).
b) Ein Link wird eingebaut, der zu dem vermeintlichen Gewinn führen soll.

Screenshot Mimikama.at
Screenshot Mimikama.at

Interessant an dieser Stelle zu sehen: Man wird aufgefordert, aufgrund des versprochenen Gewinns die Hotline anzurufen. Bitte emrken!

imageDen dritten und abschließenden Schritt stellt ein sogenanntes Affiliate Programm dar. Man verlässt die Brücke über einen Link, der einen Partnercode beinhaltet, welcher zu einem Provisionsprogramm gehört. Es handelt sich hierbei um ein Affiliate, welches nach Möglichkeit inhaltlich mit dem in der Brücke verlaufenen Fake-Gewinnspiel korreliert. Wir nennen diese abschließende Verlinkung den Ausgang. Merke: Der Ausgang selbst, also die Affiliates, auf die verlinkt wird, ist nicht illegal! Es handelt sich dabei um Geschäftsmodelle, bei denen der jeweilige Anbieter solcher Programme seine Vertriebspartner durch Provisionen vergütet. Diese Vertriebspartner werden vom Anbieter durch einen Identifikationscode erkannt, so dass jeder neu registrierte Teilnehmer an dem Affiliate Gewinnspiel auch dem Vertriebspartner zugeordnet werden kann. Derjenige, der die Brücke gestaltet, entscheidet übrigens beliebig, welches Partnerprogramm er als Ausgang benutzt. Häufig finden wir auch Systeme vor, welche die Herkunft und die Geräteangaben des Teilnehmers auslesen und somit spezifisch auf unterschiedliche Provisionsprogramme leiten. Daher kann man nie eindeutig sagen, welches Provisionsprogramm am Ende aufgerufen wird, im schlimmsten Fall landet man auf dubiosen WAP-Billing Geschichten oder undurchsichtigen Abo-Serviceleistungen.

In unserem Beispielfall wird es jedoch besonders böse, denn man soll hier an einem Telefonquiz teilnehmen. Wie bereits in der Brücke angemerkt, soll man ja anrufen, um den Gewinn einzufordern. Blöd nur, dass in kleiner und farblich nicht sonderlich kontrastreicher Schrift zu diesem Affiliate Folgendes am unteren Seitenranf angemerkt ist:

„ […] anrufen 0800***99, besuchen Sie unsere Website: www.***.com Anrufer Kosten: 1.80 EUR pro Minute inkl. MwSt. Jeder Quizteilnehmer muss seine Mobiltelefonnummer oder private Telefonnummer angeben. Der nächste Schritt ist der Anruf einer Prämienhotline und die Eingabe des bereitgestellten PIN auf der Webseite. Sobald Sie den korrekten PIN eingegeben haben, können Sie das Quiz beginnen und am Wettbewerb teilnehmen. Die maximale Anrufzeit für diesen Anruf beträgt 30 Minuten. Um den bereitgestellten Preis zu gewinnen, muss der Nutzer die korrekten Antworten geben um Punkte zu erzielen. Für jede richtig beantwortete Frage erhält der Nutzer 100 Punkte. Um zu gewinnen, sollte der Nutzer so viele Fragen wie möglich richtig beantworten. Der Nutzer mit den meisten gesammelten Punkten am Ende der Werbeperiode gewinnt den Preis. Sollte es zwei oder mehr Nutzer mit der gleichen Punktzahl geben, so wird eine offene Frage gestellt. Der Nutzer, der als erstes korrekt antwortet ist der Gewinner des Preises. Die Werbeperiode endet am 31 December 2018. „

Halten wir fest:

Ursprünglich WURDE bereits die Gutscheinkarte versprochen. Das ganze war jedoch nur ein Köder, um in ein Telefonquiz zu locken. Dieses Quiz kostet 1,80 € pro Minute und soll maximal 30 Minuten gehen. Also bis zu 54 € teuer, wenn man anruft.

Und Facebook bekommt es mal wieder nicht hin, so eine Werbung zu kontrollieren. Bravo!

Artikel Vorschaubild von Andrey_Popov / Shutterstock.com

 

-Sponsorenliebe-

Weil du diesen Bericht zu Ende gelesen hast…

Kannst du uns bitte einen kleinen Gefallen tun? Mehr Menschen denn je lesen die Artikel von mimikama.at, aber die Werbeerträge sinken rapide. Anders als andere Organisationen haben wir keine “Pay-Wall” eingerichtet, denn wir möchten unsere Inhalte für alle Interessierten so offen wie möglich halten. Der unabhängige Enthüllungsjournalismus von mimikama.at bedeutet jedoch harte Arbeit, er kostet eine Menge Zeit und auch Geld. Aber wir tun es, weil es wichtig und richtig ist, in Zeiten wie diesen Internetnutzer mit transparenten Informationen zu versorgen. Wir hoffen, dass du es schätzt, dass es keine Bezahlschranke gibt: Unserer Auffassung nach ist es demokratischer für Medien, für alle zugänglich zu sein und nicht nur für ein paar wenige, die sich dieses "Gut" leisten können. Durch deine Unterstützung bekommen auch jene einen Zugang zu diesen Informationen, die es sich sonst nicht leisten könnten. Wenn jeder, der unsere Rechercheberichte liest und mag, dabei hilft, diese zu finanzieren, wird es mimikama.at auch weiterhin geben.

Folgende Unterstützungsmöglichkeiten bieten wir an: via PayPal,via Steady